Jetzt erhalten die GC-Fans ihr Herz zurück

Für die Grasshoppers war der gestrige Abstimmungstag zentral – existenziell gar. Dies zeigte sich auch im Stadion, wo alles etwas anders war als sonst.

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Fans liegen sich in den Armen, wirbeln durcheinander, vereinzelt knallen Champagnerkorken. Gesänge werden angestimmt: «GC, mir chönds chum erwarte, dich im Hardturm spiele gseh.» Dabei hat das Spiel noch gar nicht begonnen. Es ist 15.30 Uhr, Sonntagnachmittag, soeben macht unter den Fans vor dem Stadion Letzigrund das Abstimmungsresultat die Runde. Eigentlich stand GC gegen den FC St. Gallen an, doch Sport interessierte zu diesem Zeitpunkt niemanden.

Um die Reaktionen der Fans zu verstehen, muss man wissen, dass sie und auch der Verein selber seit dem Umzug über die Gleise mit der Situation haderten. Und dies nicht nur, weil es sich mit dem «Fernglas-Letzigrund» um kein echtes Fussballstadion handelt.

Im Trotzmodus auf dem Letzigrund

Mit dem Abbruch des Hardturms im Jahr 2007 sei GC das «Herz herausgerissen» worden, liess Stephan Anliker, der Vereinspräsident, vor Wochenfrist in einem Interview mit dem «Tagblatt» verlauten. Bei einem Nein an der Urne würde dem Verein gar die grosse Perspektive fehlen. Man mag das als Abstimmungskampf im Tränendrüsenmodus abtun. Aber es widerspiegelt auch eine echte Gefühlslage im Verein und bei den Fans.

Letztgenannte befinden sich seit der Übersiedlung in den Letzigrund in einer Art konstantem Trotzmodus. Mit Feuerwerk und Fahnen hielten sie sich fast ganz zurück. «Trotz Exil bi jedem Spiel», stand zwar bockig auf der Zaunfahne vor der Fankurve. Doch einige überzeugte Fans blieben dem Letzigrund vom Moment des Umzugs an ganz fern. Nun hat sich mit dem gestrigen Abstimmungsergebnis an dieser Gefühlslage etwas Grundlegendes verändert.

«Ändlich zrugg id Heimat»

Und das sah im Stadion drin dann etwa so aus: Viele Fans schmuggelten sehr viel Feuerwerk auf die Ränge. Sie verwandelten damit die Nordtribüne während Minuten in ein grell leuchtendes und laut knallendes Etwas, sodass der Stadionspeaker sich Dutzende Warnungen auszusprechen genötigt sah. Auf der Zaunfahne vor der Fankurve war zum ersten Mal seit der Übersiedlung ein neuer Spruch zu lesen: «Ändlich zrugg id Heimat – Hardturm.» Der Stadionspeaker übernahm den emotionsgeladenen Ton: «Zürich sagt Jaaaaaaa! Der Grasshopper-Club kann endlich wieder zurück in die Heimat.» Und die Spieler bedankten sich beim Einlauf ins Stadion mit einem Banner beim Zürcher Stimmvolk.

Video: GC-Fans feiern Abstimmung im Letzigrund

Für einen Moment wird das Spiel gegen St. Gallen zur Nebensache. Video: Tamedia

Bald begann das Spiel gegen St. Gallen. Achter gegen Fünfter, tiefes Niveau, tiefe Temperaturen. Kein besonders attraktiver Fussballnachmittag, würde man meinen. Doch auf den Rängen war die Stimmung entspannt. Es ging alles etwas lockerer bei GC an diesem denkwürdigen Tag. Das erste Tor fiel nach wenigen Minuten – und GC gewann.

Erstellt: 26.11.2018, 08:30 Uhr

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