Jetzt wimmelts in Zürich

Party im Hellsinn statt Helsinki, essen im Vollshaus statt Volkshaus: Zwei Berner haben ein Kinderbuch entworfen, das auch Eltern gerne durchblättern werden.

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Wer in Zürich lebt, kennt die Szenen: Vor dem Rathaus hat sich eine kleine Gruppe zu einer Demonstration versammelt, die «Chinawiese» im Seefeld quillt über vor lauter Sonnenanbetern, beim Paradeplatz singt die Heilsarmee aus Leibeskräften, während ringsum Gutbetuchte Berge von Einkäufen mit sich herumtragen, und in der Nähe von «Frau Gerolds Garten» pinkelt einer an den Pfeiler der Hardbrücke.

Im neuen «Zürich-Wimmelbuch», das die Illustratorin Beatrice Kaufmann und der selbstständige Verleger und Medienproduzent Matthias Vatter kreiert haben, gibt es aber noch einiges mehr zu entdecken. Winzige Details, die auf witzige Weise von der Realität abweichen. So wird das Volkshaus zum Vollhaus, das Brocki zum Rocki und die «Neue Zürcher Zeitung» zur «Nelken Züchter Zeitung».

Vollshaus statt Volkshaus 
und Rocki statt Brocki 

Vor allem die vielen typischen Eigenheiten der abgebildeten Quartiere und Menschen sind sehr liebevoll eingefangen: Die szenigen Badegäste mit ihren Tattoos in der Lettenbadi. Die Moderatorin des Lokalfernsehsenders, die am Rande des Sechseläutens die Zürcher Prominenz interviewt. Die Capoeira-Tänzer am Seeufer, die Warteschlange vor dem Helsinki (im Buch das Hellsinn), die verrückten Flohmarktartikel auf dem Kanzleiareal. Dazwischen tummeln sich immer wieder Züri-Löwen, welche die kleinen und die grossen Betrachter gemeinsam ausfindig machen können. Warum ausgerechnet zwei Berner die Eigenheiten Zürichs mit so viel Liebe zum Detail eingefangen haben, wollten wir von Verleger Matthias Vatter selbst erfahren.

Herr Vatter, Sie und Ihre Frau kommen aus Bern und haben nun ein Wimmelbuch über Zürich veröffentlicht. Wie kam es dazu?
Wenn man ein Wimmelbuch über eine Stadt machen will, muss man ihre Geschichte und ihre Eigenheiten gut kennen. Wir haben zehn Jahre lang in Zürich gelebt – meine Frau, die das Buch gezeichnet hat, sogar 15 Jahre. Dabei ist Zürich ein bisschen ihre zweite Heimat geworden. Die Idee zum Buch haben wir gemeinsam entwickelt, als wir Wimmelbücher von deutschen Städten gesehen haben. Wir wollten auch so etwas für Schweizer Städte veröffentlichen. So sind zunächst das Berner und jetzt das Zürcher Wimmelbuch entstanden.

Üblicherweise sind Wimmelbilder knallbunt gestaltet. In Ihrem Buch werden die Sujets jeweils von zwei Farben dominiert. Warum dieses aussergewöhnliche Konzept?
Meine Frau wollte damit jedem Sujet eine spezifische Farbkombination geben, die dem jeweiligen Charakter und der Geschichte der entsprechenden Orte entspricht. So ist das Kanzleiareal nicht per Zufall in Rot-Grün gezeichnet. Der hipsterige Kreis 5 ist wiederum in Lila gehalten, was bei der dargestellten, typischen Abendstimmung im Ausgangsviertel sehr stimmig ist.

Zürich hat einiges zu bieten. Wie sind sie bei der Wahl der Sujets vorgegangen?
Das war tatsächlich nicht so trivial, schliesslich mussten wir uns aus drucktechnischen Gründen auf sieben Themen beschränken. So galt es auch zu entscheiden, ob wir Orte um die Stadt wie beispielsweise den Flughafen im Buch abbilden oder ob wir uns auf die Kernstadt beschränken wollen. Bei unseren Recherchen haben wir uns mit unzähligen Zürcherinnen und Zürchern unterhalten. Die gewählten Sujets sind sozusagen die Essenz aller Rückmeldungen sowie unserer eigenen Beobachtung. Wir sind der Meinung, dass sie ein recht gutes Abbild der Stadt ergeben – wenn auch nicht ein umfassendes. Das wäre gar nicht möglich.

Und wie haben Sie diese Eigenheiten dieser Stadtgebiete erfasst?
Meine Frau war tagelang an diesen Orten unterwegs, hat dort alles beobachtet, fotografiert und sich Notizen gemacht. Es galt, die charakteristischen Details sowohl der Bauten als auch der Leute zu erkennen und nachzuzeichnen. Dazu war sehr viel Recherche nötig. Von der Idee bis zur Umsetzung des Buches dauerte es denn auch insgesamt vier Jahre.

Vier Jahre gemeinsame Arbeit an einem Projekt. Eine besondere Challenge für ein Ehepaar?
Es war definitiv eine Herausforderung – vor allem mit zwei kleinen Kindern. Wir hatten als Auftraggeber und Auftragnehmerin am gemeinsamen Esstisch durchaus einige Diskussionen. Es war aber auch von Vorteil, dass wir uns sehr gut kennen. Das hat uns sicher mühsame Missverständnisse erspart.

Schauen Sie genau hin: Wie viele Löwen sind auf den drei abgebildeten Buchseiten zu sehen? Schicken Sie uns bis Freitag, 11. Dezember 2015, Ihre Lösung an community@tages-anzeiger.ch mit dem Vermerk «Wimmelbuch». Wir verlosen drei signierte Zürich-Wimmelbücher. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 07.12.2015, 14:36 Uhr

Suchen Sie die Löwen im Bild: Zum Vergrössern bitte anklicken. (Bild: Beatrice Kaufmann/vatter&vatter AG, Bern)

(Bild: Beatrice Kaufmann/vatter&vatter AG, Bern)

(Bild: Beatrice Kaufmann/vatter&vatter AG, Bern)

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