Jetzt fallen die 2100 Bäume am Uetliberg

Nach dem Streit um den geplanten Holzschlag haben die Arbeiten nun richtig begonnen. Auch eine Seilbahn ist im Einsatz.

Es wird abgeholzt: Christine Bräm, Direktorin von Grün Stadt Zürich, erklärt den Holzschlag auf dem Uetliberg. Video: Tamedia/lop

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Es ist eine beeindruckende Zahl: 2100 Bäume sollen am Zürcher Uetliberg gefällt werden. Naturschützer sind entsetzt und sprechen von «Kahlschlag». Die Stadt versuchte heute Montag bei einem Augenschein zu beruhigen.

Mit den nackten Zahlen können die Fachleute von Grün Stadt Zürich die Naturschützer nicht besänftigen. Diese bemängeln, dass der Eingriff viel zu massiv sei. Der Wald solle lieber in kleinen Abständen gepflegt werden. Hannes Zürrer vom Verein Pro Uetliberg stört sich daran, dass auch grosse, alte Bäume gefällt werden.

Um den Holzschlag zu verhindern haben die Naturschützer von Pro Uetliberg eine Aufsichtsbeschwerde eingereicht. Diese wurde jedoch zurückgewiesen, wie der zuständige Stadtrat Richard Wolff (AL) vor dem Medien sagte. Sie habe auch keine aufschiebende Wirkung, so dass die Waldarbeiten bereits voll im Gange sind.

1978 letzte Holzereiarbeiten

Dass die Arbeiten umfangreich sind, bestreitet die Stadt nicht. Doch dies hat einen guten Grund. Während im Stadtwald durchschnittlich alle sechs Jahre ein Eingriff erfolgt, fanden die letzten Holzereiarbeiten am Denzlerweg 1978 statt. Weil das Gelände steil und unzugänglich ist, sind die Arbeiten so aufwändig, dass die Waldarbeiter nur in grösseren Zeitabschnitten anrücken.

Der Holzschlag dient unter anderem dem Naturschutz und der Förderung der Biodiversität. So gedeihen verschiedene Tiere und Pflanzen besser, wenn der Wald ausgelichtet ist. Ausserdem müssen teilweise Bäume gefällt werden, um die Sicherheit von Wanderern und Radfahrern nicht zu gefährden.

Schutzwaldfunktion erhalten

Und schliesslich hat der Wald selbst eine Schutzfunktion, die mit den laufenden Arbeiten erhalten werden soll. Denn mehr als zehn Zuläufe speisen den Kolbenhofbach. Wenn dieser von umgestürzten Bäumen aufgestaut wird, sind die darunterliegenden Wohngebiete bedroht. Ausserdem müssen zur Entlastung der steilen Hänge schwere Bäume gefällt werden. «Der Schutzwald heisst nicht Schutzwald, weil er geschützt ist, sondern weil er schützt», hatte Richard Wolff im Gemeinderat erklärt.

Die Bäume, die gefällt werden sollen, sind gelb markiert. Teilweise stehen sie zu dicht oder schräg und drohen umzufallen, einige sind krank, wie etwa die Eschen, deren deutlich gelichtete Kronen auf das Eschentriebsterben hinweisen, andere sollen Platz machen, damit junge Bäume nachwachsen können. Totholz, das keine Gefahr bedeutet, verbleibt im Wald und ist wichtig für Insekten, wie Revierförster Willy Spörri erklärt. Jeder Holzschlag wird vom Kanton bewilligt.

Wo die Stadt Bäume fällen wird: Die geplanten Holzschläge im Winter 18/19 (zum Vergrössern bitte anklicken).

Baumtransport mit Seilbahn

Für den Transport der gefällten Bäume aus dem steilen Hang müssen mit einem Mobilseilkran insgesamt 18 Seillinien gebaut werden. Daran hängt ein funkferngesteuerter Laufwagen, der die schweren Stämme entweder bis zur Strasse am Grat oder ins Tal befördert.

Vor den Augen der versammelten Journalisten schwebt eine Eibe heran. Am Uetliberg befinden sich mehrere Eibenfördergebiete. Doch auch hier setzt die Motorsäge an. Denn die Fachleute haben festgestellt, dass die wertvollen Bäume sich schlecht verjüngen. Weil es eine gesunde Mischung von alten und jungen Bäumen geben soll, werden einige der grossen Eiben entfernt, um den kleinen Platz zu verschaffen. Eibenholz wird für spezielle Dinge verwendet, beispielsweise für Pfeilbögen oder Schindeln. Aber auch die Trittstufen am Denzlerweg sind teilweise aus dem witterungsbeständigen Holz. Nach den Forstarbeiten, die Ende des Jahres abgeschlossen sind, wird auch noch der Weg instandgesetzt.

Weil es sich bei der Fläche am Denzlerweg um einen Schutzwald handelt, beteiligt sich der Kanton an den Kosten. Insgesamt betragen diese rund 300'000 Franken, 80'000 Franken bringt der Erlös aus dem Holzverkauf. 60 Prozent des Holzes wird zur Energiegewinnung verwendet, der grösste Teil des Laubholzes wird nach China exportiert: dafür gibt es kaum einen Markt in der Schweiz. (sda)

Erstellt: 15.10.2018, 16:38 Uhr

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