Linksextreme bedrohen Betreiber von Szene-Café Sphères

Autonome drohten, sie würden das Lokal «auseinandernehmen», sollte der «Weltwoche»-Redaktion weiterhin Gastrecht gewährt werden.

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Offiziell beschränken sich die Betreiber des Zürcher Szene-Cafés Sphères nach der Getränke-Attacke auf die SVP-Politiker Roger Köppel und Christoph Mörgeli auf ein Facebook-Statement. Man sei ein Kulturlokal, das allen Personen offenstehe: «Dass wir nun von rechten und linken Aktivisten für ihre Zwecke benutzt werden, ist für uns und unser Team sehr ärgerlich. Wir verurteilen jegliche Gewalt, Hassreden und linke wie rechte Intoleranz.»

Unbekannte hatten die beiden SVP-Exponenten im Sphères am letzten Mittwoch mit Flüssigkeiten angespritzt, die Attacke gefilmt und ins Netz gestellt. Der Hintergrund: Die Redaktion der «Weltwoche», die Köppel leitet und für die Mörgeli arbeitet, hält im Sphères jeweils Sitzungen ab. Das Sphères gilt tendenziell als links; die Autonomen schrieben in einem anonymen Blogbeitrag auf der Plattform barrikade.info, man habe den beiden «klargemacht, dass sie nicht toleriert werden und dass sie nicht einfach überall ohne Widerstand auftauchen können.»

Was die Sphères-Betreiber offiziell nicht sagen: Auch sie selbst wurden von den linken Gruppen angefeindet. Diese drohten den Gastronomen, man werde das Lokal «auseinandernehmen», sollte die Sphères-Crew der «Weltwoche» weiterhin Gastrecht gewähren. Dies sagen zwei Quellen dem TA.

«Leute aus der Beiz jagen? Auf keinen Fall»

Politiker von links bis rechts verurteilen die Getränke-Attacke als undemokratisch und stärken den beiden attackierten Politikern diesbezüglich den Rücken. Kantonsrätin Esther Guyer sagt: «Ich will auch künftig nicht studieren müssen, ob ich in eine linke oder rechte Beiz gehe.» Einzelne Figuren im linken Milieu würden Gesinnungspolizei spielen, das sei eine ungute Tendenz und lege eine problematische Grundhaltung offen, so die grüne Fraktionschefin: «Wir Linken müssen dies nun thematisieren und benennen.»

Vom AL-Fraktionschef kommt dieselbe Botschaft: «Egal, ob einem die Nase einer Person passt oder nicht, sowas geht nicht. Da muss man gar nicht diskutieren», sagt Markus Bischoff. Der Zürcher SP-Co-Präsident Andreas Daurù pflichtet bei: «Leute aus der Beiz jagen? Auf keinen Fall.» Egal, aus welchem politischen Lager man stamme, es gebe in der Schweiz genug demokratische Möglichkeiten, um seine Meinung kundzutun.

Die bürgerliche Seite argumentiert in der Sache ähnlich, aber im Ton ungleich schärfer. FDP-Stadtrat Filippo Leutenegger zum Beispiel schrieb auf Twitter: «Diese Attacken atmen einen intoleranten und totalitären Geist. Sie sind widerlich und feige.» SVP-Kantonsrat Claudio Schmid, der im Kantonsrat eine Erklärung verlas, ging noch einen Schritt weiter und wies der Linken insgesamt eine Mitverantwortung zu. Sobald diese sich politisch stark genug fühle, sei es vorbei mit der vielzitierten Freiheit der Andersdenken. Dann werde unter dem Deckmantel der politischen Korrektheit dekretiert, was gesagt und getan werden dürfe - und was nicht.

Die betroffenen SVP-Politiker selbst wollen sich zum Vorfall nicht äussern.

Erstellt: 02.12.2019, 23:34 Uhr

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