In Zürich startet die Miniflugpost

Nach Lugano und Bern steigen ab Ende Juni auch in der Stadt Zürich Drohnen mit Paketsendungen in die Luft. Vorerst aber nur mit einer ganz bestimmten Art von Post.

Die Post-Drohne hebt ab: Nach erfolgreichen Pilotphasen in Lugano und Bern werden die Geräte nun auch in Zürich eingesetzt.

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Anfang Monat lag in den Briefkästen der Anwohner vom Kreis 8 ein Brief mit folgendem Inhalt: «Sehr geehrte Damen und Herren. In den nächsten Wochen werden Sie vielleicht eine kleine, weisse Drohne über Ihrer Nachbarschaft am Himmel entdecken.» Es ist die erste Ankündigung für ein Phänomen, das in Zukunft vermehrt über den Dächern Zürichs auftreten dürfte: Transporte im medizinischen Bereich via Drohne, ausgeführt von der Schweizer Post.

In einer zweiwöchigen Testphase werden ab Ende Juni Flüge auf der Strecke zwischen dem Haupt- und dem Notfalllabor des Zentrallabors Zürich im oberen Seefeld durchgeführt. Eine Strecke von 1,5 Kilometer Luftlinie, die mit dem Auto laut Google Maps in rund sieben, mit der Drohne aber in zweieinhalb Minuten zurückgelegt werden kann. «Müssen Laborproben so rasch wie möglich von A nach B transportiert werden, zählt jede Minute», sagt der Direktionspräsident der Insel-Gruppe in Bern, wo derzeit gerade ein Pilotversuch mit Drohnen durchgeführt wird.

«Drohnen werden Pöstler ergänzen»

Bis es in Zürich so weit ist, möchte die Post diese aktuelle Testphase in Bern auswerten, wie Postsprecherin Léa Wertheimer sagt. In der Bundeshauptstadt fliegen die Drohnen seit letzter Woche zwischen dem Inselspital und dem Spital Tiefenau.

In Lugano hat die Post seit letztem Oktober bereits mehr als 1000 medizinische Transporte mit Drohnen durchgeführt hat. Das Unternehmen wertet die dortigen Erfahrungen durchwegs positiv. Es ist der erste Standort in der Schweiz, an dem Drohnenflüge bereits als standardisiert gelten. Es handelte sich dabei mehrheitlich um Bluttransporte.

Welche anderen Arten von Transporten in Zukunft denkbar seien, definiere die Post schrittweise, sagt Wertheimer weiter. Im Fokus stünden derzeit vor allem solche im medizinischen Bereich. Aber auch die Versorgung einer Siedlung, die etwa nach einem Unwetter von der Umwelt abgeschnitten sei, sei denkbar. «Drohnen werden in Zukunft den Pöstler sinnvoll ergänzen, aber nicht ersetzen», sagt Wertheimer.

10 Meter pro Sekunde

Bei der Drohne, die in Zürich zum Einsatz kommt, handelt es sich um einen weissen Quadrokopter mit einem Durchmesser von 80 Zentimetern, hergestellt von der amerikanischen Firma Matternet. Ihre Durchschnittsgeschwindigkeit beträgt 10 Meter pro Sekunde, die Flughöhe liegt bei 100 bis 120 Metern über dem Boden.

Die Drohne fliegt autonom auf einer vom Bundesamt für Zivilluftfahrt zertifizierten Route. Dank dem sogenannten Flarm-System ist sie für die Skyguides auf den Flughäfen Dübendorf und Kloten erkennbar.

Wie die Drohnen bei den Bewohnern des Kreises 8 ankommen, ist noch unklar. Ein Mann auf Facebook fasst die Stimmung so zusammen: «Manchmal hab ich das Gefühl, dass einen die Zukunft einholt…»

Erstellt: 13.06.2018, 11:25 Uhr

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