Jonglieren mit Geburtstagstorten

Der Circus Conelli feiert auf dem Bauschänzli seinen 35. Geburtstag. Die Premierenbesucher erlebten gestern Weltklasseakrobatik und Schenkelklopferhumor.

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Je länger es den Conelli gibt, desto mehr wird das Bonmot des früheren Stadtpräsidenten Elmar Ledergerber zum Klassiker: «Der Conelli gehört zu Zürich wie die Löwen zum Stadtwappen.» Vor 35 Jahren baute der 2007 verstorbene Conny Gasser den ersten Weihnachtszirkus auf der Sechseläutenwiese auf. Aus Conelli Gasser wurde Conelli. Seit 1992 gastiert der Zirkus im roten Zelt auf dem Bauschänzli. 850 Premierengäste erwiesen am Montagabend der Zirkusdynastie Gasser die Reverenz. Bilanz nach der Premiere: ein Programm mit Weltklasseartisten, ein bisschen Las Vegas mit Sänger Evan Andrews, wunderbaren Tänzerinnen, eigenem Zirkusorchester sowie drei bodenständigen Schweizer Clowns.

TV-Mann Beni Thurnheer brachte die Leistung der Artisten am süffigsten auf den Punkt: «Da ist alles echt, kein Fake, kein Photoshop, kein Sicherheitsnetz – Zirkus ist der Inbegriff für Show.» Experte ist auch der ehemalige Spitzenturner Lucas Fischer (EM-Silber), der heute Sänger und Show-Akrobat ist. «Salti und Handstände schaffe ich noch locker, aber nicht auf elf Stühlen.» Das war denn auch einer der Höhepunkte des Programms: Der russische Artist Maxim Popazov balanciert auf elf wackligen Stühlen ungesichert hoch oben in der Zirkuskuppel – mit einer Geburtstagstorte in der Hand. Da machte es sich der Zürcher Stadtrat Raphael Golta einfacher. Er konnte – als Stellvertreter von Stadtpräsidentin Corine Mauch – eine Torte mit 35er-Kerzen aus den Händen seiner Frau Catherine Heuberger Golta an Zirkusdirektor Roby Gasser und seine Frau Cindy weiterreichen.

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Apropos Nationalitäten der Artisten: Stadtpolizeichef Daniel Blumer und Medienzampano Marco Cortesi empfahlen den Medien augenzwinkernd: «Schreibt doch das Alter!» Bei den drei Clowns jedenfalls ist die Herkunft offensichtlich: echter helvetischer Humor, der zum Schenkelklopfen und zum unbesorgten Losprusten – aber auch zum feinen Lächeln – verführt. Zu den Schweizer «Dick und Doof» – Roli (Noirjean) und Gaston (Häni) – kommt erneut Frithjof Gasser, genannt Fritzi. Er ist ein Cousin von Conelli-Direktor Roby Gasser und entstammt auch dem Familienzirkus Royal. Mit seinem eigenen Unternehmen tingelt er durchs Land, nun darf er ausleben, was er am liebsten tut: den August spielen. So gibt er den Al Capone, der von Gaston verhaftet werden soll. Natürlich kommts nach wilden Slapstickeinlagen ganz anders.

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Nach den Clowns ganz oben auf der Favoritenliste des Publikums ist eine Gruppe von fünf mongolischen Velofahrerinnen. Die Mongolian Unicycle Group pedalt mühelos auf ihren hohen Einrädern in der Manege herum. Dabei werfen sie sich übers Kreuz Schalen zu – mit der Fussspitze – und fangen diese auf – mit dem Kopf. Die fünf Akrobatinnen beherrschen das auch rückwärts ohne Sicht auf ihr Ziel. Und dabei fällt kaum je eine vom Rad. Atemberaubend sind auch die Enkhee Boys & Girls, eine zwölfköpfige Truppe aus der Mongolei, die sich mit dem Schleuderbrett bis an die Zirkuskuppel schiessen.

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Bei der eleganten Russin Maria Sarach-Popazova, der Frau des Handstand-Stuhl-Akrobaten, schmerzt das Publikum der Rücken nur schon vom Zuschauen. Die Schlangenfrau und Akrobatin ist mit ihren Beinen beweglicher als die meisten mit den Armen. Die schöne Maria hält sich im Schlussbouquet nur mit den Zähnen an ihrem Turngerät, während sie sich mit ihrem Hinterteil auf dem Kopf abstützt, die Wirbelsäule 180 Grad nach hinten gebogen. Ebenso elegant ist das ukrainische Duo Turkeiev. Hoch oben in der Kuppel macht Iuliia, nur an den Strapaten hängend, eine Pirouette, die kein Mixer auf Stufe 5 hinbringt.

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Fast jede Nummer ist auf ihre Art Weltklasse. Gemessen an der Lautstärke des Applauses sind auch die beiden Kraftprotze Adam und Anton aus den USA ein Höhepunkt. Der eine ist ein Bär von einem Mann, der andere ein Muskelbündel ohne ein Gramm Fett. Zusammen heben, stemmen, winden und drehen sie sich gegenseitig so elegant, als wären sie federleicht.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 20.11.2017, 23:24 Uhr

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