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Invasion von asiatischen Marienkäfern in Zürich

Die asiatischen Marienkäfer breiten sich im Kanton Zürich schnell aus. Noch fehlen Bekämpfungsstrategien.

Patrick Bernhart räumte letzte Woche seinen Balkon auf, als er sie bemerkte: Marienkäfer, die anders aussehen als die einheimischen. Die kleinen Tierchen sassen auf der Fassade seines Wohnhauses im Kreis 8 in der Sonne, flogen hin und her, kreisten um die Fenster. Eine Vorahnung liess Bernhart die Rolladen der Fenster runterkurbeln: «Es war wie ein Ameisenhaufen, bestehend aus grösseren Tierchen», beschreibt er das Bild, das sich ihm zeigte. Mehrere hundert seien es gewesen. «Meine Frau und ich dachten noch: So viele Glücksbringer auf einmal, das ist fast nicht möglich.» Ein Telefon an die Beratungsstelle Schädlingsbekämpfung der Stadt Zürich zeigte dann: Die Käfer waren zumindest keine Schweizer Glücksbringer, sondern asiatische. Die asiatischen Marienkäfer (Harmonia axyridis) fallen derzeit in der ganzen Schweiz auf, wie die Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tänikon letzte Woche meldete.

Über 30 Meldungen in einer Woche

«Zürich scheint von der Invasion der asiatischen Marienkäfer stark betroffen», sagt Gabi Müller, Leiterin der Beratungsstelle. Über 30 Personen haben sich in der vergangenen Woche bei der Beratungsstelle gemeldet – aus der Stadt wie auch aus umliegenden Gemeinden. Letztes Jahr hat es laut Müller nur sehr vereinzelt Meldungen gegeben.

Auch Alexandre Aebi, Forscher bei Agroscope, stellt fest, dass es aus Zürich viele Meldungen gibt. Einen besonderen Grund für die Häufung sieht er allerdings nicht: «Wir glauben, dass die Population in der ganzen Schweiz gewachsen ist. Nur hat man die Schwärme noch nicht überall entdeckt.» Aebi untersucht die Marienkäfer-Art zusammen mit Forschern des Internationalen Zentrums für Landwirtschaft und Biowissenschaften (Cabi) in Delémont.

Die Tierchen sind vor einigen Jahren zur biologischen Schädlingsbekämpfung nach Europa eingeführt worden. In Gewächshäusern sollten sie Blattläuse dezimieren. Doch die Käfer blieben nicht in den Gewächshäusern und fanden schliesslich 2004 auch den Weg in die Schweiz, wo sie zur Schädlingsbekämpfung nie zugelassen waren. Inzwischen haben sie sich rasant vermehrt und sind nun in Schwärmen auf der Suche nach einem Winterquartier. Die warmen Temperaturen der letzten Tage haben sie genutzt, um ein passendes Plätzchen zu finden. Inzwischen machen gemäss Agroscope und Cabi die Harmonia axyridis in gewissen Gebieten der Schweiz bereits 55 Prozent der Marienkäferpopulation aus. Ob die Eindringlinge die einheimischen Arten gefährden, ist noch unklar: «Bisher haben wir keine signifikanten Anzeichen dafür gefunden, dass die einheimische Flora und Fauna beeinflusst wird», sagt Johan Van Vlaenderen vom Cabi. Aber noch sei es zu früh, daraus Schlüsse zu ziehen.

Fliegengitter zum Schutz

Für Menschen sind die Schwärme vor allem unangenehm, wenn sie in die Wohnung gelangen. Sie überwintern gerne in Rolladen-Kasten, auf Dachstöcken, in Möbeln. Derzeit werde europaweit nach Bekämpfungsstrategien geforscht, sagt Aebi. Biologin Gabi Müller rät den derzeit Betroffenen, Fliegengitter zu montieren oder nur zu lüften, wenn es draussen kalt ist. Sie betont: «Die Tierchen sind nicht gefährlich und machen nichts kaputt.» In den USA allerdings haben Winzer entdeckt, dass die Käfer sich gerne an Trauben laben und – wenn sie mit in die Presse geraten – beim Wein eine bittere Note verursachen. In der Schweiz gibt es laut Aebi bisher keine solchen Fälle.

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