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Im Oldtimer durch die Steilwandkurve

Auf der offenen Rennbahn röhren heute Abend 60 historische Rennwagen und Motorräder ums Oval. «Indianapolis in Oerlikon» heisst die Veranstaltung, die den Velofahrern zugutekommt.

Knatternd kurven die über 80-jährigen Rennboliden durch die 45 Grad steilen Kurven auf der Velorennbahn Oerlikon. Foto: PD
Knatternd kurven die über 80-jährigen Rennboliden durch die 45 Grad steilen Kurven auf der Velorennbahn Oerlikon. Foto: PD

Ferrari, Bugatti, Maserati, MG oder Healey heissen die Marken heute Abend – nicht bloss Villiger, Cresta, Colnago oder Tour de Suisse. Und statt mit 50 kurven die Gefährte mit Tempo 100 durchs Steilwandoval – donnernd und röhrend statt leise surrend. Historisch sind die Gemeinsamkeiten grösser: 1911 wurde in Indianapolis in den USA das Oval eröffnet, ein Jahr später die offene Radrennbahn in Oerlikon. Statt bloss 9 Grad Kurvenneigung wie in Indy weist die Rennbahn Oerlikon fast 45 Grad auf. Das braucht für die Oldtimerpiloten, die häufig selber Oldtimer sind, ganz schön Erfahrung, Mut und Fitness.

Velofahrer und Autofahrer haben das Heu oft nicht auf der gleichen Bühne. Heute wird das in Oerlikon anders sein: Während die Teilnehmer der traditionellen Dienstagabendrennen sonst vor wenigen 100 eingefleischten Rad­sportfans fahren, werden nun mehr als 5000 Zuschauer erwartet.

«Aus diesem Grund haben wir vor 15 Jahren unseren Anlass gegründet», sagt der 74-jährige Aargauer Georg Kaufmann, der selber mit seinem Maserati 250F, Jahrgang 1956, ein paar Runden drehen wird. Mit diesem Modell wurde Juan Manuel Fangio 1957 Weltmeister. Wegen solcher Motorsportklassiker bezahlen die Zuschauer 20 Franken Eintritt. Alle Einnahmen kommen der offenen Rennbahn zugute.

Nur für versierte Rennfahrer

10 bis 12 Sekunden brauchen die Fahrer für eine 333,3-Meter-Bahnrunde. Das ergibt Tempo 80 bis 100. «In den Kurven werden wir mit etwa 3 G in den Sitz gedrückt», sagt Kaufmann. Das sei jedoch kein Problem, denn: «Wir lassen nur handverlesene Fahrer und Fahrzeuge an den Start, die Rennerfahrung haben und die wir sehr gut kennen.»

Wobei Start das falsche Wort ist: «Unser Motto lautet: Zeigen statt Zeitmessung», sagt Kaufmann. Jeder soll bloss so schnell fahren, wie er sich wohlfühlt. Überholt wird nur rechts und auf den beiden Geraden. «Wer übertreibt, wird vom Rennleiter ohne Vorwarnung von der Bahn geholt.» Einen Unfall gab es an den bisher 15 Veranstaltungen noch nie. Bloss drei Minuten dreht ein Feld von sechs Autos oder acht Motorrädern seine Runden. «Sonst werden die Piloten übermütig», sagt Kaufmann.

Höhepunkte sind dieses Jahr vier Formel-2-Wagen aus den Achtzigerjahren mit Marc Surer und Bergkönig Fredy Amweg sowie sechs originale Indy-Cars aus den 30er-Jahren. Die ältesten Fahrzeuge sind eine Harley-Davidson und ein Bugatti T 35 B, beide aus dem Jahr 1929. Einen Morgan Three Wheeler 1930 fährt Georg Kaufmanns Bruder Kurt. Jahrgang 1932 haben ein 202 PS starker Invicta-Rennwagen und ein MG Q. Das seltenste Fahrzeug ist ein 1950 gebauter Ferrari 340 America, eines der beiden letzten Fahrzeuge einer 5er-Serie.

Bloss keine Elektroautos!

Heute Abend – Beginn 16 Uhr, erste Runden 18 Uhr – findet der 16. Anlass statt. Kaufmann macht weiter, solange er mag. «Sicher Schluss ist, wenn wir Elektrofahrzeuge aufnehmen müssen.»

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