Kinderspital zeigt Herzchirurgen an

Nach seiner Entlassung aus dem Zürcher Kinderspital trat ein Arzt aus Protest in den Hungerstreik. Offenbar ist er nun noch weiter gegangen.

Ein Arbeitskonflikt artet aus: Kinderspital in Zürich.

Ein Arbeitskonflikt artet aus: Kinderspital in Zürich. Bild: Urs Jaudas

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Kündigung, Hungerstreik, eine gescheiterte Mediation – und nun Strafanzeige: Der Arbeitskonflikt zwischen dem Kinderspital und seinem ehemaligen Herzchirurgen A.S. erreicht eine neue Eskalationsstufe.

Eine einvernehmliche Lösung scheine nicht mehr möglich, schreibt das Kispi am Dienstag in einer Medienmitteilung. «Im Rahmen einer Mediation von vergangener Woche sprach der Arzt massive Drohungen gegen die Verantwortlichen des Universitäts-Kinderspitals Zürich aus.» Wegen dieser Eskalation und wegen bereits «früher von A.S. vorgebrachten unwahren Anschuldigungen gegenüber dem Kinderspital» habe man sich gezwungen gesehen, Strafanzeige wegen Drohung zu erstatten.

Das Spital hat das Arbeitsverhältnis mit A.S. fristlos aufgelöst und ein Hausverbot ausgesprochen. Auf Nachfrage gibt das Kinderspital keine Auskünfte. Auch bei der Stadtpolizei Zürich, die offenbar im Einsatz war, heisst es nur, dass man der Anzeige nachgehe und handle.

Zurzeit in Deutschland

A.S. befindet er sich derzeit in Deutschland. Dorthin ist er aus familiären Gründen am Freitag nach der gescheiterten Mediation gereist. Er habe erst danach von den Vorwürfen des Kinderspitals gehört, sagt sein Strafverteidiger Marc Engler. «Mein Mandant weist die Vorwürfe, er habe anlässlich der Mediation irgendwelche Drohungen ausgesprochen, vehement zurück.»

Die Parteien hätten vereinbart, dass alle Aussagen in der Mediation streng vertraulich seien. «Es befremdet, dass das Kinderspital gegen die Vertraulichkeit verstösst und diese unwahren Anschuldigungen in die Öffentlichkeit trägt», so Engler. Es entstehe der Eindruck, dass das Kinderspital mit allen Mitteln versuche, den Ruf von A.S. zu beschädigen.

Angefangen hatte der Arbeitskonflikt im vergangenen November mit der Freistellung des damaligen Leiters der Kinderherzchirurgie Michael Hübner. Im Januar 2019 erhielt dann Assistenzarzt A.S. die Kündigung. Dies am ersten Arbeitstag, nachdem er wegen Komplikationen durch eine Rückenoperation fast ein Jahr krankgeschrieben war.

Mobbing, Körperverletzung

Als Grund gab damals das Kinderspital «ungenügendes Leistungsverhalten», «fehlenden Respekt» und «häufiges Fernbleiben von offiziellen internen Veranstaltungen» an. Die Kündigung konnte jedoch wegen der Krankschreibung bislang nicht vollstreckt werden.

A.S., der bis dahin gute Bewertungen von Vorgesetzten erhalten hatte, reichte darauf Strafanzeige wegen Verleumdung gegen den Ärztlichen Direktor des Kinderspitals, den Direktor der Chirurgischen Klinik sowie den interimistischen Leiter der Herzchirurgie ein. Letzterem wirft A.S. ausserdem fachliche Mängel, Mobbing und Körperverletzung vor. Er soll A.S.während Operationen wiederholt mit Skalpell und anderem Operationsbesteck verletzt haben, wenn dieser assistierte.

Im April 2019 trat A.S. in einen Hungerstreik, den er offenbar erst nach 90 Tagen beendete. Damals zeichnete sich ab, dass sich die Parteien auf die nun gescheiterte Mediation einigen.

Erstellt: 03.09.2019, 16:42 Uhr

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