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Kampf um den Sechseläutenplatz

Am 10. Juni entscheidet sich an der Urne, ob die Zahl der Anlässe auf Zürichs grosszügigstem Platz deutlich sinken muss oder ob sie sogar noch steigen dürfte.

Oper für alle: Viel Volk auf dem Sechseläutenplatz. Foto: Thomas Egli
Oper für alle: Viel Volk auf dem Sechseläutenplatz. Foto: Thomas Egli

Ein Platz von der Grösse zweier Fussballfelder ist in Zürichs Innenstadt einzigartig – da kann man gut mehr als nur einmal darüber abstimmen. Als es 2012 erstmals an die Urne ging, war die Frage, ob der Sechseläutenplatz für 17 Millionen Franken mit Valser Quarzit belegt werden soll. 60 Prozent waren damals dafür. Jetzt, am 10. Juni, geht es um die Frage, wie viel auf dem Platz los sein darf. Zur Abstimmung kommen die Initiative «Freier Sechseläutenplatz» und der Gegenvorschlag des Gemeinderats.

Welche Regeln gelten heute?

Es gibt ein Nutzungskonzept, demzufolge der Platz an maximal 185 Tagen im Jahr von Veranstaltungen belegt sein soll. Diese Vorgabe ist aber nicht verbindlich, wie sich im ersten Jahr nach der Eröffnung gezeigt hat – was der Stadtrat auch selbstkritisch einräumte.

Was will die Initiative?

Ziel der Initianten ist, dass der Platz an 300 Tagen frei zugänglich ist für die ­Bevölkerung. Bewilligungspflichtige ­Anlässe wie der Zirkus, die Oper für alle oder das Sechseläuten sollen nur noch an maximal 65 Tagen im Jahr erlaubt werden. Zudem müssen mit Ausnahme des Zirkus alle Veranstaltungen auf dem Platz unentgeltlich zugänglich sein. Beides soll verbindlich in der Gemeindeordnung festgehalten werden.

Was will der Gegenvorschlag?

Er will verbindlich festhalten, dass der Platz an nicht mehr als 180 Tagen belegt sein darf. Höchstens 45 Tage dürfen auf Juni bis September fallen.

An wie vielen Tagen ist der Platz heute von wem besetzt?

In den letzten drei Jahren waren es zwischen 128 und 149 Tage, davon entfiel ein Drittel auf den Auf- und Abbau. Drei Anlässe sind für den Grossteil der Belegung verantwortlich: der Weihnachtsmarkt mit fast 50 Tagen, der Circus Knie mit 35 Tagen und das Filmfestival mit knapp 20 Tagen. Hinzu kommen Sechseläuten, Street Parade, 1. Mai, Opernball, Opernsaisoneröffnung, Oper für alle ­sowie alle paar Jahre das Züri-Fäscht.

Was bewirkt ein Ja zur Initiative?

Die Zahl der belegten Tage müsste halbiert werden. Die Initianten wollen, dass der Stadtrat entscheidet, welche Anlässe betroffen wären. Es sei aber klar, dass der Zirkus und der Weihnachtsmarkt ­zurückschrauben müssten. Was die unentgeltliche Zugänglichkeit der Anlässe angeht, sagen die Initianten, dass Veranstaltungen wie Promi-Empfänge während des Filmfestivals nach wie vor denkbar wären.

Was ändert der Gegenvorschlag?

Am Status quo gar nichts – das ist auch das erklärte Ziel. Die Belegungsvorschriften wären etwas strenger als bisher und vor allem verbindlich in der Gemeindeordnung festgehalten. Sie liessen immer noch Spielraum, um den Platz an 50 Tagen mehr zu belegen als bisher.

Wer sind die Initianten?

Sie sind teils parteiunabhängig, aber viele sind klar dem links-grünen Lager zuzurechnen. Sie wollen eine Debatte auslösen, wie Zürich mit öffentlichem Raum umgehen soll. Heute würden kommerzielle Interessen dominieren, der Stadtrat stehe unter Druck seitens millionenschwerer Unternehmen.

Wie verlaufen die Fronten?

Relativ unübersichtlich. Grüne und AL sind für die Initiative, die SP hat Stimmfreigabe beschlossen. Die Bürgerlichen, die Mitteparteien und die SP unterstützen den Gegenvorschlag. Es gibt aber bis in die SVP Abweichler, die für die Initiative werben. Gegen die Initiative hat sich ein Komitee gebildet, dem Grössen aus Wirtschaft, Gastronomie und Kultur angehören, aber auch diverse SP-Leute.

Warum gibt es keinen Kompromiss, der am Status quo kratzt?

Die Linke arbeitete an Varianten, die die Belegungstage auf etwas über 100 beschränkt hätten. Die SP liess diese Pläne aber fallen. Die Initianten und Initiantinnen vermuten: auf stadträtlichen Druck. Die SP bestreitet das. Grund sei, dass ­diverse Ausnahmeregeln intransparent schienen und man nicht einig war, welche Anlässe zu reduzieren wären. Auch Spielraum für einen Zirkus im Herbst wollte man nicht opfern.

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