Demo auf der Strasse, Stimme an der Urne

Eine Zürcher Analyse zeigt, wer zu den überraschenden Resultaten bei den kantonalen Wahlen beitrug.

Sie holen bei der Wahlbeteiligung auf: Eine junge Frau an der jüngsten Zürcher Klimademo.

Sie holen bei der Wahlbeteiligung auf: Eine junge Frau an der jüngsten Zürcher Klimademo. Bild: Ennio Leanza/Keystone

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Die Zürcher Kantons- und Regierungsratswahlen haben klare Sieger hervorgebracht: Grüne und Grünliberale, die Linke, die Mitte. Und die Frauen; im Regierungsrat haben sie neu eine Mehrheit, im Kantonsrat ist ihr Anteil zum ersten Mal in der Geschichte auf 40 Prozent angestiegen.

Jetzt zeigt eine neue Auswertung von Statistik Stadt Zürich: Frauen wurden nicht nur häufiger gewählt, sie gingen auch häufiger wählen als noch vor vier Jahren – zumindest in der Stadt Zürich. Insbesondere der Anteil der jungen Wählerinnen stieg gegenüber den letzten kantonalen Wahlen vor vier Jahren deutlich an. Die Wahlbeteiligung bei den 18- bis 29-jährigen Frauen stieg um ganze 4,7 Prozentpunkte.

Und das hatte Auswirkungen. Zwar kann die Untersuchung keinen direkten Zusammenhang zwischen Wahlbeteiligung und Wahlverhalten herstellen. Trotzdem kann man davon ausgehen, dass die höhere Beteiligung von jungen Frauen die Zürcher Wahl auch zur «Klimawahl» machte und zum Erfolg von linken und grünen Parteien beitrug.

Die Wahl hat aber nicht nur mehr (junge) Frauen mobilisiert, sondern auch mehr junge Männer. Die Beteiligung ist unter ihnen zwar nicht ganz so stark angestiegen wie bei ihren weiblichen Altersgenossen. Er ist aber ebenfalls beträchtlich: Die Gruppe der 18- bis 29-jährigen Männer ging 3,4 Prozentpunkte häufiger an die Urne als noch 2015.

Eine neue Generation

Demgegenüber steht ein starker Rückgang bei den älteren Männern. Insbesondere in der Altersgruppe der 80- bis 89-Jährigen sank die Wahlbeteiligung deutlich. Diese Veränderungen sollten aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Männer insgesamt immer noch deutlich fleissiger abstimmen und wählen als Frauen. Der Unterschied zwischen den Geschlechtern wird umso grösser, je älter die Wahlberechtigten sind.

Das zeigt aber auch, dass die Geschlechterunterschiede bei jener Generation Frauen noch immer gross sind, die das Stimm- und Wahlrecht erst im Laufe ihres Erwachsenenlebens erhalten haben. Bei den Zürcherinnen allerdings, die bereits mit diesen Rechten sozialisiert wurden, die also Anfang der 1970er-Jahre oder später volljährig wurden, ist die Differenz deutlich tiefer.

Zwar bestätigt sich: Die Stimmberechtigten in den Kreisen mit hohem Einkommensniveau nehmen eher an Urnengängen teil – also am Zürichberg (Kreis 7), im Seefeld (Kreis 8), in Ober- und Unterstrass (Kreis 6) sowie in Höngg (Kreis 10).

Aber auch hier ist dieses Jahr vieles anders: Der Slogan des bürgerlichen Bündnisses «Zürich geht es gut» hat in den Kreisen 7 und 8 scheinbar wenig verfangen. Die Mobilisierung hat schlechter funktioniert als noch vor vier Jahren. Am Zürichberg und im Seefeld, wo insbesondere die FDP traditionell stark ist, ging die Wahlbeteiligung deutlich zurück.

Wipkingen legt am stärksten zu

Am grössten ist das Minus in Fluntern: Hier sank die Wahlbeteiligung um 5,2 Prozentpunkte. Im Wahlkreis 7+8 sank dann auch der Wähleranteil der FDP um 3,4, jener der SVP um 3,8 Prozentpunkte. Die Gewinner waren hingegen die Grünliberalen und die Grünen, mit plus 6,2 und respektive 4,3 Punkten.

Am anderen Ende der Skala nahm die Beteiligung in den Kreisen 3, 4, 5, 6 und 10 zu – also tendenziell dort, wo die Linke (noch) stärker ist als im Rest der Stadt. Am deutlichsten war der Wählerzuwachs im Quartier Wipkingen (Kreis 10) – um 6,6 Prozentpunkte stieg hier die Wahlbeteiligung. Im Wahlkreis 6+10 musste die SVP prompt einen ihrer Sitze an die Grünen abgeben. Und im Wahlkreis 3+9 gewannen die Alternative Liste und die Grünen je einen Sitz auf Kosten von SP und FDP.

Für die vorliegende Untersuchung hat Statistik Stadt Zürich die eingereichten Stimmrechtsausweise gescannt und anonymisiert mit dem Personenmelderegister abgeglichen.

Erstellt: 17.04.2019, 09:31 Uhr

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