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Landesmuseum: «Drogen-Geschichte spielt eine Rolle»

Die Abstimmung über die Erweiterung des Landesmuseums bewegt die Zürcherinnen und Zürcher. Sie sind hin- und hergerissen zwischen Vergangenheit und Zukunft.

Ohne Erweiterung: Das Landesmuseum, wie es heute aussieht.
Ohne Erweiterung: Das Landesmuseum, wie es heute aussieht.
Keystone
Seit Jahren beliebter Ort für allerlei Anlässe: Acht Bahnpolizisten, sowie elf Aspiranten werden im Landesmuseum vereidigt (Sommer 2003)....
Seit Jahren beliebter Ort für allerlei Anlässe: Acht Bahnpolizisten, sowie elf Aspiranten werden im Landesmuseum vereidigt (Sommer 2003)....
Keystone
Das Schweizerische Landesmuseum während der Sanierungsphase (2008).
Das Schweizerische Landesmuseum während der Sanierungsphase (2008).
Keystone
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Dem Landesmuseum fehlt es an Platz. Der Erweiterungsbau von Christ & Gantenbein soll Abhilfe schaffen. Am 13. Juni stimmt die Stadtzürcher Bevölkerung über den Beitrag der Stadt in der Höhe von 10 Millionen Franken ab. Der Anbau sorgt in der Bevölkerung für heisse Diskussionen. Passt die moderne Erweiterung zum «Märchenschloss» aus dem 19. Jahrhundert?

Das Landesmuseum löst bei den Zürcher und Zürcherinnen unterschiedliche Gefühle aus, sagt der Historiker Daniel Kurz, der sich mit Architektur, Stadtentwicklung und Wohnungsbau befasst. «Das Landesmuseum war zu seiner Zeit hoch modern. Es ist eine gebaute Inszenierung und spiegelt die patriotische Stimmung, die beim Bau Ende des 19. Jahrhunderts herrschte.» Es war die Zeit der Schützen- und Schwingerfeste, der klaren und sicheren Werte.

Womit identifizieren?

Dieses Bild passe heute grundsätzlich nicht mehr zum Land, zur Stadt und der herrschenden Stimmung. Doch das spricht nicht automatisch für die moderne Erweiterung des alt ehrwürdigen Gebäudes. Kurz: «Jetzt sehen sich die Menschen mit der Frage konfrontiert: ‹Wie sieht das Bild unserer Nation heute aus?›.» Anders als vor 100 Jahren gebe es heute mehr Fragen als Antworten zur Schweizer Geschichte, und das Bild der Schweiz sei umstritten. Hier könnte ein Neubau helfen, so Kurz. Denn in ihm wäre Platz für Ausstellungen, die neue Themen aufgreifen.

Auch wenn viele Zürcher sich mit dem Patriotismus vergangener Jahrhunderte nicht mehr identifizieren können - mit Neuem können sie es häufig auch nicht, sagt Kurz, und führt als Beispiel das gescheiterte Kongresshaus-Projekt an. Der Historiker ist aber überzeugt: «Grundsätzlich haben die Zürcher das Landesmuseum gern, auch wenn sie es selten besuchen.» Es sei ein beliebtes Sujet auf Postkarten und gehöre einfach zum Stadtbild. Ausserdem besinne man sich in unsicheren Zeiten gerne auf sichere Werte.

«Drogenpark» geblieben

Ebenso sehr wird die Debatte von der starken Geschichte des Parks beeinflusst, ist der Historiker überzeugt. «In den Köpfen vieler Zürcher ist die Drogen-Geschichte des Parks noch nicht abgeschüttelt.» Die Grünanlage mit den bis zu 200 Jahre alten Bäumen sei oft erstaunlich leer, findet der Historiker. Er schätzt, dass sich dies mit der Erweiterung ändern könnte. Die Bekanntheit des Parks würde vermutlich zunehmen, meint Kurz.

Durch den Anbau werde die Grünanlage aber klar bedrängt: «Bislang floss das Grün bin in den Hof hinein. Das Ganze bildet heute eine grössere Einheit.» Unabhängig davon wie die Abstimmung ausgeht, ist der Historiker überzeugt: «Das Landesmuseum wird nie mehr auf klare Antworten stossen, wie das Ende des 19. Jahrhunderts noch der Fall war.»

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