«Kaum etwas hat die Anziehungskraft einer Tomate»

Rot und saftig leuchtet es derzeit auf Zürcher Balkonen und in den Gärten: Tomaten stehen hoch im Kurs. Woran liegts? Spezialistin Ursula Pfister kennt die Antworten.

Prall und köstlich: Verschiedene Tomatensorten in der Auslage.

Prall und köstlich: Verschiedene Tomatensorten in der Auslage. Bild: «20 Minuten»

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Am Donnerstag werden Sie zum zweiten Mal das Treffen der Tomaten-Aficionados durchführen, und im Frühling stehen jedes Jahr Hunderte Schlange, um am Tomatensetzlingsmarkt in der Stadtgärtnerei eine Pflanze zu ergattern. Wieso stehen die Zürcherinnen und Zürcher derart auf Tomaten?
Ich vermute, weil es äusserst vielfältige Gewächse sind. Es gibt Tausende von Tomatensorten. An unserem letzten Treffen haben Teilnehmerinnen und Teilnehmer welche mitgebracht, die ich noch gar nicht kannte. Allein an unserem Setzlingsmarkt, den wir zusammen mit Pro Specie Rara und Bioterra durchführen, bieten wir über 80 verschiedene Sorten an, die Grün Stadt Zürich aus dem Saatgut von Pro Specie Rara biologisch anbaut. Abgesehen davon sind es einfach wunderschöne Früchte mit ihren Farben und prallen Formen – Krautstiel hat sicher nicht dieselbe Wirkung und Anziehung wie eine saftige, rote Tomate.

Kann der Erfolg der Tomate auch damit erklärt werden, dass sie jeder ziehen kann?
Ja, sicher auch, der Anbau gelingt auch auf einem sonnigen Balkon. Sie brauchen lockeren, humusreichen Boden, einen hellen und warmen Standort und stets genügend Wasser. Regen mögen sie allerdings nicht, deshalb benötigen einige Sorten sogar ein kleines Häuschen oder ein Dach, was wiederum im Sommer tägliches Giessen notwendig macht. In Mitteleuropa stehen deshalb in Läden praktisch nur noch Tomaten aus Gewächshäusern zum Verkauf. Lediglich 3 Prozent werden noch auf freiem Feld angepflanzt.

Ist es bei einer solch gewaltigen Auswahl überhaupt möglich, herauszufinden, welche Tomatenart am besten zu einem passt?
Ich würde bei der Wahl der Tomatenart eher danach gehen, für welche Anwendung und Gerichte sie sich am besten eignet. Einige sind vorzüglich im Salat, aus anderen lässt sich leckerer Sugo kochen, wieder andere eignen sich besonders gut zum Einmachen. Es gibt auch welche, die einfach nur schön aussehen, aber wenig aromatisch sind.

Gibt es denn sowas wie einen Kassenschlager unter den Tomatensorten?
Ja, von der Berner Rose schwärmen alle immer ganz wahnsinnig. Auch die Ficarazzi-Tomaten aus Sizilien sind hoch im Kurs und die vielen verschiedenen Cherrytomaten. Beispielsweise die Black Cherry, die tatsächlich fast schwarz werden kann.

Und wie gewinnt man denn nun die Samen der Lieblingssorte, damit die Freude an der Frucht nach einem Jahr nicht endet?
Auf der Website www.stadt-tomaten.ch findet man eine schön illustrierte Anleitung, wie man vorgehen muss, um eigenes Saatgut zu ernten. Diese kann man gratis bestellen oder downloaden. Oder man besucht ganz einfach unseren Kurs am Donnerstag in der Stadtgärtnerei, bei dem jeder seine eigenen Tomaten mitbringen und neue Sorten degustieren kann.


Treffen der Tomaten-Aficionados

Am Donnerstag, 22. August 2019, zwischen 18 und 20 Uhr findet das zweite Treffen der Tomaten-Aficionados statt. Am Gratisanlass können Jugendliche und Erwachsene teilnehmen, die erfahren möchten, wie man aus den einjährigen Pflanzen Saatgut für die nächste Saison gewinnen kann. Bei einer Degustation bekommt man zudem die Möglichkeit, neue Tomatensorten kennen zu lernen. Ursula Pfister von Grün Stadt Zürich leitet den Anlass gemeinsam mit Esther Meduna von der Stiftung Pro Specie Rara.

Am 24. und 25. April 2020 findet auch wieder ein Tomatensetzlingsmarkt in der Stadtgärtnerei statt. Die Details dazu folgen später.

Beide Anlässe werden auf dem Areal der Stadtgärtnerei Zürich durchgeführt (Sackzelg 27, 8047 Zürich).

Erstellt: 21.08.2019, 11:57 Uhr

«Bei der Wahl der Tomatenart würde ich danach gehen, für welche Gerichte sie sich am besten eignen»: Ursula Pfister, Grün Stadt Zürich (Bild: ZVG)

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