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Kampfzone Trottoir

Fussgänger müssen sich das Trottoir nicht nur mit Velos, sondern auch mit Rollern teilen. Diese sähen sich als Outlaws, für die kein Gesetz gelte, kritisieren Fussgänger.

Stau gilt für sie nicht: Velofahrer fahren auf dem Trottoir weiter.
Stau gilt für sie nicht: Velofahrer fahren auf dem Trottoir weiter.
Archiv TA

Das Trottoir ist den Fussgängern vorbehalten, so steht es im Gesetz. Im Alltag sind längst nicht nur Fussgänger auf dem Trottoir unterwegs. «Velofahrer sehen es wie früher die Autopartei: Freie Fahrt für freie Bürger», sagt Mathias Zimmermann, Werbetexter aus dem Kreis 5. Gerade gestern habe er seinen Hund an der Josefstrasse ausgeführt, als plötzlich ein Velofahrer an ihm vorbeigerast sei. «Hätte ich einen Schritt nach links gemacht, wären wir beide im Spital.» Ein Einzelfall sei das beileibe nicht, meint Zimmermann. «Solche Sachen erlebe ich fast täglich.»

Doch Velos sind nicht die einzigen Fahrzeuge, die auf dem Trottoir unterwegs sind. Kurt Vögeli* beobachtet immer wieder Rollerfahrer, die dicht an den Hausmauern der Gasometerstrasse entlang fahren. «Der typische Vespa-Pilot ist ein ehemaliger Velofahrer, und so verhält er sich weiterhin», meint Vögeli. «Sie sehen sich als Outlaws, für die keine Verkehrsregeln gelten.»

Der zweifache Vater ist häufig mit dem Kinderwagen in der Innenstadt unterwegs. Am gefährlichsten und rücksichtlosesten sind für ihn nicht die Autofahrer. «Wenn ich an der Langstrasse über den Fussgängerstreifen will, halten 99 Prozent aller Autos an. Von den Velos nehmen mir 99 Prozent den Vortritt weg.»

«Velofahrer gelten per se als die besseren Menschen»

Eine Häufung von Zweiradfahrern auf dem Trottoir habe die Stadtpolizei nicht feststellen können, sagt Sprecherin Judith Hödl. «Solche Übertretungen werden mit einer Ordnungsbusse geahndet und nicht näher erfasst.» Die Stadtpolizei führe deshalb keine Statistik.

Eine Statistik wäre wohl auch nicht erwünscht, glaubt Matthias Zimmermann. «Velofahrer gelten per se als die besseren Menschen.» Für ihn seien sie jedoch ein permanentes Ärgernis. Gerne würde Zimmermann die Velofahrer jeweils zurechtweisen, «aber dann kommt mir wieder dieser arme Mann in Dübendorf in den Sinn.» Vor einer Woche starb ein betagter Fussgänger, nachdem er von einem Radfahrer niedergestreckt worden war, der auf dem Fussweg an der Glatt entlang fuhr.

* Name geändert

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