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Ihr Velorennen vor dem Wohnzimmer mitten im Kreis 4

Der Parcours des Zürcher Fixie-Rennens Zuricrit führt direkt am Haus der Organisatoren Adi Merkt und Yvan Morf vorbei.

Der Blick aus ihrer WG geht auf die Rennstrecke: Zuricrit-Organisatoren Morf (l.) und Merkt. Foto: Urs Jaudas
Der Blick aus ihrer WG geht auf die Rennstrecke: Zuricrit-Organisatoren Morf (l.) und Merkt. Foto: Urs Jaudas

Diese Woche lernten Adi Merkt und Yvan Morf ihre bünzlige Seite kennen. Diese braucht es, wenn ein Sportevent organisiert sein will – und sei dieser noch so cool. So setzte sich Morf ans Laminiergerät, um die Einsatzpläne für die rund 60 Helfer einzuschweissen. Merkt kümmerte sich derweil um einen besorgten Nachbarn, der um sein entlang der Rennstrecke abgestelltes Auto fürchtete. Dass sich die Zuricrit-Organisatoren wenige Tage vor dem Start mit solchen Details herumschlagen, zeigt, dass ihr Rennen auf gutem Weg ist. Dieses findet morgen Samstag im Kreis 4 statt, zwischen Bullingerplatz und Lochergut.

Ein Sportevent mitten in der Stadt? Für gewöhnlich haben es neue Veranstaltungen in Zürich schwer. Sportliche erst recht, weil sie meist viel öffentlichen Raum in Anspruch nehmen und darum viele Ämter und Stellen Nein sagen können.

Das erlebten die beiden vor einem Jahr. Sie sprachen bei verschiedensten Stellen vor – und interpretierten das durchwegs positive Feedback als Zusagen. Als es dann darum ging, Bewilligungen zu erhalten, wurde es kompliziert. Am Ende einer langen Hauruck-Übung fand die Premiere des Zuricrit in Schlieren statt, auf dem privaten Gaswerkareal. Erst eine Woche vor dem Start erhielten sie grünes Licht, sieben Tage später schauten sich am Renntag 1000 Leute das Velospektakel an.

«Das wäre das Geilste!»

Entsprechend optimistisch schauen Merkt und Morf nun Richtung Zuricrit Nummer 2. Das ist durchaus wörtlich gemeint. Von ihrer WG an der Zypressenstrasse aus liesse sich das Rennen verfolgen. Eigentlich träumten die beiden vom Engequartier als Austragungsort – bis ihnen die Stadt beschied: Sucht euch besser einen Plan B. Mehr aus Jux kamen sie auf den Rundkurs durch ihr Quartier, ehe sie dabei realisierten, in den Worten Merkts: «Hier ein Rennen, das wäre das Geilste!»

Der Plan kam an, den Goodwill der Stadt hatten sie sich dieses Mal lange im Voraus gesichert. Hilfreich war da auch der Zuspruch für die Rad-WM 2024, die Zürcher Kandidatur hatte im Bewerbungsdossier explizit das Zuricrit als bestehenden Velo­event genannt.

Wobei sich das Zuricrit kaum stärker von einem klassischen Radrennen unterscheiden könnte. Es wird auf einem 850-Meter-Rundkurs ausgetragen, auf Bahnvelos mit Starrlauf, sprich ohne Bremsen, Gangschaltung und Freilauf – kurz: eine ziemlich wilde und spektakuläre Angelegenheit. Es verwundert nicht, dass die beiden Studenten Merkt und Morf einst bei ihrer Tätigkeit als Velokuriere von diesen Rennen erfuhren, da unter den Kurieren die Fixie-Velos hoch im Kurs stehen. Kurzerhand reisten sie für ein solches Rennen nach Mailand. Der Trip veränderte ihre Leben: Sie waren angefixt – und entwickelten sich zu angefressenen Rennvelofahrern. Und erfolgreiche dazu: Merkt gewann im Sommer in Dijon eines der grössten Fixie-Rennen Europas.

Ziel: 3 mal 1000 Zuschauer

In Zürich belässt er es bei der Rolle des Organisators. «Wäre doof, wenn dieser selber das Rennen gewinnen würde. Ebenso wenn er eine schlechte Figur abgäbe – ich könnte also eh nur verlieren», sagt er grinsend. Reizen würde es ihn schon. Darum ist seine Ambition, dass die 250 Absperrgitter rund um den Parcours am Samstag möglichst rasch stehen und er so vor dem Start noch ein paar schnelle Runden durchs Quartier drehen kann, ehe das ­Fixie-Spektakel in Zürich offiziell beginnt.

Für dieses sorgen gut 100Starterinnen und Starter aus 13 Nationen. Die Unterstützung im Quartier ist den Veranstaltern ­sicher: Der Quartierverein ist ebenso enthusiastisch dabei wie das Gewerbe. Fehlt noch das ­Publikum. Morfs Rechnung: «Die 1000 Zuschauer vom letzten Jahr werden sicher wieder kommen – und 1000 weitere mitbringen. Dazu kommen 1000, die stehen bleiben und zuschauen.»

Zuricrit. Qualifikationen 14–16 Uhr, Finals 16.45–20.30 Uhr.

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