Zum Hauptinhalt springen

Jugendanwalt Gürber erhielt Morddrohungen

Laut Justizdirektion haben alle Beteiligten im Fall Carlos unschöne Reaktionen erhalten. Gürber ist nun teilweise krankgeschrieben. Bekannt wurde zudem, dass Carlos im Beisein eines Pfarrers verhaftet wurde.

Carlos (vorne), ein 18-jähriger Gewaltstraftäter seit früher Jugend, wird mit Sondermassnahmen unterstützt, die ihn resozialisieren sollen. Darunter fallen eine 4,5-Zimmer-Wohnung und eine Rundumbetreuung durch Sozialarbeiter.
Carlos (vorne), ein 18-jähriger Gewaltstraftäter seit früher Jugend, wird mit Sondermassnahmen unterstützt, die ihn resozialisieren sollen. Darunter fallen eine 4,5-Zimmer-Wohnung und eine Rundumbetreuung durch Sozialarbeiter.
Screenshot SRF
Wurde bereits als 11-Jähriger verhaftet: Carlos (r.) mit seinem Thaibox-Trainer.
Wurde bereits als 11-Jähriger verhaftet: Carlos (r.) mit seinem Thaibox-Trainer.
Facebook
Wegen der Entrüstung der Bevölkerung wird der Fall Carlos nun auch Sache der Politik. Regierungsrat Martin Graf (Grüne, Bild) hat einen internen Bericht angefordert und will sich Anfang September zum Fall äussern.
Wegen der Entrüstung der Bevölkerung wird der Fall Carlos nun auch Sache der Politik. Regierungsrat Martin Graf (Grüne, Bild) hat einen internen Bericht angefordert und will sich Anfang September zum Fall äussern.
Nicola Pitaro
1 / 6

Der Fall Carlos hat den Beteiligten Beschimpfungen und Drohungen eingetragen. «Alle Beteiligten in dem Fall haben teilweise sehr emotionale Reaktionen erhalten», zitiert die «SonntagsZeitung» einen Sprecher der Zürcher Justizdirektion. Laut der Zeitung hat der für die Einzelbetreuung des jugendlichen Messerstechers verantwortliche Jugendanwalt Hansueli Gürber sogar Morddrohungen erhalten. Die Polizei fährt nun offenbar regelmässig um sein Haus.

Gürber setzt die Kritik an seiner Person offenbar zu: Der 62-Jährige ist nach Angaben der «Schweiz am Sonntag» inzwischen wegen Herzproblemen zu 50 Prozent krankgeschrieben. Laut der «SonntagsZeitung» will Gürber nun erst mal Ferien nehmen. Gürber steht kurz vor der Pensionierung: Diese ist schon länger für nächsten Sommer vorgesehen.

Carlos während Seelsorge verhaftet

Wie die «NZZ am Sonntag» berichtet, befand sich Carlos in Begleitung eines Pfarrers, als er verhaftet wurde. «Als der Zugriff erfolgte, führten Pfarrer Markus Giger und Carlos ein seelsorgerisches Gespräch», sagte Nicolas Mori, Sprecher der Reformierten Kirche des Kantons Zürich, der Zeitung. Es stelle sich die Frage, warum der Zugriff genau zu diesem Zeitpunkt erfolgen musste, wird Mori weiter zitiert. Auch staatliche und politische Institutionen müssten den sensiblen Rahmen der Seelsorge respektieren.

Carlos und der Pfarrer waren offenbar nach einem gemeinsamen Mittagessen unterwegs zu Räumlichkeiten der Kirche in der Stadt Zürich. Vor dem Gebäude nahmen sechs Polizisten in Kampfmontur den jugendlichen Straftäter fest.

KKJPD-Präsident will Konsequenzen

Der Zürcher Fall «Carlos» könnte den Jugendstrafvollzug auch in anderen Kantonen verändern. Der Berner Polizei- und Militärdirektor Hans-Jürg Käser, Präsident der Konferenz der kantonalen Justiz- und Polizeidirektoren (KKJPD), will sich einen Überblick verschaffen.

Er werde dem KKJPD-Vorstand vorschlagen, den Umgang mit dem Jugendstrafrecht zu überprüfen und zu schauen, ob es auch in anderen Kantonen solche «Sonder-Settings» gebe, sagte Käser am Samstag gegenüber der «Tagesschau» des Schweizer Fernsehens (SRF). Dann könne diskutiert werden, ob allenfalls Massnahmen getroffen werden müssten.

«Das versteht kein Mensch»

Käser hat kein Verständnis für die Behandlung, die man in Zürich einem jugendlichen Straftäter angedeihen liess. Im Fall von Carlos sei jedes Augenmass verloren gegangen. «Das versteht kein Mensch», sagte Käser.

Der FDP-Politiker betont in dem Interview, dass Resozialisierung nur ein Teil des Strafvollzugs sei. «Ein Jugendlicher muss lernen, dass man bestraft wird, wenn man ein Verbrechen begeht.» Wenn zusätzlich Massnahmen ergriffen würden, um ihn wieder «auf die Schiene» zu bringen, dann finde er das grundsätzlich richtig, sagte Käser.

Der Fall «Carlos» war durch eine SRF-Reportage zum öffentlichen Thema geworden. Es stellte sich heraus, dass für den straffälligen Jugendlichen ein sogenanntes Sonder-Setting eingerichtet worden war. Dieses umfasste eine 24-stündige Betreuung, begleitetes Wohnen in einer 4,5-Zimmer-Wohnung und therapeutische Massnahmen.

Zudem besuchte der Jugendliche täglich ein Thaiboxtraining. Die Kosten beliefen sich auf insgesamt 29'200 Franken pro Monat. Inzwischen ist der Jugendliche wieder im Gefängnis – «zu seinem eigenen Schutz», sagt die Justiz.

SDA/mw

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch