Kostenexplosion beim Zürcher Sozialzentrum

Plötzlich ist der Umbau des Gebäudes in Wipkingen dreimal so teuer. Das Projekt sei «ein Flop», kritisieren nun die Bürgerlichen.

Das Gebäude an der Röschibachstrasse in Wipkingen. Foto: Urs Jaudas

Das Gebäude an der Röschibachstrasse in Wipkingen. Foto: Urs Jaudas

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Das Geständnis versteckte sich ganz am Schluss der Medienmitteilung: «Der beantragte Objektkredit fällt deshalb höher aus als zunächst angenommen», teilte der Stadtrat vergangenen Dezember mit. Damals informierte er über den Umbau der städtischen Liegenschaft Röschibachstrasse 24/26 in ein Sozialzentrum. Statt der ursprünglich veranschlagten 10 Millionen kostet der Umbau des ehemaligen ZKB-Gebäudes in Wipkingen plötzlich 31 Millionen Franken. 

Grund für den Kostenanstieg gemäss Stadtrat: Die nach dem Kauf im Jahr 2014 erstellte Zustandsanalyse habe aufgezeigt, dass «deutlich tiefere Eingriffe notwendig sind als erwartet». Ausserdem sei der Projektperimeter auf 16'000 Quadratmeter Geschossfläche erweitert worden, und auch der Brandschutz müsse erneuert werden.

Doch keine Pinselsanierung

Die Sanierung kommt demnach fast gleich teuer zu stehen wie der Kauf. Die Stadt hatte das 1985 erstellte sechsstöckige Haus, in dem es auch 23 Wohnungen gibt, für 34 Millionen Franken erworben. Im neuen Sozialzentrum mit 200 Büroarbeitsplätzen sollen alle Kundinnen und Kunden von Unter- und Oberstrass, Wipkingen, Höngg und Affoltern betreut werden. Zudem werden die Abteilung Zentrale Rückerstattungen und die Zentrale Abklärungs- und Vermittlungsstelle in dem Gebäude untergebracht. So können laut Stadtrat jährliche Mietkosten von 730'000 Franken eingespart werden.

Die Kostenexplosion hat bürgerliche Politiker aufgeschreckt. FDP und SVP lehnen den Kredit ab, wie aus dem Antrag der vorberatenden Kommission hervorgeht. Thomas Schwendener (SVP) spricht von Vorspiegelung falscher Tatsachen. Vertreter der Stadt hätten kurz nach dem Kauf wörtlich behauptet, das Gebäude sei «pinselanstrichfertig». Schwendener: «Ein Flop, wie sich jetzt herausstellt. Dass man ein solches Gebäude kauft, ist falsch.» Der SVP-Politiker ist überzeugt, dass es günstigere Alternativen für ein Sozialzentrum gäbe, etwa mit Zwischenlösungen in einer städtischen Liegenschaft wie zum Beispiel dem Airgate in Zürich-Nord. Weiter kritisiert Schwendener, dass Sozialzentrumteams von Affoltern nach ­Wipkingen zügeln müssen.

Kein Einzelfall

«Es kann doch nicht sein, dass man nochmals so viel Geld für die Renovation wie für den Kauf braucht», wundert sich Andri Silberschmidt (FDP). Sogar der Bau eines gänzlich neuen Sozialzentrums wäre wohl günstiger. Dass die Kosten beim Umbau einer städtischen Liegenschaft aus dem Ruder laufen, sei zudem kein Einzelfall, sagt Silberschmidt. Er erinnert an die Mitte April bekannt gewordenen Mehrkosten von 13 Millionen Franken beim Kongresshausumbau. Das Nein der FDP zum ­Sozialzentrumkredit will er deshalb auch als Signal verstanden wissen: «Bei solchen Umbau­krediten ist grosse Vorsicht angebracht.»

Zustimmung kommt dafür von SP, Grünen, AL und GLP. Wenn auch «wenig euphorisch», wie Ann-Catherine Nabholz (GLP) sagt. «Die Stadt hat sich bei den Kosten getäuscht, aber sie hat es auch offen zugegeben.» Die Alternativen zum geplanten Umbau wären teure Fremdmieten oder gar kein Sozialzentrum. Immerhin sei das neue Zentrum zentral gelegen und gut erschlossen. Auch Patrick Hadi Huber (SP) findet es «unschön», dass sich die Stadt bei den Kosten derart gründlich verschätzt hat. «Sie sollte für zukünftige Kostenschätzungen die Lehren daraus ziehen.» Aber das Grundziel ­bleibe: teure Fremdmieten loswerden. Immerhin spare die Stadt im Fall Röschibachstrasse dadurch jährlich einen substanziellen Betrag. Zudem sei der Umbau «keine Luxuslösung», wie die Stadt glaubhaft versichert habe. Die Kosten pro Arbeitsplatz lägen im neuen Sozialzentrum im städtischen Vergleich sogar eher tief.

Urnengang im November

Das Parlament wird übernächsten Mittwoch nicht nur über die 31 Millionen zu befinden haben, sondern auch über die 29 Millionen Franken für die Übertragung der Liegenschaft vom Finanz- ins Verwaltungsvermögen, wobei es sich hier nicht um eigentliche Kosten handelt, vielmehr wechselt das Haus vom einen städtischen Immobilienportfolio ins andere. Der Gesamtkredit beläuft sich demnach auf 60 Millionen Franken.

Das letzte Wort hat das Stimmvolk im November. Bei einem Ja könnte das neue Sozialzentrum Anfang 2022 in Betrieb gehen. Derzeit wird das Haus von Gewerbetreibenden und Künstlern zwischengenutzt.

Erstellt: 07.05.2019, 07:03 Uhr

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