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Junger Zürcher wurde wegen Inzests verurteilt

Er soll Sex mit seiner Schwester gehabt haben, als er bei ihr übernachtete. Vor Obergericht stritt der 27-Jährige die Tat ab. Es gebe genug andere Frauen, mit denen er Sex haben könne.

Alle Frauen seien Schlampen und höchstens für Sex gut. Diese Aussage machte der 27-jährige Angeklagte gestern vor dem Obergericht an der Berufungsverhandlung, als der Richter ihn auf sein Frauenbild ansprach. Denn bei der Verhandlung ging es um sein Verhältnis zum anderen Geschlecht. Gemäss Anklageschrift soll der Stadtzürcher im Sommer 2005 auf dem Gästebett der dreizehn Monate jüngeren Schwester zu Hause mit seinem Glied in ihre Vagina eingedrungen sein, als diese tief geschlafen hat. Sie erwachte gemäss früher gemachten Aussagen just in dem Moment, als er sich zurückzog. Da Sperma auf ihrem bis zu den Knien heruntergezogenen Pyjama lag, war für sie klar, dass er sie im Schlaf vergewaltigt hatte.

Das Bezirksgericht hatte den Mann im Januar dieses Jahres wegen Inzests, Schändung und weiteren Delikten zu 30 Monaten Freiheitsstrafe verurteilt und eine ambulante Therapie angeordnet. Der Angeklagte bestritt gestern wie bereits am Bezirksgericht den Vorwurf, dass es zu sexuellem Kontakt mit der Schwester gekommen sei. Es gebe genug Frauen, mit denen er Sex haben könne. Er habe zwei Jahre lang an der Langstrasse gewohnt: «Ich bin sehr bekannt und habe eine solche Tat nicht nötig.» Die angeordnete Therapie hat er in der Zwischenzeit abgebrochen.

Er hatte Streit mit seiner Schwester

Weshalb seine Schwester denn wohl «solche Unwahrheiten» erzähle?, fragte der Gerichtsvorsitzende. Dafür habe er keine Erklärung, und er könne im Gefängnis auch nicht herausfinden, weshalb sie das getan habe, antwortete der Angeklagte. Er habe Streit mit ihr gehabt und danach längere Zeit keinen Kontakt mehr.

Sein Verteidiger forderte einen Freispruch von der Anklage wegen Inzests und Schändung. Es gebe unüberwindbare Zweifel an den Aussagen der Geschädigten, und es sei doch eher sehr unwahrscheinlich, dass sie erst dann etwas gemerkt habe, als «er raus war»: «Ein Eindringen hätte doch zum Erwachen führen müssen.» Zudem habe sie zuerst von einer Vergewaltigung gesprochen – später dann dass er in sie eingedrungen sei. Für den bereits erlittenen Schaden habe sein Mandant eine Genugtuung von 500 Franken pro Tag zugute – für die 17 Monate, die er bereits im Gefängnis verbracht hat.

Spezielle Geschwisterkonstellation

Der Referent sprach von einer «besonderen Konstellation»: Da die leiblichen Geschwister als Adoptivkinder in verschiedenen Familien aufgewachsen seien, habe der Angeklagte nicht die gleiche sexuelle Hemmschwelle zu seiner Schwester gehabt. Er sprach auch die von einem Psychiater diagnostizierte emotional instabile Persönlichkeitsstörung mit impulsiven Zügen an. Innerhalb von drei Jahren musste der Angeklagte mehrmals in eine psychiatrische Klinik eingewiesen werden. Und bereits als 19-Jähriger war er aus einer Arbeitserziehungsanstalt abgehauen, in die er unter anderem wegen mehrfachen bewaffneten Raubes eingewiesen worden war. Seine Vorstrafen, die geringe Bereitschaft, eine Therapie in Angriff zu nehmen, und seine fehlenden langfristigen Ziele führten dazu, dass das Obergericht an der 30-monatigen Freiheitsstrafe festhielt. Auch die Gerichtskosten in der Höhe von 4000 Franken muss der 27-Jährige bezahlen. Ein Aufschub des Vollzugs sei nicht zu gewähren, so das Gericht. Der Vorsitzende fügte an, dass er keine Zweifel an den Aussagen der Geschädigten habe. Sie erzähle «tatsächlich Erlebtes»: «Solches erfindet man nicht aus Rache, da erzählt man etwas anderes.»

Der Verteidiger liess offen, ob er den Entscheid weiterziehen wird. Der Angeklagte hielt am Rande der Verhandlung fest, dass es sehr schwierig sei, im Knast zu neuen entlastenden Beweisen zu gelangen. Siebzehn Monate der Strafe hat er bereits verbüsst und ist im besten Fall in drei Monaten wieder auf freiem Fuss.

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