Indonesisch und vegan? Passt bestens zusammen

Das Dapur in Oerlikon mischt zwei Küchen, die man in Zürich nicht so häufig antrifft. Und füllt damit eine Lücke.

Drinnen gibts falsches Poulet, draussen unverfälschtes Oerlikon. Foto: Andrea Zahler

Drinnen gibts falsches Poulet, draussen unverfälschtes Oerlikon. Foto: Andrea Zahler

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«Plantbased» steht auf der Glastür. «Plänt beisd», liest der Karnivore und braucht etwas Zeit, bis er zu begreifen meint, was das englische Wort bedeutet: Vegetarisch? Vegan, korrigiert der Vegi. Und wieso schreiben sie das denn nicht?, fragt der Karnivore. Weil «pflanzenbasiert» besser klinge, behauptet der Vegi. Weniger kämpferisch, nicht so abgemagert, edler. Der Begriff sei aber unpräzise, mäkelt der Karnivore. Hühner oder Kühe ernährten sich ja ebenfalls von pflanzlichen Kalorien. Daher müsse man auch Fleisch als plantbasedes Lebensmittel bezeichnen. Er esse Pflanzen lieber selbst, entgegnet der Vegi, auf den Umweg über Tiermägen könne er verzichten.

Als das Dapur 2011 eröffnete, war es das einzige indonesische Restaurant der Stadt. Seit gut einem Jahr dürfte es auch Zürichs einziges indonesisches Restaurant mit veganer Küche sein. Diese Selbstentfleischung erfreut den Vegi. Sie erweitert seinen kulinarischen Auslauf. Denn obwohl sich viele Karnivoren von einer veganen Verschwörung umzingelt fühlen, setzen die meisten Restaurants in der Stadt weiterhin aufs tote Tier. Dass das Dapur nicht gerade citybased liegt, sollte niemanden entmutigen. Denn in der ÖV-Wirklichkeit befindet sich Oerlikon näher am HB als der Helvetiaplatz. Nur wenige Minuten braucht die S-Bahn bis ennet den Milchbuck. Und nur wenige Minuten brauchen die Füsse vom Bahnhof Oerlikon bis ins Dapur. «Das geht sogar für ein Mittagessen», jubiliert der Vegi.

Bedauerlich ist, dass die Mittagskarte nur drei Gerichte enthält.

Schattenspielfiguren aus Bali erinnern im Dapur an die indonesische Ausrichtung. Ansonsten ist das Lokal dunkel und schlicht gehalten. Auch die Mittagskarte bleibt einfach. Drei Menüs, zwei davon eng verwandt. Der Karnivore wählt mit V’ Ayam Bumbu Bali ein «No-Chicken» auf Sojabasis (24.50 Franken), wobei er es nicht lassen kann, sich einmal mehr über die vegetarische Unart zu nerven, Fleischliches zu verbannen, sich sprachlich aber beim Metzger zu bedienen. «Pflanzenblasiert» fände er das. Der Vegi überhört das Gemecker und wählt mit Bala-Bala Sindanglaya das gleiche Gericht mit Gemüsebällchen (22 Franken) statt Tofu. Als drittes Menü steht eine Kurkumasuppe zur Auswahl. Davor gibt es einen kleinen Salat.

Für Fleischnostalgiker gibts im Dapur «No-Chicken» aus Soja.

Aufgetragen wird mit zürcherischer Mittagszügigkeit. Und für einmal sind die zwei einer Meinung: Reis, das Spinat-Bohnen-Gemüse, die halbe Frühlingsrolle, Gemüsebällchen – sie überzeugen äusserlich und vom Geschmack her. «Sehr rund alles», sagt der Fleischesser. Und gesteht: Das gelte sogar für das falsche Huhn. Er zweifle, ob er dieses No-Chicken bei einem Blindtest von einem Yes-Chicken auseinanderhalten könnte.

Der Vegi lächelt ohne Unterbruch, fast wie eine Schattenspielfigur. Schade sei nur, sagt er, dass sie nicht am Abend gekommen seien. Dann wäre die Auswahl deutlich grösser.

Restaurant Dapur

– Preis-Leistungs-Verhältnis
Natürlich kriegt man an anderen Orten mehr Kalorien für weniger Geld (Zitat Karnivore). Aber das Essen ist seinen Preis locker wert.

– Ambiance
Drinnen sind über Mittag fast alle Tische besetzt. Stimmung und Publikum wirken angenehm anonym.

– Service
Aufmerksam und freundlich. Nur zum Abkassieren wollte lange niemand kommen, was ja eigentlich sympathisch ist.

– So kommt man mit dem ÖV hin
Das Dapur liegt gleich beim Bahnhof Oerlikon, wo zahlreiche Busse, Trams und S-Bahnen halten.

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In dieser wöchentlichen Rubrik lesen Sie unsere Urteile über die Gerichte in Zürcher Restaurants.

Erstellt: 24.10.2019, 17:27 Uhr

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