Kanton genehmigt neue Bauordnung zu «99 Prozent»

Die neue Bau- und Zonenordnung der Stadt Zürich ist der Kantonsregierung genehm: Nur zwei Punkte müssen korrigiert werden.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die kantonale Baudirektion hat die neue Bau- und Zonenordnung (BZO) 14 der Stadt Zürich mit Ausnahme von zwei Punkten genehmigt. Mit dem revidierten Plan- und Regelwerk reagiert die Stadt auf drängende raumplanerische Herausforderungen.

Stadtrat André Odermatt (SP) sprach am Mittwoch von einer «BZO mit Augenmass». Sie sichere die Qualitäten, die die Stadt Zürich ausmachten und schaffe gleichzeitig Spielraum. «Die Teilrevision ist die richtige Anpassung zum richtigen Zeitpunkt», sagte der Vorsteher des Hochbaudepartements.

Nein bei Sexgewerbe und Dachgeschossausbau

Der Kanton wisse dies zu schätzen. «Deshalb hat er die BZO zu 99 Prozent genehmigt.» Einzige Ausnahmen: eine technische Anpassung bezüglich des Anteils an sexgewerblicher Nutzung – der Stadtrat wollte den Wohnanteil, ab dem keine Sexsalons betrieben werden dürfen, von 50 auf 33 Prozent senken – sowie die vom Gemeinderat gewünschte Möglichkeit zum Ausbau des zweiten Dachgeschosses.

Der Gemeinderat wollte, dass bei Gebäuden in Wohnzonen, die vor 1999 erstellt wurden, ein bereits vorhandenes Dachgeschoss ausgebaut werden kann. Die Baudirektion befürchtet laut Odermatt jedoch, dass damit diese Gebäude gegenüber den anderen bevorzugt werden. «Der Stadtrat wird nun beide Punkte diskutieren und dem Kanton in einer Stellungnahme seine Argumentation sowie diejenige des Gemeinderats darlegen», sagte Odermatt.

Verzögern wird dies die Teilrevision der BZO 14 jedoch nicht, denn beide Punkte wurden aus der Gesamtvorlage herausgenommen. Damit kann der genehmigte Teil der BZO am 1. September publiziert werden und die 30-tägige Rekursfrist beginnt. Wann das Regelwerk definitiv in Kraft tritt, hängt von den Rekursen respektive den Rechtsverfahren ab.

Wo darf was wie gebaut werden

Bei der BZO 14 handelt es sich um eine Teilrevision der heute gültigen BZO aus dem Jahr 1999. Sie sagt parzellengenau und eigentümerverbindlich, wo was wie gebaut oder umgebaut werden darf. Start der Revision war 2011/2012 mit der Erarbeitung des Entwurfs. In der zweiten Hälfte 2013 erfolgte die öffentliche Auflage. Daraufhin gingen rund 3500 Anträge aus der Bevölkerung ein, wie Odermatt sagte. «Rund die Hälfte davon konnten wir berücksichtigen.» Schliesslich hat sie der Gemeinderat im November 2016 festgesetzt.

Mit der teilrevidierten BZO reagiert die Stadt auf die drängenden raumplanerischen Herausforderungen. Denn gemäss Szenarien von Statistik Stadt Zürich wächst die Bevölkerung bis ins Jahr 2030 um rund 80'000 Personen auf über 490'000 Einwohner. Damit steigen die Ansprüche an die bauliche Entwicklung, denn die Quartiere sollen trotz Verdichtung weder Wohn- und Lebensqualität einbüssen noch ihre charakteristischen Bau- und Freiraumstrukturen verlieren. «Die Quartiere erzählen die Geschichte unserer Stadt», sagte der Vorsteher des Hochbaudepartements. Deshalb sollen Ortsbilder und Quartierstrukturen erhalten bleiben.

Auf massgebliche wertvermehrende Um- oder Aufzonungen wurde mit der Teilrevision aber verzichtet. «Die BZO 14 hat genügend Reserven für das erwartete Wachstum», sagte Odermatt. «Jetzt mehr zu schaffen, wäre der falsche Zeitpunkt.»

Vollgeschoss ersetzt «Zürcher Untergeschoss»

Grösseren Spielraum bekommen die Bauherren beispielsweise mit dem Ersatz des sogenannten «Zürcher Untergeschosses»: Das anrechenbare Untergeschoss wird durch ein Vollgeschoss ersetzt. Die Häuser dürfen dadurch um bis zu einen Meter höher werden. Odermatt sprach von einer besseren Lösung; er verspricht sich eine bessere Integration in die Topografie sowie eine höhere Wohnqualität.

Weitere wichtige Neuregelungen sind die Einführung von Baumschutzgebieten, die Sicherung von Industrie- und Gewerbezonen sowie die Förderung des Kleingewerbes, indem Zonen für «publikumsorientierte Erdgeschossnutzungen» an zentral gelegenen Passantenlagen ausgewiesen werden. (sda/lop)

Erstellt: 16.08.2017, 16:15 Uhr

Artikel zum Thema

Streit ums Erdgeschoss

Im Zürcher Stadtparlament ist die neue Bau- und Zonenordnung reif für die Beratung. Die vorberatende Kommission stellt knapp 80 Anträge. Mehr...

Linker Stadtrat erhält Lob von rechts

Die einen bemängeln in der vom Zürcher Stadtrat überarbeiteten Bau- und Zonenordnung die fehlenden Anreize für Investoren. Andere sagen, dass diesen nun sogar Geschenke gemacht werden. Mehr...

Baugenossenschaft muss Pläne begraben wegen BZO

Die Baugenossenschaft Letten kritisiert die Revision der Zürcher Bau- und Zonenordnung. Beim Bucheggplatz muss sie deswegen ein geplantes Projekt begraben. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

TA Marktplatz

Kommentare

Abo

Abo Digital Light - 18 CHF im Monat

Unbeschränkter Zugang auf alle Inhalte und Services (ohne ePaper). Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Wer wird Präsident? Ein traditionell gekleideter Chilene, ein sogenannter Huaso, verlässt nach seiner Stimmabgabe in Santiago die Wahlkabine. (19. November 2017)
(Bild: Esteban Felix/AP) Mehr...