Kampf um das Zürcher Mythenschloss

Die Swiss Re will das grossbürgerliche Gebäude am Mythenquai 20 abreissen. Mieter wehren sich aber gegen den geplanten Neubau.

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Das Mythenschloss prägt das Seeufer von Zürich. Im Unterschied zum Roten und zum Weissen Schloss ist das Mythenschloss weder besonders alt noch besonders ehrwürdig. Es ist ein Zwitter. Von der Seeseite sieht es wie ein grossbürgerliches Wohnhaus aus, von der Alfred-Escher-Strasse wie ein beliebiges aus den 1980er-Jahren stammendes Bürogebäude. Swiss Re, Eigentümerin des Gebäudes seit den 1960er-Jahren, kam 1981 zum Schluss, dass die Anforderungen an die geplanten Arbeitsplätze nur durch einen Neubau zu erfüllen wären. Aus denkmalpflegerischen Gründen wurde lediglich die Fassade auf der Seeseite rekonstruiert.

Nun will Swiss Re das 30-jährige Gebäude wieder abbrechen und neu bauen, um alle 3500 Schweizer Mitarbeitenden an diesem Ort zu konzentrieren. «Das Gebäude weist einen grossen Sanierungsbedarf auf», rechtfertigt sie ihr Vorgehen und nennt moderne Arbeitsplätze, Nachhaltigkeit und Energieeffizienz als weitere Gründe für einen Neubau. Der Stadtrat billigt das Vorgehen und hat das Mythenschloss aus dem Inventar der schützenswerten Bauten entlassen. «Es erfüllt nicht die Kriterien eines historischen Zeugen», teilte er aufgrund eines Entscheids der Denkmalpflegekommission mit.

65 Wohnungen, 200 Bewohner

Bereits heute stehen die Büros auf der dem See abgewandten Seite des Mythenschlosses leer. Auf der Seeseite leben in den 65 Wohnungen 200 Bewohner. Bei ihnen regt sich Widerstand. Ein Mieter will mit weiteren Bewohnern die Interessenvereinigung «Erhalt des Mythenschlosses» bilden: «Wir werden kämpfen, um die Sache wenn nötig bis vor Bundesgericht weiterzuziehen», zitiert ihn die Quartierzeitung «Zürich 2». Die Einsprachefrist läuft bis 7. Juli.

Auch der Quartierverein Enge will sich in dieser Sache engagieren. Noch fehlen ihm die entsprechenden Informationen. «Uns geht es vor allem um den Erhalt von Wohnungen, aber auch um das Ortsbild», sagt Präsident Markus Gumpfer. Deshalb wird er mit der Stadt und Swiss Re das Gespräch suchen.

2009 hatte Swiss Re den ersten Neubau am Mythenquai angekündigt, der nächstes Jahr eröffnet werden soll.

Erstellt: 20.06.2016, 22:14 Uhr

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