«Ist Daniel Craig schon rein?»

Oerlikon ist nicht London: Mit Ex-Missen, Bachelors und Moderatoren auf dem roten Teppich der Bond-Premiere in Zürich.

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Die Weltpremiere des neuen James-Bond-Films am Montagabend in London war königlich. Sogar die Royals liessen sich den Event nicht entgehen. Bond-Darsteller Daniel Craig schüttelte Prinz William und Prinz Harry die Hand, Herzogin Catherine lächelte im blassblauen Kleid der Menge zu.

Gestern nun feierte der Film in der Schweiz Premiere. In Oerlikon. Im Hallenstadion. Nicht ganz dasselbe wie die Royal Albert Hall. Aber auch hier versucht man sich etwas in Glamour. Der rote Teppich wird ausgerollt, die Fassade mit 007-Signeten beleuchtet, die Champagnergläser aufgereiht.

Die Fliegendichte ist höher als im Opernhaus

Schon kurz nach 18 Uhr treffen die ersten Gäste ein. Scharen von Herren in schwarzen Anzügen und Lackschuhen tummeln sich rund um die Eingänge. Die Fliegendichte ist höher als im Opernhaus. Dazwischen schreiten Damen in langen Roben und mörderisch hohen Heels. «Ist Daniel Craig schon rein?» – «Weisst du, wo wir durchmüssen?» – «Ich glaube, hier lang.» Die Leute bahnen sich einen Weg zwischen den Schranken hindurch, die eigentlich Schaulustige abhalten sollten.

«Ich werde kein Bond-Girl»: Naomi Harris und andere Prominenz im Videointerview.

Doch die Zaungäste lassen sich praktisch an einer Hand abzählen. Denn auf der VIP-Liste sucht man vergeblich nach A-Ligisten des Films wie Hauptdarsteller Daniel Craig oder den beiden Bond-Girls Léa Seydoux und Monica Bellucci. Oerlikon ist eben nicht London, wo Bösewichtdarsteller Christoph Waltz, «M»-Mime Ralph Fiennes und «Q» Ben Whishaw, ja sogar ehemalige Bond-Gespielinnen wie Britt Ekland («Der Mann mit dem goldenen Colt», 1974) oder Maryam d'Abo («Der Hauch des Todes») sich die Ehre gaben.

Wattierte Mäntel statt Stolas

Und so kanalisieren die Eisengitter nur die 4500 Premierenbesucher. Zu den ersten gehören Walter und Irina Beller – sie gewohnt extravagant im hochgeschlitzten Kleid mit Goldschlangenmotiv. Dazwischen unbekannte Schönheiten eingehüllt in wattierte Mäntel. Spätestens hier zeigt sich der Unterschied zu High-End-Glamour: Auf einem roten Teppich trägt man Stola oder man friert eben ein paar Minuten lang, bis man sich im Kinosaal wieder aufwärmen kann.

Gleich hinter dem Eingang findet eine Triage statt. Das unbekannte Premierenpublikum wird direkt ins Hallenstadion geschleust, die Promis schreiten an den Fotografen und Filmteams vorbei. Welches sein Lieblings-Bond-Girl sei, wollte einer der Journalisten von Iouri Podladtchikov wissen. «Eva Green. Ganz klar.» Am heutigen Abend hat der Snowboarder aber nur Augen für seine Begleiterin.

Missen, Missen und nochmals Missen

Um 18.30 Uhr fängt es auf dem roten Teppich langsam an zu stauen. Sänger Marc Sway macht ein Selfie mit einem Fan, Moderatorin Tamara Sedmak wird um ein Autogramm gebeten, was sie sichtlich rührt. Sven Epiney gibt sogar in der Schlange vor dem Eingang den Alleinunterhalter und bringt die Umstehenden zum Lachen.

«Da ist Tanja Gutmann!», ruft eine Frau zu ihrem Begleiter. «Nein, das ist eine andere Miss Schweiz.» Davon hats an diesem Abend in der Tat einige. Christa Rigozzi, Linda Fäh, Jennifer Ann Rees ehemals Gerber. «Die ist doch schwanger, die Jenny, nicht?», sagt jemand. «Jaja, und geheiratet hat sie auch.» Bachelors sind auf dem Red Carpet ebenfalls einige auszumachen. Neben Rafael Beutl schreitet auch Tobias Rentsch durch die Menge. Nur der Zürcher Stadtrat Filippo Leutenegger kommt ohne seinen Sohn Lorenzo, ebenfalls ein ehemaliger Bachelor.

Den wenigen wartenden Bond-Fans ist die geballte Bachelor-Gilde aber herzlich egal. Ihnen wird in der kühlen Bise vor dem Hallenstadion erst heiss, als Dave Bautista auftaucht, ein Darsteller aus dem Film, ein Koloss von einem Mann. «Ich bin nicht so gross. Nur mein Kopf», sagt er einer Frau, die versucht, sich neben ihm für ein Selfie in Pose zu werfen.

Moneypenny mit Gänsehaut

Um 19.20 Uhr taucht auch Naomie Harris alias «Miss Moneypenny» auf und gibt geduldig Autogramme, während sich auf ihren Armen im schulterfreien Kleid langsam eine Gänsehaut abzeichnet. Noch nicht einmal eine Stola gönnt sich die britische Schauspielerin. Es hätte ihr wunderschönes Kleid verdeckt. Sehr glamourös.

«Die wollen ja wirklich alle ein Autogramm», meint einer in der zweiten Reihe hinter der Abschrankung. «Ja, klar. Wenn die schon mal da ist.» Um 19.30 Uhr ist der Spuk vorbei und alle A-, B- und C-Promis sowie die verschiedenen Sponsoring-Vertreter verschwinden im Hallenstadion. Auf der Leinwand werden sie nun sehr viel Aufregenderes zu sehen bekommen, als es auf dem roten Teppich zu sehen gab. Oerlikon ist nun mal nicht London.

Erstellt: 27.10.2015, 21:16 Uhr

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