Im Innern glänzt die Fifa

Zum ersten Mal im Fifa-Museum: Die Ausstellungsmacher setzen auf Bildschirme und noch mehr Bildschirme. Die Architekten auf edle Materialien und spektakuläre Treppen.

Zum ersten Mal können Schüler ins neue Fifa-Museum in Zürich — ihr Urteil. Video: Lea Blum

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Es gab ein Gebäude in Zürich, bei dem man schon sehr genau hinschauen musste, um seine Schönheit oder wenigstens seine architektonische Qualität zu erkennen. Das Werk von Architekt Werner Stücheli neben dem Bahnhof Enge stand lange Zeit leer, die Passage im Erdgeschoss war verbarrikadiert. Dann nahmen sich Bagger des Gebäudes an, rissen ihm die Fassade vom Betonskelett, hämmerten und spitzten kubikmeterweise Beton weg. Irgendwann verschwand das Bauwerk hinter weissem Tuch, für eine gefühlte Ewigkeit. Ein Geschenk für Zürich – nicht von Verpackungskünstler Christo, von der Fifa – ging es einem beim Vorbeigehen jeweils durch den Kopf. Und die Spannung stieg, die Neugierde ebenso.

Nach Monaten dann wurde es aus­gepackt – aber das Geschenk blieb irgendwie doch verborgen. Da war zwar eine neue Fassade, mit den dunkelroten ­Kacheln wirkte sie aber irgendwie alt­backen. Es dauerte eine Weile, bis man die Schönheit des renovierten Gebäudes erkannte, bis man genau genug hingeschaut hatte.

Von der Verpackung zum Inhalt. Sicher, ein bisschen konnte und kann man schon seit einiger Zeit reinschauen, durch die grossen Scheiben mit dem aufgedruckten Raster. Auffallend sind bei dieser Sicht der Dinge vor allem die Bildschirme, riesige Screens. Überall. Mehr als auf Rasen wird Fussball auf Fernsehern gespielt ... Im Museum drin sind es dann entweder historische Bilder, die gezeigt werden – oder aufwendige, eigens für das Museum in Auftrag ge­gebene Videoproduktionen.

Farbverlauf mit Trikots

Bis das Fifa World Football Museum, wie es offiziell und in voller Länge heisst, seinen Betrieb aufnimmt, dauert es noch einige Wochen. Eröffnungstermin ist der 28. Februar. So lange wollten wir nicht warten. Und fanden einen Weg ins Museum: (im Schutze dreier Schulklassen) durch den Haupteingang.

Dann steht man im Empfangsbereich, an einem langen Tresen, weiss, Hochglanz, dahinter die Kassen. Natursteinboden, gedämpftes Licht, riesige Bildschirme überall, edle Materialien überall. Diese Halle hat etwas von einem Tresorvorraum, er strahlt eine gewisse Ruhe aus. Obwohl im Entree Hochbetrieb herrscht, schliesslich wollen 70 Schüler möglichst sofort ein Billett. Der Blick bleibt an der Decke haften. Am herunterhängenden schwarzen Streckmetall sind bronzefarbene matte Rondellen angebracht, gross wie Untertassen. Ihre Farbe variiert in den verschiedenen Räumen. Hinüber zu den Garderoben und der Sportbar zum Beispiel sind verspiegelte Exemplare eingestreut; der Raum, das Entree fliessen optisch aus – oder eben in eine andere Funktion über. Im Obergeschoss wirken die Räume dank weisser Rondellen etwas weniger tief.

Optische Täuschung gefällig? Die gläsernen Lifte fahren jeweils an Fussballprojektionen vorbei. Foto: Doris Fanconi

Mithilfe des Billetts schwenken Glas­türen auf, geben den Tresorraum frei. In der Mitte hinter Glas die Trikots sämtlicher Mitglieder des Weltfussballverbands, säuberlich zusammengefaltet. Sie sind nach Farben sortiert, ein Farbverlauf von links nach rechts, von Gelb über Blau, Grün und Weiss bis zu Rot.

Auf der linken Seite des Tresorraums die Timeline mit der Geschichte des ­Verbands. Von den Anfängen des organisierten Fussballs in England 1863 bis zum Ende der Regentschaft Sepp Blatters 2016 (doch, doch, es ist bereits weiss auf schwarz bezeichnet). Die ­Rückwand bildet eine Reihe beinahe raumhoher Bildschirme, einer neben dem andern. Auf ihnen wird rund um die Welt Fussball gespielt. Dieser Raum, der Auftakt der Ausstellung, soll das weltumspannende Element, die Universalität des Fussballs veranschaulichen.

Die typischen Zurufe

Rechts erstreckt sich ein gläserner Liftschacht über drei Geschosse. Die Glaskiste durchstösst die Decke zum Untergeschoss, geht danach hoch durch die Galerie und bis an die Decke des ersten Ober­geschosses. Die Rückwand des Schachts ist wiederum ein riesiger Bildschirm, darauf rennen Kinder in x-facher Lebensgrösse dem Ball nach. ­Später schwebt man in einer der beiden Glasgondeln – jede fasst bis zu 66 Personen – langsam vom UG ins erste Ober­geschoss.

Überhaupt ist das Überwinden von Etagen im neuen Museum so eine Sache. Eine gute Sache. Die 3000 Quadratmeter Ausstellungsfläche verteilen sich über drei Geschosse. Man beginnt im Erdgeschoss und steigt dann eine steile Treppe ins Untergeschoss, begleitet wird man durch einen leisen Fussball­geräuschteppich. Zurufe, das typische Geräusch, wenn auf einen Ball getreten wird. Das hat etwas Stadionartiges.

Hoch in die erste Etage gelangt man einzig mit den beiden Glasgondeln. Als Schleuse dient das Kino mit 180-Grad-Projektion. Das Finale des Untergeschosses: ein Zusammenschnitt vergangener WM-Finals. Acht Minuten sitzt man bei bester Unterhaltung fest, bevor sich die beiden Türen in die beiden Lifte automatisch öffnen. Im Hintergrund spielen sie jetzt unter einer Autobahnbrücke Fussball.

Noch ein Geschoss höher sind ein Shop und das Restaurant eingerichtet. Von hier aus führt eine Wendeltreppe hinunter ins Erdgeschoss. Eine sehr lange und sehr schöne Wendeltreppe: Ihre Wände sind mit Spiegelmosaik verkleidet. 97'999 kleine Spiegel sind angebracht, ein Spieglein ist abgefallen.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 22.01.2016, 21:48 Uhr

Schule im Museum

Es fehlen Böckli und Wegweiser

Am Freitag besuchten drei Schulklassen, insgesamt mehr als 70 Schülerinnen und Schüler, das Fifa-Museum. Zum ersten Mal war das Haus richtig in Betrieb. Die Schulklassen wussten das «exklusive Angebot» zu schätzen; von Drittklässlern erhielt Museumsdirektor Stefan Jost einen Stapel Zeichnungen.

Die Schülerinnen und Schüler hatten zwei Stunden Zeit, sich frei auf den drei Etagen des Museums zu bewegen – beobachtet von Museumsmitarbeitern. Diese hielten fest, an welchen Punkten sich Staus bildeten, welche Teile der Ausstellung auf besonderes Interesse stiessen und welche links liegen gelassen wurden. Eigentlich wollten sie bloss beobachten – die Kinder «benutzten» sie jedoch oft als Auskunftspersonen.

Erstes Fazit: Die interaktiven Elemente kamen bei den Schülern gut an. Hingegen zeigten sie wenig Interesse an den Artefakten zu den einzelnen Weltmeisterschaften. Irgendwie schien es, als würde ihnen der (zeitliche) Bezug dazu fehlen. In diesem Zusammenhang interessant: Beim Film im Kino riefen jeweils viele laut auf, wenn Pelé ins Bild kam. Er scheint ein zeitloser Fussballer zu sein.

Noch bleibt etwas mehr als ein Monat bis zur Eröffnung, noch sind Handwerker bei der Arbeit, ist einiges offensichtlich unfertig. Das Team des Fifa-Museums erhofft sich vom Test, Schwachpunkte aufzuspüren und letzte Anpassungen in der Besucherführung zu machen. Bei der Selfiestation etwa fehlte ein Böckli (von den Kleineren unter den Drittklässlern war auf dem Foto jeweils bloss der Scheitel zu sehen). Und es wurde klar, dass eben nicht ganz klar ist, wie man aus dem Untergeschoss wieder ins Obergeschoss, die dritte Ebene der Ausstellung, gelangt: nämlich nur durch das Kino hindurch, Filmvorführung inklusive, in einem der beiden imposanten Glaslifte. Im Anschluss an den Museumsbesuch testeten die Schüler die Gastronomie: Auch hier hatten sie freie Wahl – und brachten die Küchenmannschaft auf Trab. Nicola Brusa

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