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«Krawall kann ich verstehen, aber nur mit einer deutlichen Aussage»

Die Chaoten lassen die Leser von Tagesanzeiger.ch ratlos zurück. Sie fordern von den Jugendlichen, dass sie einen Grund für die Krawalle der vergangenen Wochenenden liefern.

Aufmarsch ohne Botschaft: Die Kommentatoren verlangen von den Jugendlichen, dass sie ihre Forderungen äussern.
Aufmarsch ohne Botschaft: Die Kommentatoren verlangen von den Jugendlichen, dass sie ihre Forderungen äussern.

Das Interview mit dem 24-jährigen Krawall-Teilnehmer polarisiert. Zahlreiche Kommentatoren wollen vor allem eines: die Jugendlichen verstehen. Einige schlagen sich auf die Seite des Interviewten. «Erfrischend, mal die ‹andere› Seite zu hören. Was ich sehe, ist ein Jugendlicher mit wachem Geist, der noch nicht vom System korrumpiert ist», findet etwa Reto Hauser.

Auch Rudolf Werner applaudiert: «Wenn ich sehe, wie viele Leute lieber ein Burn-out oder Depressionen bekommen, so ist es schön, zu sehen, dass die Jugend angefangen hat, sich zu wehren.» Er wünscht, dass sich alle von dieser Bewegung anstecken lassen: «Es sollten aber nicht nur die Jungen auf die Strasse, sondern das ganze Volk!»

Gene Amdahl solidarisiert sich ebenfalls mit dem Interviewten. Er findet, es mache keinen Sinn, auf dem jungen Mann herumzuhacken. «Wir sollten von den Jungen mehr fordern, ihnen aber auch mehr Optionen bieten – scheint, dass wir wieder so ein Problem wie in den 68ern haben.» Er ist sich aber sicher, dass die Bürger eher Respekt hätten, wenn die Jugendlichen friedlich demonstrieren würden. «Ohne jegliche Gewalt wie Ghandi. Steter Tropfen höhlt den Stein.»

Gummischrot eignet sich nicht für Deeskalation

Alfons Gehrig zeigt für die Jungen ebenfalls Verständnis. «Es ist dringend nötig, vernünftig auf die Jugend zuzugehen.» Offenbar passe ihnen etwas ganz und gar nicht. «Die Polizei ist dafür aber nicht geeignet.» Deren Sichtweise sei zu stark eingeschränkt. Für ihn ist klar, dass sich Gummischrot auf Kopfhöhe nicht zur Deeskalation und Problemlösung eigne. «Die Jugend ist die Zukunft. Nur schon deshalb haben sie das Recht, dass man ihnen zuhört und sie ernst nimmt.»

Scharf kritisiert wird die Gewalt seitens der Jugendlichen: «Warum können die ihr Problem nicht auf zivilisierte Art artikulieren?», fragt sich etwa Peter Möckli. Mit der Gewalt und Zerstörung stiessen sie nicht nur auf Gegenwehr durch die Polizei, sondern auch auf Ablehnung bei der Bevölkerung. «Solche primitiven Aktionen sind kontraproduktiv.»

«Ein zielgerichteter Entscheid»

Dass sich die Jugend mit dem politischen Geschehen auseinandersetzt, begrüssen die Redaktion Tamedia-Leser grundsätzlich. «Es ist immer gut, Bestehendes zu hinterfragen, und ich glaube auch nicht, dass unsere Politik und Wirtschaft überall gleichberechtigt funktioniert», sagt Adrian Schuler. Wer sich aber nur etwas bemühe, habe in der Schweiz ein wundervolles Leben. In einem Punkt bleiben aber auch nach dem Interview Schuler und die Mehrheit der Kommentatoren ratlos: «Gegen was genau wird denn rebelliert. Krawall kann ich verstehen, aber nur mit einer deutlichen Aussage.»

Patrick Meyer geht in diesem Punkt mit Schuler einig: «In diesem Interview kann man klar lesen, dass auch dieser Krawall-Bruder keinen klaren, vernünftigen Grund für dieses sinnlose Verhalten liefern kann.» Schön wäre es, wenn mal jemand richtige Gründe, Fakten und Forderungen formulieren könnte. «Damit ein zielgerichteter Dialog entstehen kann.»

Die Demokratie nutzen

Hans Meister fordert von den Jugendlichen, dass sie das demokratische System für ihre Forderungen nutzen: «In einer Demokratie hat jeder die Möglichkeit, seine Ideen und Anliegen einzubringen und darüber abstimmen zu lassen, falls eine entsprechende Mehrheit gefunden werden kann.» Falls es sich um berechtigte Anliegen handle, schlage er vor, dass sich die Jungen politisch engagieren und eventuell auch eine Partei gründeten. «Randale der Randale willen, sind sicher keine Lösung!»

Die Kommentar-Autorin Monika Weinfeld schlägt vor: «Wenn ihr unzufrieden mit dem System seid, dann geht am 23. Oktober wählen.» Die ihrer Ansicht nach gesuchte Auseinandersetzung mit der Polizei in den Strassen sei der falsche Weg. «Auch ich bin mit vielem nicht einverstanden, habe jedoch dank dem Partizipationsrecht die Möglichkeit, dies zu ändern.»

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