Kulm-Wirt Fry kappt illegal Bäume

Um die Aussicht vom Uetliberg zu verbessern, hat der Hotelier vor seinem Haus Eiben geköpft. Nun muss er zahlen.

Eiben weg, Aussicht da: Der Rückschnitt der Eiben hätte von Fachleuten vorgenommen werden müssen.
Video: Urs Jaudas

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Was Hans-Peter Kohli vor wenigen Wochen auf der Aussichtsterrasse des Hotels Uto Kulm antraf, tat ihm weh: Braun verfärbte Zweige ragten ins Panorama. Auf Stadtseite waren bei vielen jungen Eiben die oberen Triebe einfach abgesägt worden. «Vermutlich ging es darum, wieder eine optimale Aussicht zu erreichen», sagt Kohli.

Ausgerechnet die Eiben am Nordhang des Uetlibergs, auf die die Zürcher Förster so stolz sind. Der Hang ist einer der wenigen Standorte in Europa, wo der Baum noch häufig vorkommt.

Erinnerungen an früher

Kohli fühlte sich schmerzhaft an den Kahlschlag vor rund 10 Jahren erinnert, als das Plateau Uto Kulm umgestaltet wurde. «Reihum hat man damals die alten, schönen Bäume entfernt.» In einer Nacht- und Nebelaktion, die Behörden seien überrumpelt worden, niemand sei eingeschritten. «Empörte Stimmen gab es nur am Rande», sagt Kohli. Dabei stellte sich nachträglich heraus, dass zumindest ein Teil auf illegale Weise abgeholzt worden war. «Damals beschwichtigte man damit, es würde bald wieder Neues nachwachsen. Alles sei doch halb so schlimm.»


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Steckte hinter dem neuerlichen Frevel Giusep Fry, der Wirt und Hotelier auf dem Uetliberg? Kohli wandte sich an Grün Stadt Zürich (GSZ), denn der pensionierte Primarlehrer kennt die hiesigen Waldgesetze. «Die Niedrighaltung von Bäumen ist klar verboten, und die Forstdienste sind verpflichtet, bei Feststellung solcher Taten Anzeige zu erstatten.» Weder sei der Eingriff vom Forstdienst veranlasst noch mit seiner Bewilligung erfolgt, hiess es bei GSZ.

«Wir machen das seit Jahren so»

Und tatsächlich: Ein Gärtner habe die Bäume auf Geheiss von Giusep Frys Hotel Uto Kulm zurückgeschnitten, sagt Benjamin Styger, Sprecher des Hotellerie-Unternehmens. «Das machen wir schon seit vier Jahren so.» Im Gestaltungsplan sei es der Uto Kulm AG ausdrücklich erlaubt, solche Sichtfenster in den Wald zu schneiden.

«Die vier Eiben sind ohne Koordination mit Grün Stadt Zürich zurückgeschnitten worden.»Lukas Handschin,
Mediensprecher Grün Stadt Zürich

Dass der Blick ins Tal beim Aussichtsbereich am Uto Kulm durch «Sichtfenster» gewährleistet bleiben muss, das bestätigt auch Bereichsleiter Reto Mohr. Die Sichtfenster sollen durch periodisches Auslichten des Wuchses erfolgen. Solche forstliche Eingriffe in den städtischen Wäldern werden aber ausschliesslich von den städtischen Forstbetrieben der Stadt veranlasst. Grün Stadt Zürich toleriere dieses Vorgehen nicht, sagt Sprecher Lukas Handschin. «Die vier Eiben sind ohne Koordination mit Grün Stadt Zürich zurückgeschnitten worden.»

Fry zahlt zur Strafe an die Eibenförderung

«Wir sind etwas erstaunt über die heftigen Reaktionen», sagt Styger. Man sei davon ausgegangen, die Kürzung selber in die Hand nehmen zu können. Nach dem Gespräch mit Grün Stadt Zürich würden die Arbeiten künftig nur noch nach Rücksprache mit dem Förster ausgeführt, um das «Sichtfenster» im Einklang mit der Waldbewirtschaftung am Uetliberg und dem Gestaltungsplan Uto Kulm freizuhalten.

«Wir sind etwas erstaunt über die heftigen Reaktionen.»Benjamin Styger,
Sprecher Uto Kulm

Als Kompensation für den erfolgten Eingriff sind Grün Stadt Zürich und der Betreiber des Uto Kulm übereingekommen, dass dieser einen vierstelligen Frankenbetrag zur Eibenförderung am Uetliberg spenden wird. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 05.09.2018, 16:55 Uhr

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