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«In Zürich sind zu viele Ecken überbewertet»

Autorin Tabea Steiner mag den Zürichsee, ein anderer ist ihr aber noch lieber. Nur ihre Liebe für das Semikolon ist grösser.

Hat (fast) keine Hoffnung aufgegeben: Autorin Tabea Steiner.
Hat (fast) keine Hoffnung aufgegeben: Autorin Tabea Steiner.
Andrea Zahler

Jede Woche beantworten Personen, die Zürich prägen, unseren Fragebogen und verraten uns, was die Stadt für sie ausmacht. Heute: Autorin Tabea Steiner.

Welches Buch einer Zürcherin hat Sie am meisten geprägt?

«Tage wie Hunde» von Ruth Schweikert. Ein Essay, ein Fragment, eine persönliche Spurensuche, die weit über das Private hinausgeht. Ein ungeheuerlich gutes Buch.

Würden Sie ein Buch über Zürich schreiben, wie würde der Titel lauten? Uff, schwierig! Aber wahrscheinlich müsste im Titel ein Tier vorkommen. Oder einfach: «Das Kapital».

Zu welcher Uhrzeit ist Zürich am schönsten?

Um sechs Uhr morgens, im Sommer, weil ich dann den Badesteg für mich alleine habe.

Wo treffen Sie Freunde am liebsten?

Im Restaurant Damm, auf der Werdinsel und im Sphères.

Auf welcher Wiese schauen Sie gerne in den Himmel?

Zum Beispiel am Chatzesee oder auf der Josefwiese. Und am 1. Mai auf der Kampfbahn.

Welche Ecke Zürichs ist überbewertet?

Miettechnisch viel zu viele Ecken.

Finden Sie den Zürichsee auch doof?

Der Zürichsee ist sogar sehr toll, dem Bodensee kann er das Wasser aber nicht reichen.

Welches Hintergrundbild ziert Ihr Smartphone?

Ein sehr schöner Mensch.

Wo können Sie nicht widerstehen, ein Selfie zu machen?

Ich kann keine Selfies machen. Das habe ich aufgegeben.

Sie können Ihr ganzes Leben nur noch in einer Zürcher Beiz essen – in welche gehen Sie?

In den Friends Corner an der Josefstrasse. Da gibt es das beste Essen.

Welches ist Ihr Züri-Soundtrack?

«Sihltal» von Kalabrese: «Ich bruuche nöd viel me als es Velo, dini Zit und dini Luscht – chan au elei am Fluss umehocke, aber mit dir isches tuusigmal schöner.»

Auf welchen Luxus können oder wollen Sie nicht verzichten?

Auf guten Kaffee.

Wer oder was ist die Liebe Ihres Lebens?

Sehr wahrscheinlich wird dies das Semikolon bleiben; in Konkurrenz zu Wasser.

Funktioniert Zürich auch ohne Geld?

Ja, siehe Züri-Soundtrack von Kalabrese: «Ziit chame nöd chaufä, Ziit chame nur nä und Liebi driitue.»

Welches Buch sollte jede und jeder lesen?

«Educated» von Tara Westover, «Motherhood» von Sheila Heti und von Adorno «Aspekte des neuen Rechtsradikalismus».

Wann haben Sie das letzte Mal geweint?

Als die letzten Bäume, die mein Vater gepflanzt hatte, gefällt worden sind.

Wo hatten Sie in Zürich Ihr schönstes Date?

Im Hirschen im Niederdorf.

Welches ist der Geruch Ihrer Kindheit?

Der von frisch gemähtem Gras.

Welche Hoffnung haben Sie aufgegeben?

Keine. Hoffentlich. Oder doch, das mit den Selfies.

Wo findet einen in Zürich das Glück?

In der Buchhandlung: «Glück» von Dragica Raj?i?.

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Die 38-jährige Tabea Steiner war mit ihrem Debütroman «Balg» 2019 für den Schweizer Buchpreis nominiert. Zudem organisiert die Thurgauerin, die seit dreieinhalb Jahren in Zürich lebt, das Thuner Literaturfestival. Am Dienstag, 10. März, spricht Steiner im Orell Füssli am Bellevue anlässlich der Buchpräsentation von «Junge Macherinnen», zu denen auch die Autorin zählt, über ihr Buch.

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