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Klimapopulismus statt Klimapolitik, leider

Die Stadt Zürich muss sich nicht ein weiteres CO2-Ziel in die Gemeindeordnung schreiben. Sondern dort handeln, wo sie kann.

MeinungMarius Huber

Die Stadtzürcher Linken und Grünen laufen gerade Gefahr, der Klimabewegung mit den besten Absichten den Schwung zu nehmen. Denn sie reagieren auf den Druck der Strasse mit einer populistischen, nicht realisierbaren Null-CO2-Vorschrift, statt den einzigartigen Schwung für konkrete klimapolitische Vorstösse zu nutzen. Das ist aus drei Gründen falsch.

Erstens: Die Stadt hat gar nicht die Möglichkeit, den CO2-Ausstoss auf null zu senken, weil viele wesentliche Treiber der kantonalen oder eidgenössischen Gesetzgebung unterliegen. Die Fliegerei etwa oder der Strassenverkehr. Wer sich nicht um Fakten schert, verharmlost das wichtigste Thema der Gegenwart zum Gegenstand von Fantasten.

Zweitens: Wenn die Stadt Zürich allen suggeriert, dass sie das Nullziel allein erreichen kann, nimmt sie bei allen anderen Druck weg – nötig wäre das Gegenteil.

Drittens: Wenn die Stadt das Nullziel verankert, besteht die Gefahr, dass die Klimabewegten wieder nach Hause gehen und sich dem gewohnten Lifestyle zuwenden statt dem Bohren harter Bretter. Weil: Ziel erreicht, Problem delegiert.

Um eines klarzustellen: Das Nullziel an sich ist richtig. Nur so lassen sich die Pariser Klimaziele erreichen, die uns vor dem Kollaps bewahren sollen. Und es ging bisher viel zu wenig.

Es geht nur übers Portemonnaie, nicht mit moralischen Appellen.

Was kann die Stadt Zürich tun? Sie müsste das Ziel verfolgen, dass bis 2030 alle 170'000 mit Öl- und Gasheizungen versorgten Wohnungen stattdessen mit CO2-neutralen Wärmepumpen versorgt werden. Damit fiele ein Drittel aller Emissionen weg – ein substanzieller Schritt. Das geht nicht mit moralischen Appellen, sondern nur übers Portemonnaie.

Die Stadt müsste also ihren eigenen Fördertopf, mit dem sie Hausbesitzer zum Umrüsten animieren will, stark erweitern, statt auf den knausrigen Kanton zu warten. Zahlt sie pro Heizung 20'000 bis 40'000 Franken, wären pro Jahr schnell mal 75 Millionen nötig. Vielleicht müsste es noch mehr Geld sein, um etwas zu bewirken – Geld, das dann anderswo fehlt.

Man merkt: Auch das ist ein radikaler Vorschlag. Aber ein handfester, ehrlicher, der die Anliegen der Strasse aufnimmt. Man stelle sich vor, Zürich würde einen solchen Effort schaffen: Es wäre eine Pioniertat. Eine mit mehr als nur symbolischem Wert.

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In einer früheren Version dieses Artikel stand, dass die Stadt pro Jahr 300 Millionen Franken in den Fördertopf speisen müsste. Diese Zahl ist zu hoch. Sie käme zustande, wenn jede Wohnung über eine eigene Heizung verfügen würde. Tatsächlich gibt es in der Stadt aber «nur» rund 23'000 Öl- und Gasheizungen.

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