«Mit Bodycams hätten wir hervorragende Bilder»

Sicherheitsvorsteherin Karin Rykart will die umstrittenen Bodycams nun doch einsetzen. Polizeichef Blumer hätte sie am Wochenende gerne schon gehabt.

Das Projekt wurde auf Eis gelegt, jetzt kommen die Bodycams wahrscheinlich doch. Video: Tamedia
Video: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Noch im Juli hatte die neue Vorsteherin des Sicherheitsdepartements ihre Meinung zu den Bodycams nicht gebildet und liess den von ihrem Vorgänger AL-Stadtrat Richard Wolff vorbereiteten Antrag zuhanden des Gesamtstadtrates auf definitive Einführung der Kameras sistieren. Doch über die Sommerferien hin sei sie zum Schluss gekommen, dass die Polizisten Körperkameras brauchen würden, sagte sie am Montag an einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz. Diese hat die Stadtpolizei wegen den Vorgängen am Seeufer vom Wochenende abgehalten.

Sie sei über die Gewaltexesse schockiert und fassungslos, sage die grüne Politikerin. Es habe sich um einen perfiden Angriff auf Rettungskräfte gehandelt. Rykart ist überzeugt, dass die kritischen Stimmen im Gemeinderat nach den Vorfällen ein schweren Stand haben werden. «Die Argumenten sprechen für Bodycams.» Neben dem Stadtrat muss auch das Parlament der Vorlage zustimmen.


Machen Sie mit bei «Die Schweiz spricht»: Die Aktion bringt Menschen ins Gespräch, die nahe beieinander wohnen, aber politisch unterschiedlich denken.


Zusätzlich befürwortet Karin Rykart den Einsatz von temporär aufgestellten Videokameras, welche an Hotspots installiert würden. Die Standorte werden aus Sicherheitsgründen nicht genannt; die Seepromenade sei aber auch ein solcher Hotspot.

Mob von bis zu 300 Personen

Daniel Blumer, Kommandant der Stadtpolizei sagte, dass die Körperkameras am Samstag ideal gewesen wären, um Beweismittel gegen die Flaschen- und Steinewerfer zu erhalten. «Hätten die Polizisten am Samstagabend Bodycams getragen, hätten wir hervorragende Bilder machen können.» Es habe sich um lebensgefährliche Angriffe mit teils gefüllten Flaschen gehandelt. Dass nur zwei Polizisten leicht verletzt wurden, sei dem Glück zu verdanken. Eine Polizistin, welche sich um den Verletzten kümmerte, sei beinahe von einer Flaschen am Kopf getroffen worden.

Am Samstag waren anfänglich zwei Patrouillen an der Seepromenade bei dem mit Messerstichen verletzten Mann. Als die Polizisten dann von FCZ-Hooligans angegriffen wurden, hätten sie um Verstärkung gerufen. Am Schluss seien 14 Patrouillen vor Ort gewesen, welche mit Tränengas und Gummischrott gegen den inzwischen auf 200 bis 300 Personen anwachsenden Mob sich wehren mussten.

Dass Polizisten immer mehr angegriffen und bedroht werden, skizzierte Blumer anhand von Zahlen. So zählte die Stadtpolizei von Januar bis Juli 2017 insgesamt 60 Fälle im Zusammenhang mit Gewalt und Drohung gegen Beamte. Fünf Personen wurden dabei verletzt. In der gleichen Periode in diesem Jahr waren es bereits 88 Fälle - mit elf Verletzten. «Der Trend setzt sich fort», sagte Blumer.

Schutz im Sanitätswagen

Fünf bis sieben Minuten mussten die Rettungssanitäter vor Ort verharren, um zum Verletzten vordringen zu können. Die Verzögerung kam laut dem Sprecher von Schutz und Rettung, Michael Schumann, deshalb zustande, weil die ebenfalls im Einsatz stehenden Polizeiautos von Vermummten mit Flaschen beworfen wurden. Dabei hätten die Sanitäter während drei Minuten im Sanitätswagen Schutz suchen müssen. Weiter sagte Schumann, dass der Angriff in erster Linie den Polizisten galt, nicht den Rettungssanitätern.

Sicherheitsvorsteherin Karin Rykart und Polizeichef Daniel Blumer vor den Medien. Foto: Keystone

Trotzdem, so Schumann weiter, werde mit derartigen Vorfällen eine Rote Linie überschritten. Die Rettungssanitäter der Stadt Zürich seien zwar geschult, mit Gefahrensituation umzugehen, auch dürften sie bei Bedarf Pfefferspray auf sich tragen, aber trotzdem seien Einsätze wie jener vom letzten Samstag belastend für die Einsatzkräfte. Nicht zuletzt, weil die Helfer nicht zu den Opfern vordringen könnten. Schumacher weiter: «Es kommt in einem urbanen Umfeld immer wieder vor, dass Rettungseinsätze von der Polizei eskortiert werden müssen.»

Der Grund: Von den jährlich 35’000 Einsätzen von Schutz und Rettung, würden etwa 1 Prozent, also 300, von verbalen Übergriffen, Drohungen aber auch Tätlichkeiten begleitet. Letztgenannte seien deutlich in der Minderheit, so Schumann. Die meisten der Fälle hätten mit Alkohol oder anderen Suchtmitteln zu tun. Oft wehrten sich die Patienten, mitgenommen zu werden. Auch psychisch Kranke machten einen wichtigen Teil der Übergriffe aus. Insgesamt hat sich die Zahl der Übergriffe in den letzten rund 10 Jahren Jahren aber nicht verändert.

Erstellt: 20.08.2018, 16:06 Uhr

Artikel zum Thema

Nach Gewalt-Eskalation: Zürichs neue Polizeichefin ist gefordert

Kommentar Vermummte FCZ-Fans haben Zürcher Sanitäter und Polizisten angegriffen. Jetzt muss die Politik reagieren. Mehr...

«Neue Dimension der Gewalt gegen Polizisten erreicht»

Video Vermummte FCZ-Fans haben Zürcher Stadtpolizisten und Sanitäter angegriffen, die wegen einer Messerstecherei ausgerückt waren. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Werbung

Weiterbildung

Ausbildung & Weiterbildung Finden Sie die passende Weiterbildung Technischer Kaufmann, Deutsch lernen, Coaching Ausbildung, Präsentationstechnik, Persönlichkeitsentwicklung

Blogs

Mamablog Darf die Mutter mit dem Bub aufs Männerklo?

Geldblog Wo bekommen wir eine gute Vorsorgeberatung?

Die Welt in Bildern

Essen auf Rädern: Eine Frau kauft sich ihr Abendessen bei einem Strassenhändler in Bangkok. (19. August 2019)
(Bild: Mladen Antonov) Mehr...