Lehm ist als Geschenk okay, Kadaver sind es weniger

Der Zoo Zürich bekommt immer wieder Naturalien gespendet. Nicht alles kann er so gut brauchen wie jüngst Tausende Kubikmeter Lehm.

Weihnachtsbaum, lecker! Elefanten verspeisen gespendete Tannenbäume. Themenbild: TA

Weihnachtsbaum, lecker! Elefanten verspeisen gespendete Tannenbäume. Themenbild: TA

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Masoala-Halle, der Elefantenpark, die neue Australienanlage – all diese Projekte des Zoos Zürich sind mithilfe von Spenden realisiert worden. Auch die Lewa-Savanne, die an Ostern 2020 eröffnet werden soll, wird ausschliesslich durch Spendengelder finanziert. Geld ist allerdings nicht das Einzige, was Zoofans investieren. Auch Naturalien werden zum Zürichberg hinaufgeschafft.

So hat der Elektrogerätehersteller Fust dem Zoo jüngst Aushubmaterial vermacht, das beim Bau eines neuen Logistikcenters angefallen ist: 10'000 Kubikmeter Lehm. Wo ist der Zoo mit dem ganzen Material hin? Laut Direktor Alex Rübel ist ein Teil des Lehms für den Bau der Lewa-Savanne verwendet worden. Der Rest sei im Elefantengehege gelandet. «Dort gibt es eine Suhle für die Tiere. Mit der Zeit verteilt sich dieser Lehm dann wieder, und wir müssen Neuen kaufen.»

Das Problem mit dem Brot

Lehm werde dem Zoo nämlich nicht oft geschenkt, sagt Rübel. Naturalspenden seien generell eher eine Ausnahme. Trotzdem schätzt man solche Geschenke sehr, selbst wenn der Zoo nicht alles annehmen kann. «Es kommt immer wieder vor, dass jemand uns Lebensmittel schenken will – beispielsweise altes Brot. Aber das sammeln wir nicht mehr ein, weil es ab und zu verschimmelte Stücke darunter gab, die den Tieren schaden.»

«Wenn gesunde Tiere am Ende ihres Lebens angekommen sind , bekommen wir ihr Fleisch zur Fütterung unserer Tiere.»Alex Rübel, Zoodirektor

Die Qualität der Waren ist laut Rübel generell äusserst wichtig. Insbesondere beim Fleisch. «Wir müssen sehr viele Hygieneregeln einhalten. Schlachtabfälle verwenden wir beispielsweise nicht», sagt Rübel. Der Zoo arbeitet aber mit dem Tierspital und den umliegenden Gemeinden zusammen. «Wenn gesunde Tiere am Ende ihres Lebens angekommen sind und geschlachtet werden müssen, ihr Fleisch aber nicht im Handel verkauft werden kann, dann bekommen wir es zur Fütterung unserer Tiere.»

Privatpersonen spenden ebenfalls Haustiere, wie jüngst ein in die Jahre gekommenes Pferd, dessen Fleisch nach der Schlachtung im Zoo verfüttert wurde. Auch Hasen und Hühner können vermacht werden, diese Haustiere gelangen allerdings eher über Züchter zum Zoo. Will jemand Hamster, Mäuse, Ratten oder andere Kleintiere abgeben, verweist der Zoo jedoch an die Tierärzte. Hier wird die Qualitätskontrolle zu schwierig. Selbst beim Gemüse sind die Standards so hoch, dass es nur in einer Hinsicht Spielraum gibt: «Wir nehmen auch Äpfel, die eine Delle haben, oder Gurken, die zu krumm sind. Die Hygiene muss stimmen, nicht die Optik.»

Heu und Totholz sehr beliebt

Eine besondere Freude macht dem Zoodirektor das Geschenk einer Privatperson: «Wir bekommen von einer Frau jedes Jahr ein paar Ballen Heu. Das können wir sehr gut gebrauchen. Wir verfüttern jährlich über 100 Tonnen Heu, das wir grösstenteils einkaufen müssen.»

«Wir bekommen von einer Frau jedes Jahr ein paar Ballen Heu. Das können wir sehr gut gebrauchen. »Alex Rübel, Zoodirektor

Auch Totholz ist als Gestaltungselement für die Anlagen sehr willkommen. Vor allem Apfelbäume, die sich mit ihren vielen Ästen gut für Vogelgehege eignen. Allerdings lohne sich der Aufwand eines Transports nur bei mehreren Bäumen, sagt Rübel. Deshalb arbeitet der Zoo meist mit Förstern zusammen, die unter anderem auch Tannen liefern, welche sie vor Weihnachten nicht mehr verkaufen konnten. «Die Tiere knabbern sehr gerne am Nadelholz, und bei solchen Lieferungen können wir sicher sein, dass die Bäume nicht mit Pestiziden gespritzt wurden.» Lebendpflanzen hingegen sind gemäss Rübel als Spenden heikel, weil mit ihnen Krankheiten, Insekten oder Pilze eingeschleppt werden könnten.

Beton als Geschenk

Was der Zoo derzeit nicht mehr benötigt, ist noch mehr Aushub von Bauprojekten. «Die Lewa-Savanne ist bald fertig gebaut. Weitere Projekte dieser Art sind derzeit nicht geplant, daher brauchen wir keine Baumaterialien mehr», sagt Rübel.

Aber auch dieses Grossprojekt ist vor allem dank der Naturalspende der Firma Holcim nun kurz vor dem Abschluss. Sie hat einen Grossteil des Betons kostenlos geliefert. «Das hat uns Einsparungen im sechsstelligen Bereich ermöglicht. Üblicherweise bewegen sich die Preise der Naturalspenden, die wir annehmen können, im Rahmen von rund 1000 Franken – und wir freuen uns über jede davon.»

Erstellt: 02.10.2019, 11:31 Uhr

Artikel zum Thema

Dieser 31-Jährige wird Zürichs neuer Zoo-Direktor

Nach fast 30 Jahren geht der bisherige Zoo-Direktor Alex Rübel in Pension. Jetzt wurde seine Nachfolge bestimmt. Mehr...

Zwei Koalas im Zürcher Zoo eingetroffen

Video Die beiden Koala-Männchen haben weibliche Gesellschaft erhalten. Noch sieht es nicht nach der grossen Liebe aus. Mehr...

Der Kanton will, dass die Besucher in den Zoo Zürich gondeln

Nun wird die Zooseilbahn konkret: Die Baudirektion hat die Linienführung und die Standorte der Masten festgelegt. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Kommentare

Blogs

Von Kopf bis Fuss Gute Laune trotz Lichtmangels

Weiterbildung

Lohncheck in Pflegeberufen

Qualifiziertes Pflegepersonal ist rar. Eine Pflegeinitiative setzt sich darum für höhere Löhne ein.

Die Welt in Bildern

Klimawand: Andres Petreselli bemalt in San Francisco eine Hausfassade mit einem Porträt von Greta Thunberg. (8. November 2019)
(Bild: Ben Margot) Mehr...