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Ist das die Lösung fürs Globus-Provisorium?

Der Zürcher Stadtrat will das Gebiet zwischen dem Hauptbahnhof und dem Central leerräumen.

So sieht es jetzt aus: Coop auf dem Papierwerdareal.
So sieht es jetzt aus: Coop auf dem Papierwerdareal.
Urs Jaudas
So sah das Gebiet vor 100 Jahren aus. Eduard Spelterini hat die Situation aus seinem Ballon so festgehalten.
So sah das Gebiet vor 100 Jahren aus. Eduard Spelterini hat die Situation aus seinem Ballon so festgehalten.
Eduard Spelterini
Ein Park, ein Badesteg oder eine Freiluftbühne wären auch genehm.
Ein Park, ein Badesteg oder eine Freiluftbühne wären auch genehm.
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Donnerstagnachmittag, 14.52 Uhr. Der Zürcher Stadtrat veröffentlicht eine Medienmitteilung, die man aufgrund der Vorgeschichte als historisch bezeichnen darf. Die Stadt hat ein Projekt vorgelegt, wie es auf dem Papierwerd-Areal rund um das Globus-Provisorium in Zukunft aussehen soll. Das Providurium, das seit über 50 Jahren neben der Bahnhofbrücke steht und die Stadtzürcher Gemüter erhitzt, soll verschwinden.

Die Stadt möchte das oberirdische Haus, in dem heute der Coop untergebracht ist, abbrechen. Der Laden soll in das bereits heute existierende Untergeschoss umziehen. Die heutigen Parkplätze sollen ebenfalls verschwinden und in den Untergrund: Im zweiten Untergeschoss sieht das Projekt ein öffentliches Parkhaus vor. Zusätzlich ist eine Verlängerung des kurzen Autotunnels Richtung Urania-Wache angedacht. All diese Veränderungen sollen einem grosszügigen Platz mit einem Pavillon Raum bieten. Und zu guter Letzt will die Stadt den Mühlesteg an eine neue Lage verlegen und verbreitern.

Für die Projektierung dieser Vorschläge braucht die Stadt Geld: 4,1 Millionen Franken, heisst es in der Mitteilung. Diesen Kredit beantragt die Regierung jetzt dem Gemeinderat.

Grünliberale begeistert

Eigentlich war das 1961 eröffnete Provisorium auf fünf Jahre angelegt. Das Warenhaus Globus liess es bauen, um die Zeit zu überbrücken, bis der Neubau an der Pestalozziwiese fertig war. Als der Stadtrat sich 1968 gegen ein autonomes Jugendzentrum im Provisorium entschied, endete das im berüchtigten Globus-Krawall.

Parlamentarier haben in den vergangenen Jahren wiederholt Vorstösse im Gemeinderat zum Globus-Provisorium eingereicht. Sie alle forderten eine Aufwertung des Areals. Im Februar 2013 reichten schliesslich die Grünliberalen eine Motion ein, die eine Neugestaltung des Areals sowie die Erarbeitung eines Nutzungskonzepts verlangte. Sie fand schliesslich eine Mehrheit im Rat, die gestrige Mitteilung ist nun das Resultat.

Bei den Grünliberalen ist die Freude über die Mitteilung vom Stadtrat dann auch am grössten. «Wir sind begeistert, dass nun endlich ein Projekt auf dem Tisch liegt», sagt GLP-Fraktionspräsidentin Isabel Garcia. Die ersten Bilder überzeugen sie. «Dieses Projekt bringt Luft an einen Ort, den man heute getrost als hässlich bezeichnen kann.» Dadurch erhalte man zwar keine freie Sicht aufs Mittelmeer, «aber immerhin auf die Limmat – oder vielleicht bis zum See».

Grüne verärgert

Auch andere Parteien begrüssen die Nachricht, dass sich jetzt endlich etwas verändert, sie haben aber ihre Vorbehalte. «Ich finde es gut, dass es jetzt vorwärtsgeht, bevor die Stadt das Provisorium noch unter Denkmalschutz stellt», sagt etwa FDP-Gemeinderat Michael Baumer. Das Projekt wirke «sympathisch», aber ob dann wirklich alle Ideen umgesetzt werden könnten, hänge auch von den Kosten ab. SP-Co-Präsident Marco Denoth klingt etwas enttäuscht: «Das Projekt ist nett – viel mehr aber auch nicht. An diesem Ort hätte es etwas Grösseres, Eindrückliches vertragen.»

Harte Worte wählen die Grünen in ihrer Medienmitteilung. «Besonders ärgerlich ist die Idee des Stadtrates, am mit dem öffentlichen Verkehr bestmöglich erschlossenen Punkt in der Stadt Zürich ein öffentliches Parkhaus zu errichten und einen Tunnel zu planen.» Das Projekt stehe isoliert im Raum, und der Stadtrat mache «sich keinerlei Gedanken zur Lösung der Verkehrsprobleme im Raum Bahnhof–Central». Es sei absolut unverständlich, dass der Stadtrat solche autofixierten Ideen mittrage.

Verkehrsbedenken äussert auch Mauro Tuena, Präsident der Stadtzürcher SVP: «Das Projekt darf den Autoverkehr in keiner Weise beeinträchtigen.» Ein allfälliger Spurabbau auf dieser Hauptverkehrsachse wäre untolerierbar. Zudem müssten die Parkplätze, die wegfielen, eins zu eins im Parkhaus kompensiert werden, ohne dass die Parkgebühren erhöht würden, fordert Tuena.

Baubeginn frühstens 2022

Die Stadt will nun einen Projektwettbewerb lancieren. Im Rahmen des Wettbewerbs würden verschiedene Variantenkombinationen geprüft. Das hätte laut Stadtrat den Vorteil, dass die Stadt das Projekt in zwei Schritten umsetzen könnte: zuerst mit einem kleineren Platz und der bestehenden Unterführung. Später könnte man das Projekt durch eine Verlängerung der Unterführung weiterentwickeln.

Stimmt der Gemeinderat dem Projektierungskredit zu, würde die Stadt voraussichtlich 2021/2022 ein Bauprojekt vorlegen. 2022/2023 könnte laut Mitteilung mit dem Bau begonnen werden. Das Ende des Provisoriums ist also angekündigt, es bleibt den Zürchern aber noch einige Jahre erhalten.

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