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«Eine farbige Lawine» rollt durch Zürich

12’000 Menschen marschieren laut Klimastreik Schweiz am Freitagnachmittag durch Zürich und trotzen dem Regen. Was auffällt: Viele Erwachsene streiken mit.

Es soll ein Rekord werden: Tausende demonstrieren für den Klimaschutz in Zürich. Video: Tamedia

Dass in Zürich Tausende Menschen am Klimastreik teilnehmen, das überrascht eigentlich niemanden mehr. Erstaunlich ist aber für viele, dass es heute so viele sind, an einem Freitagnachmittag und trotz Wind und starkem Regen. Ein Teilnehmer sagt dazu: «Die Polyterrasse war voll – und das bei diesem Wetter!» Gemäss Klimastreik Schweiz sind alleine in Zürich 12’000 Menschen auf der Strasse.

Der Wind peitscht von allen Seiten und erfasst einen Schirm nach dem anderen. Es sei ein Kampf, trotzdem sei die Stimmung super, sagt eine weitere Teilnehmerin. Sie ergänzt: «Für eine Demo läuft man ziemlich schnell, wahrscheinlich, weil wir alle pflotschnass sind. Wir sind quasi eine farbige Lawine.» Ein anderer fasst es so zusammen: «Es ist einfach gigantisch.»

Um 13 Uhr versammelten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf der Polyterrasse. Die Masse skandierte: «Wem sini Welt? Oisi Welt! Wem sini Polyterrasse? Oisi Polyterrasse! Wem sini Stadt? Oisi Stadt!» Um 13.30 Uhr hat sich die friedliche Kundgebung dann in Richtung Ziel am Helvetiaplatz in Bewegung gesetzt. Die einen singen Lieder, andere skandieren bekannte Slogans wie: «Klimanotstand jetzt!» Was auffällt: Im Vergleich zu früheren Klimastreiks sind viele Erwachsene unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern.

Mehrere Tausend Teilnehmer: Der Klimastreik in Zürich bei der Uraniabrücke.
Mehrere Tausend Teilnehmer: Der Klimastreik in Zürich bei der Uraniabrücke.
Urs Jaudas
Demonstranten geben den fossilen Brennstoffen ein Gesicht: «Höred uf, Dinos verbräne.»
Demonstranten geben den fossilen Brennstoffen ein Gesicht: «Höred uf, Dinos verbräne.»
Basteln fürs Klima: Die Streikenden sind auch mit modifizierten Velos unterwegs.
Basteln fürs Klima: Die Streikenden sind auch mit modifizierten Velos unterwegs.
hwe
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Jonas Kampus, Kanti-Schüler aus Wetzikon und Aushängeschild des Zürcher Klimastreiks, ist ebenfalls sehr zufrieden mit den vielen Teilnehmern. Ihn überwältige aber vor allem, dass heute weltweit so viele Menschen für das Klima auf die Strasse gehen.

Auch Balthasar Glättli, Nationalrat der Grünen, läuft mit. «Das schadet den Grünen bestimmt nicht», frohlockt er. Trotzdem begrüsse er es, dass die Bewegung unabhängig von Parteien organisiert sei, sagt er.

Klimanotstand am Rämibühl?

Bereits am Mittag vor dem Demonstrationszug durch die Zürcher Innenstadt haben die Schülerinnen und Schüler der Kantonsschule Rämibühl ein Zeichen gesetzt. Sie haben der Schulleitung eine Petition übergeben, mit der sie die Ausrufung des Klimanotstands fordern. Mit 960 Unterschriften hat mehr als ein Drittel der Schülerinnen und Schüler die Forderung unterzeichnet.

Video: Übergabe der Petition im Rämibühl

Andri Gigerl und seine Mitstreiter fordern von der Schulleitung: «Ihr müsst Verantwortung übernehmen.» Video: hwe

Der Maturand Andri Gigerl vom Realgymnasium Rämibühl hat die Aktion organisiert. Er ist sehr zufrieden mit der Zahl der Unterschriften. Doch was soll sich im Schulalltag konkret ändern? «Das Flugverbot, welches bereits am Realgymnasium herrscht, soll nun auch für die anderen Profile der Kantonsschule gelten», sagt Gigerl. Eine entsprechende Initiative sei bereits lanciert worden.

Unterstützung aus der Wissenschaft

Die Bilder der Demonstrationen sind aus den vergangenen Wochen bekannt. Neu ist heute, dass der Streik gewissermassen mit offizieller Unterstützung der Wissenschaft stattfindet: Unter dem Schlagwort «Scientists for Future»haben diese Woche schon über 19’000 Forschende ihre Unterstützung für die Freitagsdemonstrationen ausgesprochen.

Bildstrecke: Der weltweite Klimastreik in Bildern

Eine Studentin hält beim Klimastreik in Erfurt ein Plakat in die Höhe. (15. März 2019)
Eine Studentin hält beim Klimastreik in Erfurt ein Plakat in die Höhe. (15. März 2019)
Jens Meyer, AFP
Eine Gruppe Schüler streikt in Katowice, Polen, fürs Klima. (15. März 2019)
Eine Gruppe Schüler streikt in Katowice, Polen, fürs Klima. (15. März 2019)
Andrzej Grygiel, Keystone
Dort legten sich Schüler symbolisch schlafend vor das Hauptquartier der UNO. (15. März 2019)
Dort legten sich Schüler symbolisch schlafend vor das Hauptquartier der UNO. (15. März 2019)
Johannes Eisele, AFP
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Mobilisiert haben die Jugendlichen wieder vorwiegend über Facebook. Die heutige Demonstration soll die bisher grösste für einen griffigeren Klimaschutz werden: Weltweit fanden Protestzüge in über 100 Ländern statt, allein hierzulande hat die Organisation Klimastreik Schweiz in 25 Städten zum Streik aufgerufen.

Die Bewegung hat sich in den letzten Monaten schnell auf der ganzen Welt verbreitet. Die ersten Demonstrationen fanden Ende November in Australien statt. Als grosses Vorbild der demonstrierenden Schülerinnen und Schüler gilt die Schwedin Greta Thunberg, die öffentlich zu den Klimastreiks aufgerufen hatte. Ihr folgen seit Februar auch Tausende Menschen in der Schweiz.

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