Hier wird das Essen reduziert aufs geschmackliche Maximum

Und dann stellen die einem im Limmathof doch glatt das beste Carne cruda der Stadt auf den Tisch! Aber auch sonst ist das Kreis-5-Restaurant ein feiner Ort.

Das Restaurant Limmathof wurde vor wenigen Monaten charmant modernisiert.

Das Restaurant Limmathof wurde vor wenigen Monaten charmant modernisiert. Bild: Andrea Zahler

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So voll, an einem gewöhnlichen Mittwochabend? Wir staunen mittelgrosse Bauklötze, als wir den Limmathof betreten – und sind froh, dass wir trotz fehlender Reservation einen Zweiertisch ergattern können.

Umso mehr, als er alle Feng-Shui-Kriterien erfüllt: Wir fühlen uns harmonisch mit Raum und Zeit und könnten, falls das nötig wäre, gar streng Vertrauliches besprechen, ohne Lauschangriffe befürchten zu müssen. Ist es aber nicht. Also ordern wir ein bisschen Pinot grigio und mustern die schmucke Lokalität, die im Vergleich mit dem letzten Besuch vor ein paar Jahren kaum mehr wiederzuerkennen ist.

Vor wenigen Monaten wurde der Limmathof nämlich neu gedacht – und neu gemacht: Das Interieur ist moderner und doch charmanter, neben dem Essbereich gibt es eine Lounge-Bar, die Karte hat mehr Auswahl und Pepp, und, last but not least, ist mit Stefan Iseli, dem vormaligen Mitbetreiber des Café Boy, unlängst auch noch ein prominenter neuer Gastgeber hinzugekommen.

Vor wenigen
Monaten wurde
der Limmathof
neu gedacht – und neu gemacht.

Geblieben indes ist die wichtigste Säule des Restaurants, nämlich dessen Zugehörigkeit zur Stiftung Arbeitskette: Das Sozialprojekt ist seit 1994 in der Zürcher Gastronomie engagiert und setzt sich dabei für die stufenweise berufliche Integration von beeinträchtigten Menschen ein.

Aber genug Hintergrundwissen, kommen wir zur schönsten Nebensache der Welt – dem Essen! Meine Begleiterin folgt der Empfehlung und bestellt die Marroni-Orangen-Suppe (9 Fr.). Die Ingredienzien, köstlich vermählt, entzücken Gaumen und Gemüt; sie ist begeistert, ich als Probierer bins auch.

Eine Carne cruda wie im Piemont. Bild: Andrea Zahler

Und doch, es ist kaum zu fassen, landet diese Vorspeise «nur» auf Rang 2. Der Grund ist die Carne cruda (24 Fr.), die ich als heissblütiger Lover von kaltem Fleisch auf der Karte natürlich nicht übersehen kann. Angepriesen ist es als «piemontesisches Tatar», und diesem Adelsprädikat wird es absolut gerecht: Da ist nur fantastisch feines Fleisch, etwas Olivenöl, knuspriges Brot – eine Speise, reduziert aufs Maximum des Geschmacks, besser geht nicht, jedenfalls in Zürich.

Man könnte nun salopp sagen: Alles andere ist Beilage. Doch das wäre erstens frech und zweitens falsch. Denn sowohl das Hohrückensteak mit Bratkartoffeln, Eschalotte und Senfbutter (32 Fr.) wie auch der «Limmattopf» (Hackbällchen, Kartoffeln, Erbsen, Tomaten, Safran, 28 Fr.) stimmen uns happy (allerdings hätte ich die Frage «Darfs no es bizzeli meh sii?» kaum verneint, wäre sie gestellt worden).

Das Lokal wird seit 1994 von der Stiftung Arbeitskette geführt. Bild: Andrea Zahler

Fehlt noch was? Genau, der Wein. Es ist ein «Les Brunes» aus dem Languedoc (9.60/dl). Da uns seine elegante Kraft glatt umhaut, müssen wir wissen, wo es ihn zu kaufen gibt. Gleich drei Angestellte versuchen das Rätsel zu lösen, vergebens. Schliesslich bringt einer eine Visitenkarte: «Rufen Sie Herrn Iseli an, der weiss es.» So geht Premium-Service!

Restaurant Limmathof

— Preis-Leistungs-Verhältnis
Wenn selbst das grillierte Stück Rind (inkl. Beilagen) deutlich unter 40 Franken bleibt, gibt es selbstverständlich wenig zu mäkeln. Dies aber sei erwähnt: Für Menschen mit Grizzlybärenhunger sind die Portionen womöglich etwas klein – was nicht schlimm ist, da es eine leckere Nachspeiseauswahl hat, zu der auch Käse gehört.

— Ambiance
Ein Quartierlokal, das mitten in der Woche trotz starker Konkurrenz in der Umgebung praktisch voll, akustisch aber gleichwohl angenehm temperiert ist? Viel näher am Volltreffer geht wohl kaum.

— Service
Für Stressköpfe und sonstwie gehetzte Zeitgenossen kann der Limmathof, der Teil des Sozialprojekts Stiftung Arbeitskette ist (siehe Hauptartikel), eine gewisse Herausforderung sein. Wer aber die nötige Geduld aufbringt, erfährt hier eine Herzlichkeit, wie man sie in Zürichs Gastroszene nicht oft findet.

— So kommt man mit dem ÖV hin
Tram Nr. 4, 6, 13 oder 17 bis Quellenstrasse, von da eine Minute Richtung Viaduktbögen laufen.

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In dieser wöchentlichen Rubrik lesen Sie unsere Urteile über die Gerichte in Zürcher Restaurants.

Erstellt: 21.11.2019, 15:51 Uhr

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