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Kraftakt für den Nervenkitzel

Eine der Hauptattraktionen des Züri-Fäscht ist der 80 Meter hohe Freifallturm auf dem Sechseläutenplatz. Betrieben wird er von einer Schaustellerfamilie aus Bayern.

Rund 20 Stunden dauerte der Aufbau des Skyfall-Turms.
Rund 20 Stunden dauerte der Aufbau des Skyfall-Turms.
Andrea Zahler

Adrenalin-Junkies frohlocken, ängstlichere Naturen wenden sich vorsorglich ab – es könnte ihnen nur schon vom Zuschauen schlecht werden. Der Skyfall-Turm auf dem Sechseläutenplatz hat es in sich. Auf der Chilbi-­Attraktion können Wagemutige einen freien Fall aus 80 Metern erleben. 24 Fahrgäste werden in einer Gondel in die Höhe befördert. Dann, nach kurzer Wartezeit mit Aussicht über die Stadt, löst sich plötzlich die Gondel und rast in die Tiefe. Bis sie kurz vor dem Boden mit Magnetbremsen sanft gebremst wird.

«Vom Angstschrei über starre Blicke bis zum Freudestrahlen gibts alles an Emotionen», sagt Schausteller Michael Goetzke aus München, der das drei Millionen Franken teure Fahrgeschäft seit 2013 zusammen mit seiner Frau Michaela betreibt. Nach eigenen Angaben handelt es sich um «den höchsten mobilen Freifallturm der Welt».

«Auf den letzten Drücker»

Bis der Skyfall am Donnerstagnachmittag auf dem Sechse­läutenplatz stand und fahrbereit war, brauchte es einen Kraftakt. «Alles auf den letzten Drücker», erzählt Goetzke. Weil es wieder mal so war wie oft im Schaustellerleben: «Entweder fallen alle Termine in denselben Zeitraum, oder es läuft gar nichts.» Bis zum späten Montagabend war der Freifallturm noch auf einem Jahrmarkt im deutschen Aschaffenburg in Betrieb gewesen.

Per Kran auf die Spitze: Der Skyfall-Turm wird zusammengesetzt. Bild: Andrea Zahler
Per Kran auf die Spitze: Der Skyfall-Turm wird zusammengesetzt. Bild: Andrea Zahler

Darauf musste der 100-Tonnen-Koloss in der Nacht auf Dienstag in aller Eile abgebaut, auf sechs Sattelschlepper verladen und ins rund 450 Kilometer entfernte Zürich transportiert werden. Für den Schwertransport in der Nacht und über die Grenze brauchte es mehrere Spezialbewilligungen.

Ab Mittwochmorgen folgte der Aufbau in der Zürcher Sommerhitze. 16 Angestellte waren am Werk, luden mithilfe eines Krans die Turmteile von den Lastwagen und setzten den Turm Stück für Stück zusammen. Rund 20 Stunden dauerte der Aufbau der Anlage.

Eine «grosse Nummer»

Jetzt hoffen die Goetzkes, dass sich der Kraftakt auszahlt. Vom Züri-Fäscht verspricht sich die Schaustellerfamilie einiges. Es sei zwar nicht vergleichbar mit dem Münchner Oktoberfest, aber schon «eine grosse Nummer». Und einzigartig, vom Ambiente her am Seeufer.

Die Goetzkes waren schon 2004 und 2007 am Züri-Fäscht, damals noch mit einem anderen Fahrgeschäft. Er freue sich immer auf die Stadt, sagt der Skyfall-Betreiber, «die Leute hier sind noch gemütlich – fast so wie wir in Bayern».

Schreien im freien Fall: Besucherinnen und Besucher auf dem Skyfall-Turm am Züri-Fäscht-Freitag. Bild: Urs Jaudas
Schreien im freien Fall: Besucherinnen und Besucher auf dem Skyfall-Turm am Züri-Fäscht-Freitag. Bild: Urs Jaudas

Ob das Geschäft wirklich läuft, sei von vielen Faktoren abhängig, sagt Michaela Goetzke. Vom Wetter, vom Standort, von der Publikumsgunst. «Aber wir Schausteller sind ja grundsätzlich positiv denkende Menschen.» Mit dem Standort ist sie schon mal sehr zufrieden, zudem hat der Turm Verlängerung übers Züri-Fäscht hinaus erhalten und darf insgesamt zehn Tage stehen bleiben. Das vermindert das Geschäftsrisiko.

Der Turm wurde übrigens vom TÜV München geprüft. Zudem kommt vor Festbeginn noch ein Kontrolleur der Stadt vorbei. Aber ohnehin schaue jeder Betreiber selbst sehr genau auf seine Anlage, Sicherheit sei existenziell, niemand wolle etwas riskieren, zu viel stehe auf dem Spiel, sagt Michaela Goetzke.

Und wie reagieren einheimische Schausteller, wenn ein Deutscher sein Fahrgeschäft an bester Lage am Züri-Fäscht aufstellt? «Wir haben keine Ressentiments gespürt», sagt Ehemann Michael. Auswärtige Schausteller würden akzeptiert, wenn es in der Schweiz kein vergleich­bares Geschäft gebe. Hätte ein Schweizer Schausteller auch einen Freifallturm im Angebot, «wären wir nicht gekommen».

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