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Nach vierzig Jahren im Kreis 1 – Traditions-Fotogeschäft schliesst

Bernhard Schaerer betrieb seinen Foti-Shop an der Pelikanstrasse als One-Man-Show. Ende Juni geht eine Ära zu Ende.

Er führte immer nur Nikon-Kameras – «weil es nichts Besseres gibt»: Bernhard Schaerer in seinem Shop.
Er führte immer nur Nikon-Kameras – «weil es nichts Besseres gibt»: Bernhard Schaerer in seinem Shop.
Urs Jaudas

Der Foti-Shop ist so etwas wie ein Wink aus der Vergangenheit – ein Laden, den es so kaum mehr gibt, schon gar nicht an dieser Lage, einen Steinwurf von der Bahnhofstrasse entfernt, zwischen Tesla-Showroom, Edelpub und Boutique. Der Foti-Shop ist ein kleinformatiges Fotofachgeschäft, von Bernhard Schaerer, dem 75-jährigen Inhaber, als One-Man-Show betrieben. Und zwar nicht irgendein Fotofachgeschäft, sondern – so betont Schaerer – das einzige weit und breit, das ausschliesslich Produkte der Firma Nikon anbietet.

Warum gerade Nikon? Man merkt dem Unterton von Schaerers Antwort an, was er denkt: Nur ein Ahnungsloser fragt so unbedarft. «Weil es nichts Besseres gibt», erklärt er. Nur Nikon mache die Gläser selber, erklärt der Foti-Shop-Betreiber. Und ergänzt: Er sei gelernter Instrumentenoptiker und gelernter Fotograf – «ich weiss, was Qualität ist».

Liebste Kunden: Ingenieure

Der Nikon-Fokus war Schaerers Chance: «Ich hatte jede Schraube, jedes Gehäuse an Lager. Ich reparierte Kameras, die andere als irreparabel bezeichnet hatten.» Die vierzig Quadratmeter Foti-Shop waren alles: Ausstellungsraum, Verkaufsraum und Werkstatt. Hier gingen Schaerers Kunden ein und aus: Profifotografen wie Amateure – am liebsten waren Schaerer jene, mit denen sich «interessante Gespräche» führen liessen. Der grosse, hagere Mann sagt auch gleich, mit wem das möglich war: «Wenn ein Gespräch interessant wurde, fragte ich den Kunden stets nach seinem Beruf. Praktisch immer waren es Ingenieure. Ingenieure sind die interessantesten Menschen.»

«Andere gingen in Konkurs, bei mir gibt es nicht eine einzige unbezahlte Rechnung.»

Bernhard Schaerer, Inhaber Foti-Shop

Bernhard Schaerer schwärmt – und macht nun doch seinen Laden zu, nach vierzig Jahren. Die Schliessung lässt einen an andere Anbieter aus dem Fotouniversum denken, etwa an die Foto-Pro-Gruppe, die Opfer des Wandels geworden und verschwunden sind. Schaerer stellt sofort klar: «Andere gingen in Konkurs, bei mir gibt es nicht eine einzige unbezahlte Rechnung.» Natürlich habe sich vieles verändert – Schaerer erwähnt die Omnipräsenz von Handykameras, die Digitalisierung, die technologische Entwicklung. Heutige Hightech-Digital-Kameras kann Schaerer nicht mehr selber reparieren, sondern muss sie einschicken.

Mission Freude weitergeben

Und doch laufe das Geschäft bis heute, betont Inhaber Schaerer. Zwar erziele er nicht mehr den Umsatz von einst, gut von seinem Shop leben könne er aber nach wie vor, zumal er nie Angestellte beschäftigt habe und das Ladenlokal trotz seiner exquisiten Lage vergleichsweise preiswert sei. Detaillierter mag Bernhard Schaerer nicht über den Geschäftsgang reden. Lieber betont er seine Mission: «Ich will Freude weitergeben.»

Ausverkauf im Foti-Shop: Bernhard Schaerer schliesst seinen Laden nach vierzig Jahren. Bild: Urs Jaudas
Ausverkauf im Foti-Shop: Bernhard Schaerer schliesst seinen Laden nach vierzig Jahren. Bild: Urs Jaudas

Dass er am 30. Juni gleichwohl für immer schliesse, liege allein an seinem Alter: «Ich bin 75. Irgendwann ist genug.» Er wolle sich nun seinen Briefmarken und seinen Enkeln widmen. Einen Nachfolger habe er gar nicht erst gesucht – «ich hätte kaum einen gefunden».

So läuft nun in Bernhard Schaerers Nikon-Shop der Ausverkauf. Kameras, Objektive und allerlei Zubehör stehen parat und warten auf Interessenten. Idealerweise auf interessante Interessenten.

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