«Körperlichen Kontakt mit dem Aggressor vermeiden»

Kürzlich ist in Zürich ein Velofahrer attackiert worden. Was soll man tun, wenn man mit Gewalt konfrontiert wird? Die Expertin der Stadtpolizei für Gewaltprävention gibt Auskunft.

Gemeinsame Fussgänger- und Velowege führen oftmals zu Konflikten. Fussgänger- und Veloweg auf dem Trottoir der Stauffacherbrücke in Zürich. (5. Mai 2009)

Gemeinsame Fussgänger- und Velowege führen oftmals zu Konflikten. Fussgänger- und Veloweg auf dem Trottoir der Stauffacherbrücke in Zürich. (5. Mai 2009) Bild: Gaetan Bally/Keystone

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Frau Affeltranger, zu Konflikten mit Gewaltanwendung kommt es schnell. Was soll ich tun, wenn ich sehe, dass jemand gewalttätig wird?
Wichtig ist erst einmal, nicht wegzusehen oder sich abzuwenden. Jeder kann zum Opfer werden. Wer Unterstützung erfährt, kann die Situation besser verarbeiten. Dabei ist es allerdings auch wichtig, sich durch ein Eingreifen nicht selbst zu gefährden.

Wie kann ich eingreifen, ohne selbst zum Opfer des Angreifers zu werden?
Es ist wichtig, seine eigenen Grenzen zu kennen und zu respektieren. Wenn es möglich ist, sollte das Opfer aus der Gefahrensituation weggebracht werden. Dabei ist es wichtig, räumliche Distanz zum Täter zu halten und körperlichen Kontakt zu ihm zu vermeiden.

Das klingt vernünftig, ist je nach Situation aber nicht einfach. Was kann ich sonst noch tun?
Wichtig ist es, andere Passanten miteinzubeziehen und sie aktiv zur Mithilfe aufzufordern. Wer eingreift, sollte auf jeden Fall ruhig bleiben und jede Provokation des Täters vermeiden.

Was tue ich, wenn das Opfer aus der unmittelbaren Gefahrenzone befreit ist?
Verständigen Sie auf jeden Fall die Polizei. Und kümmern Sie sich um das Opfer, bis Polizei und/oder Sanität eintreffen.

Ist seit dem Aufkommen der Handykameras zu beobachten, dass Menschen verstärkt in die Beobachterrolle gehen und sich aufs Filmen beschränken, anstatt einzugreifen?
Diese Tendenz kann ich nicht bestätigen, es gibt auch keine entsprechenden Datenerhebungen.

Wie verhalte ich mich, wenn Täter und Opfer nicht eindeutig zu identifizieren sind, zum Beispiel bei einer Schlägerei.
Bei einer Schlägerei ist es kaum sinnvoll dazwischenzugehen. In diesem Falle ist es besser, sofort die Polizei verständigen. Wenn man andere Passanten zur Mithilfe bewegen kann, sollte man klare Ansagen machen, zum Beispiel «Hören Sie sofort auf. Die Polizei ist unterwegs». Damit können die Konfliktparteien irritiert werden. Man sollte aber in sicherer Entfernung bleiben, die Situation beobachten und sich der Polizei als Zeuge zur Verfügung stellen.

Gabriela Affeltranger ist Chefin Kriminal- und Verkehrsunfallprävention bei der Stadtpolizei.

Erstellt: 15.08.2014, 11:32 Uhr

Wenig hilfsbereite Zürcher

Umfrageergebnis

Ein Drittel der knapp 1000 User von Tagesanzeiger.ch/Newsnet, die an einer Umfrage teilgenommen haben, schätzen die Zürcher als «durchschnittlich hilfsbereit» ein. Die Tendenz geht aber klar in Richtung eines negativen Urteils: 40 Prozent erachten die Zürcher als «gar nicht» oder «selten» hilfsbereit, wohingegen nur 16 Prozent finden, die Zürcher seien «oft» oder «sehr» hilfsbereit. (pu)

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