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Kunsthaus-Erweiterung stösst auf Ablehnung

Der Stadtzürcher Heimatschutz will den Standort für die geplante Kunsthauserweiterung nochmals zur Diskussion stellen. Stadt und Kunsthaus lehnen dies ab.

Blick über den Heimplatz auf die Fassade des Neubaus mit dem neuen Haupteingang: Der Erweiterungsbau bildet zusammen mit dem Kunsthaus und dem Pfauen ein Geviert um den Platz.
Blick über den Heimplatz auf die Fassade des Neubaus mit dem neuen Haupteingang: Der Erweiterungsbau bildet zusammen mit dem Kunsthaus und dem Pfauen ein Geviert um den Platz.
David Chipperfield Architects
Blick durch die Eingangshalle: Im neuen Bau bekommen öffentliche Räume wie Empfang, Kiosk oder Bar mehr Platz.
Blick durch die Eingangshalle: Im neuen Bau bekommen öffentliche Räume wie Empfang, Kiosk oder Bar mehr Platz.
David Chipperfield Architects
Sammlungsräume für Kunst ab 1960: Die Ausstellungen sollen vor allem durch Tageslicht beleuchtet werden.
Sammlungsräume für Kunst ab 1960: Die Ausstellungen sollen vor allem durch Tageslicht beleuchtet werden.
David Chipperfield Architects
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Der Stadtzürcher Heimatschutz (SZH) sei in keiner Weise gegen eine Kunsthauserweiterung, auch spreche er dem Siegerprojekt des Architekten David Chipperfield die gestalterischen Qualitäten nicht ab, schreibt er heute Donnerstag in einer Mitteilung. Der geplante Bau auf dem Heimplatz sei jedoch zu massiv. Als Alternative schlägt er die Ecke Rämistrasse/Hirschengraben vor.

Laut dem Heimatschutz befinden sich die bestehenden Bauten an einer städtebaulich speziellen Lage. Dank der lockeren Bebauung des Heimplatzes sei der Blick frei bis zum klassischen Bau der einstigen Lümmelburg, der ehemaligen Kantonsschule für Knaben.

Mit der Realisierung des Chipperfield-Projektes würden diese «überraschenden Ein- und Ausblicke» völlig verändert. Eine geschlossene Front über die ganze Länge des Platzes zerstöre die reizvolle und grosszügige Weite des vorhandenen Freiraums.

Grosser Skulpturengarten schaffen

Zudem werde mit dem Projekt von Chipperfield eine einmalige Chance verpasst, einen grossen öffentlich zugänglichen Skulpturengarten zu schaffen, der diesen Namen auch verdiene. Der im Wettbewerbsprojekt vorgesehene Garten bedecke nur eine kleine Restfläche des jetzigen Freiraums, der zudem vom Heimplatz her nicht einsehbar sei.

Von einer attraktiven Neugestaltung der angrenzenden öffentlichen Räume oder einem grosszügigen Garten, wie im Gestaltungsplan als Zielsetzung formuliert, könne keine Rede sein. Die zu überbauende Freifläche sei zudem Teil eines bedeutenden städtebaulichen und historischen Ensembles, das im überkommunalen Inventar schützenswerter Bauten aufgeführt sei.

Weniger Kosten

Aus Sicht des SZH wäre die Ecke Rämistrasse/Hirschengraben der beste Ort für einen Kunsthausneubau. Gleichzeitig könne der heutige «Unort», der durch die Zufahrtsrampe des Parkhauses Hohe Promenade verunstaltet sei, städtebaulich aufgewertet werden.

Eine Kunsthauserweiterung an diesem Ort führe zudem zu einer «massiven Kosteneinsparung» im Betrieb des Kunsthauses. Die bisherige Infrastruktur sowohl für die Anlieferung als für die Bedienung der Besucher könnten weiterhin genutzt werden.

Auch die Kosten für den Gesamtbau könnten deutlich gesenkt werden, hält der SZH weiter fest. «Da unsere volumetrische Studie nur 20 Prozent der im Chipperfield vorgesehenen bebauten Fläche vorsieht, können auch die Erstellungskosten reduziert werden.»

Stadtpräsidentin will keine «Hinterhof-Lösung»

Die Stadt und das Kunsthaus haben keinerlei Verständnis für den Alternativvorschlag des Heimatschutzes. Das Projekt von David Chipperfield sei «hervorragend» und werde die Stadt bereichern, hält Stadtpräsidentin Corine Mauch in einer Stellungnahme fest.

Es sei bereits viel Zeit, Geld und Know-how in die Planung investiert worden. Zudem habe der Gemeinderat im April den Projektierungskredit von 18 Millionen Franken und damit sowohl dem Chipperfield-Projekt als auch dem Standort sehr deutlich zugestimmt.

Es sei alles andere als hilfreich, wenn ein privater Verein eine Auswahlsendung von bereits lange verworfenen Ideen nochmals lanciere und unter anderem vorschlage, Teile des bestehenden Kunsthauses abzureissen. «Zürich verdient eine ästhetische Kunsthaus-Erweiterung am Heimplatz und keine Hinterhof-Lösung», so Mauch.

Keine taugliche Lösung

Aus Sicht der Kunsthaus-Verantwortlichen macht der Vorschlag des Heimatschutzes auch betriebswirtschftlich keinen Sinn. Kein Privater werde eine solche Lösung mitfinanzieren. Mit dem SZH-Vorschlag würde das Publikum mehr Zeit in Aufzügen verbringen als in Räumen mit Kunst.

Kunsthaus-Pressesprecher Björn Quellenberg wirft dem SZH zudem vor, der Öffentlichkeit falsche Gründe für die Kunsthauserweiterung vorzuspiegeln. Der zusätzliche Platz werde gebraucht, damit 20 Prozent und nicht nur wie heute 10 Prozent der Gemälde und Skulpturen des Kunsthauses gezeigt werden könnten.

SDA/jcu

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