Lieber Wald statt Blumenwiesen

Ein Verein verlangt von der Stadt Zürich Änderungen bei der Waldbewirtschaftung. Auf massiven Holzschlag solle man verzichten und Wälder stärker gewichten.

Es hagelte Kritik: Die Baumfäll-Aktion am Denzlerweg im Herbst 2018 war umstritten.

Es hagelte Kritik: Die Baumfäll-Aktion am Denzlerweg im Herbst 2018 war umstritten. Bild: Fabienne Andreoli

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Alle Proteste gegen den Holzschlag am Uetliberg waren vergeblich: Pro Uetliberg wehrte sich mit Aufsichtsbeschwerden dagegen, die Stadtzürcher Grünen bezeichneten den Holzschlag als «masslos und unsachlich», und schliesslich meldete sich noch die Stiftung des Umweltschützers Franz Weber kritisch zu Wort.

Die Stadt Zürich konnte aber im vergangenen Winter ihren grossflächigen Holzschlag am Denzlerweg, bei dem auf einer Fläche von dreissig Hektaren 2100 Bäume gefällt wurden, durchführen. Mit dem Segen des Kantons.

Pro Uetliberg gibt nicht auf

Der Verein Pro Uetliberg gibt nicht klein bei. Mit einer Aufsichtsbeschwerde an die Baudirektion verlangt er, dass die Stadt Zürich bei der Waldbewirtschaftung «beginnt, anders zu denken», wie Paul Hertig das Anliegen zusammenfasst.

Noch im November hatte Pro Uetliberg darauf verzichtet, seine abschlägig beantwortete Aufsichtsbeschwerden an den Gesamtregierungsrat weiterzuziehen. Die Erfolgsaussichten seien zu gering, hiess es damals. Weshalb doppelt nun der Verein trotzdem nach? «Es geht jetzt nicht mehr um den Einzelfall, sondern um den Grundsatz», sagt Hertig.

Keine neuen Wiesen im Wald

Dieser Grundsatz wird allerdings an einem bereits länger zurückliegenden Einzelfall festgemacht: Vor gut zwanzig Jahren wurden in der Rossweidliegg grossflächig Bäume gefällt, um eine mehrere Hektaren grosse lichte Wiese zu schaffen. Dieses Grundstück wird zwar in offiziellen Dokumenten immer noch als Wald geführt, ist aber eine Lichtung.

Grün Stadt Zürich erklärte im Mai 2018 anlässlich einer Begegnung mit Mitgliedern des Vereins vor Ort, dass die Fläche am Rossweidli nicht aufgeforstet werde, da dort mittlerweile über 180 Pflanzenarten gefunden wurden. Der Eingriff sei zur Artenförderung erfolgt.

Dieses Holzschlag sei damals widerrechtlich gewesen, behauptet dagegen Pro Uetliberg. Der Verein verlangte bereits wiederholt, die Wiese solle wieder aufgeforstet werden. «Auch der Wald ist für die Artenvielfalt wichtig», sagt Hertig. Er solle nicht zugunsten von Blumenwiesen weichen. Und er führt an, dass es Privaten nicht erlaubt wäre, auf ihrem Grundstück Wald zu roden, damit sie eine schöne Wiese bekommen.

Das Bundesamt für Umwelt rechtfertigte auf Anfragen von Pro Uetliberg jedoch das Vorgehen der Stadt Zürich, auf eine Wiederaufforstung zu verzichten. Da nach der Auslichtung auf diesem Hangried wertvolle Pflanzenarten wüchsen, sei es legitim, dieses zur Förderung der Artenvielfalt weiterhin offen und gehölzfrei zu halten.

Alle sechs Jahre fällen

Beim Umdenken, welches der Verein in seiner Aufsichtsbeschwerde fordert, geht es im Grunde um eine stärkere Gewichtung des bestehenden Waldes. Auf Kahlschläge und Formen der Holznutzung, die in ihren Auswirkungen Kahlschlägen nahe kommen, sei im Regelfall zu verzichten. Verlangt wird konkret, dass der Stadtwald turnusgemäss alle sechs Jahre gezielt und zurückhaltend bewirtschaftet wird.

Das entspricht eigentlich der Regel bei der im Stadtwald am Uetliberg üblichen Dauerwaldbewirtschaftung. Baudirektor Kägi argumentierte dagegen im Zusammenhang mit dem massiven Eingriff am Denzlerweg mit «praktischen Gründen». Da der Holzschlag dort aufwendig und daher auch teuer sei, nehme man ihn in grösseren Abständen, dafür dann massiver vor.

Widerspruch zum Waldgesetz?

Pro Uetliberg hält diese Praxis von Grün Stadt Zürich, Holzschläge am Uetliberghang nur alle zwanzig bis dreissig Jahre vorzunehmen – dann dafür grossflächig – für widerrechtlich. Das widerspreche dem Waldgesetz, dem BLN-Schutzgebiet, zu dem der Uetliberg gehört, und der überkommunalen Schutzverordnung.

Paul Hertig ist allerdings klar, dass eine solche Aufsichtsbeschwerde ein relativ schwaches Instrument ist. Es hat keine rechtlichen Folgen, es sind damit keine Fristen verbunden. «Wir hoffen aber, dass Grün Stadt Zürich die Zeichen der Zeit versteht und die überaus wichtige Funktion des Waldes etwa beim Klimaschutz, aber auch als Erholungsraum stärker gewichtet.» Er erhofft sich eine Praxisänderung, die in den nächsten Waldentwicklungsplan einfliessen wird.

Erstellt: 11.06.2019, 16:48 Uhr

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