Jetzt kommt die Volksinitiative gegen Bauprojekte am Zürichsee

Erst die Seilbahn, nun die Grossüberbauung. Einer Gruppe von Wollishofern reichts. Sie will das Seebecken frei halten.

Soll verhindert werden: Die Seilbahn der Zürcher Kantonalbank. Visualisierung: ZKB

Soll verhindert werden: Die Seilbahn der Zürcher Kantonalbank. Visualisierung: ZKB

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Mit der ZKB-Seilbahn sowie dem Bau von 68 Wohnungen und Villen sind in naher Zukunft einige grosse Projekte am Ufer rund um den Zürichsee geplant. Gegen diese Projekte gibt es bereits Widerstand in Form von Einsprachen, Petitionen oder Vorstössen im Gemeinderat. Doch das reicht dem Wollishofer Peter-Wolfgang von Matt nicht. Er möchte verbindlich in die Gemeindeordnung schreiben, dass die Stadt Zürich sämtliche Bauten verhindert, die einen Schattenwurf auf den öffentlichen Grünraum am Seeufer bewirken.

«Sonnenlicht ist fundamental»

Deshalb lanciert er zusammen mit einem Initiativkomitee heute die sogenannte «Besonnungs-Initiative». Es sei ein grosses Bedürfnis der Bevölkerung, sich am See auf den Wiesen zu erholen, sagt von Matt: «Das Sonnenlicht ist dabei fundamental. Schatten würde die Qualität einer solchen Wiese enorm abwerten.»

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Soll es verboten werden, am Seeufer Bauten zu errichten, die Schatten auf Wiesen werfen?




Der Stadtrat hat die Initiative vorgeprüft und festgehalten, dass sie den formellen und rechtlichen Anforderungen für eine Initiative genügt. Somit kann von Matt und das Initiativkomitee mit dem Sammeln der Unterschriften beginnen. Kommen innert der nächsten sechs Monate 3000 Unterschriften von Stadtzürcher Stimmberechtigten zusammen, könnte die «Besonnungs-Initiative» vor das Volk kommen. Ob sie inhaltlich auch gültig ist, ist noch nicht klar. Dies prüft der Stadtrat erst, nachdem die Initiative mit genügend gültigen Unterschriften eingereicht worden ist. Sie darf beispielsweise nicht gegen übergeordnetes Recht verstossen oder offensichtlich undurchführbar sein. Der Stadtrat kann die Initiative auch nur für teilweise ungültig erklären. Letztlich entscheidet der Gemeinderat über die Gültigkeit und darüber, ob der Initiative ein Gegenvorschlag gegenübergestellt wird.

Bauprojekte schon weit fortgeschritten

Umstritten dürfte vor allem ein Punkt der Initiative sein. Sie möchte die Höhe des Baubestandes rund um das Seebecken auf den Stand des 1. April 2019 einfrieren, wie es im Initiativtext heisst. Doch für den siebenstöckigen Bau mit 68 Wohnungen bei der Franz-Garage hinter der grossen Wiese beim GZ Wollishofen läuft bereits das Baubewilligungsverfahren. Die Initiative kann ein Bauprojekt, das bereits so weit fortgeschritten ist, nicht stoppen. Sie hat keine Vorwirkung und gilt erst, wenn sie definitiv in Kraft gesetzt wird.

Beliebte Wiese im Sommer: Das GZ Wollishofen. Foto: Samuel Schalch

Für das Kibag-Areal nebenan hat der Gemeinderat 2008 eine Sonderbauvorschrift erlassen. Sie ermöglicht den Bau von Villen mit Seeanstoss. Um das zu verhindern, haben Gabriele Kisker und Luca Maggi (beide Grüne) im Gemeinderat eine Motion eingereicht. Sie fordert eine grundsätzliche Gebietsplanung am Seeufer, die den Bedürfnissen der Bevölkerung nach Erholung, Freiraum und preisgünstigen Wohnungen gerecht wird. Der Stadtrat ist bereit, die Forderung als unverbindlicheres Postulat entgegenzunehmen. Der Gemeinderat hat vergangene Woche nicht mehr über die Überweisung bestimmt. Die nächste Sitzung ist erst wieder am 8. Mai.

Gilt die Initiative auch für temporäre Bauten?

Unklar ist auch, welche Auswirkungen die Initiative auf die umstrittene ZKB-Seilbahn hätte. Die Zürcher Kantonalbank plant zu ihrem 150-Jahr-Jubiläum für 60 Millionen ab 2020 eine Seilbahn zwischen der Landiwiese und dem Zürichhorn. Die Stützen für die Seilbahn bei der Blatterwiese und der Badi Mythenquai sollen 88 Meter hoch werden. Allerdings würde sie nach fünf Jahren abgebrochen werden. Initiant von Matt hält auf Anfrage fest, dass sich die Initiative gegen alle baulichen Veränderungen richtet – also auch gegen die Seilbahn.

Erstellt: 24.04.2019, 13:03 Uhr

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