Kantonsrat schaut Professoren stärker auf die Finger

Der Rat will die Universität Zürich zu mehr Transparenz zwingen. So sollen Hochschullehrer künftig ihre Nebentätigkeiten offenlegen.

Protest gegen das umstrittene Sponsoring: Die UBS finanziert mit 100 Millionen Franken den Aufbau eines Forschungszentrums der Universität Zürich.

Protest gegen das umstrittene Sponsoring: Die UBS finanziert mit 100 Millionen Franken den Aufbau eines Forschungszentrums der Universität Zürich. Bild: Keystone

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Der Zürcher Kantonsrat hat am Montag eine entsprechende Änderung des Universitätsgesetzes in erster Lesung beraten. Konkret sollen Professorinnen und Professoren künftig ihre Interessenbindungen offenlegen. Gemeint sind damit etwa der Sitz in einem Stiftungsrat oder die Beratungstätigkeit für eine Krankenkasse.

Definitiv ist die neue Regelung zwar noch nicht, da die zweite Lesung mit Schlussabstimmung erst in etwa vier Wochen stattfindet. Der Vorstoss von Grünen, GLP und SP ist aber unbestritten. Sämtliche Fraktionen haben sich am Montag dafür ausgesprochen.

Auslöser war umstrittenes UBS-Sponsoring

«Es ist wichtig zu wissen, für wen ein Professor sonst noch arbeitet», begründete der Sprecher der Grünen den Vorstoss. Nicht zuletzt auch deshalb, weil Professoren auch immer wieder den Medien Auskunft geben würden, aktuell etwa zum Thema Rentenreform.

Auslöser für den Vorstoss war das umstrittene Sponsoring der UBS an der Universität Zürich, dessen Ausmass längere Zeit geheim blieb. Aufgrund der öffentlichen Kritik führte die Uni inzwischen eine Sponsoring-Verordnung ein, welche die Geschäftsbeziehungen mit Unternehmen regeln und transparent machen soll.

Uni soll über Veröffentlichung entscheiden

Die am Montag behandelte parlamentarische Initiative von Grünen, Grünliberalen und SP will nun auch die Professorinnen und Professoren in die Pflicht nehmen. Der Vorstoss wurde allerdings in abgeänderter Form unterstützt: Forderte die ursprüngliche Vorlage noch, dass die Uni die Nebentätigkeiten in einem Register öffentlich macht, lässt die aktuelle Variante die Art der Publikation offen. Die Uni soll also selber entscheiden können, was mit den Daten passieren soll.

Die Alternative Liste (AL) forderte deshalb in der Debatte, dass der Universitätsrat möglichst schnell eine Lösung ausarbeiten soll, wie er die Daten öffentlich machen will.

An anderen Universitäten, beispielsweise Bern und Basel, müssen Professoren und Professorinnen ihre Nebentätigkeiten bereits offenlegen. Auch die ETH Zürich will von ihren Professoren wissen, welchen Tätigkeiten sie in ihrer Freizeit nachgehen. (tif/sda)

Erstellt: 21.09.2015, 12:30 Uhr

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