Junge Flamingos tragen noch kein Rosa

Bei den Flamingos im Zoo Zürich ist nach einer Durststrecke das Brutfieber ausgebrochen. Sie haben gegen dreissig Eier gelegt. Nicht alle sind heil geblieben.

Zu kurze Beine: Das Kleine wird wohl bald noch Spielkameraden bekommen.

Zu kurze Beine: Das Kleine wird wohl bald noch Spielkameraden bekommen. Bild: Zoo (Enzo Franchini)

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Sie sehen aus wie Jungschwäne mit zu kurz geratenem Hals oder wie schlacksige Entenküken. Aber ganz sicher nicht wie ihre Eltern, die Flamingos. Auch tragen sie Grau statt des arttypischen Rosas.

Bei den Chile-Flamingos im Zoo Zürich wird im Moment schon fast im Akkord gebrütet. «Das Brutfieber ist ausgebrochen», sagte Kurator Robert Zingg heute Morgen vor den Medien. Und das ist ganz und gar nicht selbstverständlich.

Es ist zehn Jahre her, seit es bei den Chile-Flamingos im Zoo Zürich das letzte Mal Nachwuchs gegeben hat. Die Flamingos schreiten nur zur Brut, wenn verschiedene günstige Faktoren zusammenkommen – welche das sind, ist selbst unter Fachleuten nicht ganz klar. Laut Zoodirektor Alex Rübel gilt für Flamingos auf jeden Fall: Je grösser die Gruppe, desto eher brüten sie. Dieses Jahr hat offensichtlich alles gepasst.

Viel Betrieb in der Flamingokolonie. Video: Tamedia

Die Flamingos sind nicht nur im Alltag, sondern auch bei der Brut gesellig. Ihre aus Lehm und Schlamm gebildeten Nestmulden liegen so nahe beieinander, dass die brütenden Väter und Mütter über den Nestrand hinaus miteinander zanken oder schnäbeln können.

Seit Ende Juni sind insgesamt fünf Jungvögel geschlüpft, zwei sind aus noch unklaren Gründen schon bald gestorben. Das älteste Küken ist bereits fast so gross wie die Eltern, nur eben immer noch grau und wuschelig. Doch steht es schon kerzengerade, und ohne zu wackeln, auf einem Bein.

Es hebt das Bein und schwankt

Das will das mittlere Küken auch versuchen. Es hebt das Bein an, schwankt und stellt es schnell wieder auf den Boden. Wenn es im Wasser steht, reicht seine Brust nur so knapp über die Wasseroberfläche, dass es aussieht, als ob es schwämme: eben wie ein Jungschwan mit zu kurzem Hals oder ein schlaksiges Entchen.

Das Kleinste versteckt sich noch im Nest und ist nur sichtbar, wenn die Mutter oder der Vater aufsteht, um es auszulüften. Es ist schneeweiss und hat noch einen geraden Schnabel. Die Küken verlassen nach etwa einer Woche das Nest und werden von den Eltern mit Kropfmilch gefüttert, welche diese im Vormagen bilden und herauswürgen.

Noch ein Nesthäkchen. Bild: Zoo (Leyla Davis)

Etwa dreissig Eier wurden in den letzten Wochen gelegt, nicht alle blieben in dem Gewusel heil. Manche gingen auch in Brüche, weil die künstlichen Bruthügel aus Beton, die man quasi zur Veranschaulichung erstellt hat, etwas hoch geraten sind. Oder sie kullerten aus den nicht ganz so perfekten Mulden, welche die Flamingos in grosser Zahl und sehr geduldig angehäuft hatten.

Noch einmal hebt das mittlere Küken sein Bein, breitet ein Flügelchen aus, um das Gleichgewicht nicht zu verlieren. Und steht wie die Grossen.

Zingg ist zuversichtlich, dass in den nächsten Tagen weitere Küken schlüpfen werden. Damit vermehrt sich die Kolonie endlich wieder. Drei der im Moment 58 Tiere sind übrigens bereits 1965 im Alter von circa zwei Jahren in den Zoo gekommen, sind demnach etwa 56 Jahre alt. Das sind die ältesten Vögel im Zoo Zürich.

Kleine grosse Meerschweinchen

In der Pantanal-Anlage des Zoos ist ohnehin der Frühling ausgebrochen, obwohl es bald Herbst ist und gerade erst über zwanzig Störche über dem Gelände kreisten und sich für den Zug nach Spanien formierten. Gleich nebenan, bei den Capybaras, hat es am 27. Juli vier Junge gegeben, die bereits recht selbstbewusst unterwegs sind.

Mit ihren grossen Augen und dem noch etwas wuscheligen Fell erfüllen sie zwar das Kindchenschema, doch sehen sie gleichzeitig aus wie überdimensionierte Meerschweinchen.

Überdimensionierte Meerschweinchen. Junge hat es auch bei den Capybaras gegeben. Video: Zoo Zürich

Tatsächlich sind Capybaras nicht nur die grössten Vertreter der Nagetiere, sondern auch mit den Meerschweinchen verwandt. Allerdings sind sie viel mehr «Meer» als diese. Sie leben im Uferbereich von Seen und Flüssen, und ihre Zehenglieder sind mit Schwimmhäuten versehen.

Capybaras sind gesellig und leben sozial in Familienverbänden, wobei sie offenbar keinen Rollenbildern nachhängen. Die Zoomitarbeitenden konnten beobachten, wie das Männchen die Mutter bereits bei der Geburt tatkräftig unterstützte. Und die Jungen suchen gleichermassen die Nähe zum Vater wie zur Mutter.

Erstellt: 21.08.2019, 16:33 Uhr

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