Links-grün will in Zürich keine Tiernummern mehr

SP und Grüne verlangen, dass Zirkusaufführungen in Zürich ohne Tiere auskommen. Damit wollen sie ein nationales Vorbild sein.

Tiernummer im Circus Knie: Zwängerei oder Präsentation natürlicher Schönheit?

Tiernummer im Circus Knie: Zwängerei oder Präsentation natürlicher Schönheit? Bild: Reto Oeschger

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Schluss mit Circus-Knie-Besuchen! Dies verlangten Anfang Mai einige prominente Tierschützerinnen. Solange der Knie Tiere vorführe, solle man dessen Shows fernbleiben.

Ein solcher Boykottaufruf wird vielleicht bald nicht mehr nötig sein. Denn die Aktivisten erhalten Unterstützung aus der Zürcher Politik. SP und Grüne wollen Zirkusnummern mit Tieren auf Stadtzürcher Boden in Zukunft verhindern. Das fordern sie in einem Postulat.

Zoo nicht betroffen

«Im Zirkus aufzutreten, widerspricht der Natur der Tiere und kann zu körperlichen Problemen führen», sagt Elena Marti (Grüne), die das Postulat gemeinsam mit Alan David Sangines (SP) eingereicht hat. Die Tiere gehörten an einen Ort, wo sie sich wohlfühlten, und nicht in einen Transportwagen, in dem sie durch die halbe Schweiz reisen müssten. Der steinerne Sechseläutenplatz eigne sich besonders schlecht, um Tiere zu halten. «Es ist ausserdem falsch, Tiere zu unserem Spass zu instrumentalisieren.»


Video: Was meinen die Besucher?

Schweizer Promis rufen zum Boykott des Circus Knie auf, weil er Tiernummern in seinem Programm hat. Was meinen die Besucher? (Video: Aline Bavier)


Zoos könne man nicht mit Zirkussen vergleichen, sagt Marti. «Dort müssen die Tiere keine Kunststücke machen und nicht in laute, überfüllte Zelte hineinlaufen.»

Um ein allgemeines Verbot von Tiernummern zu erlassen, fehlt Zürich die Macht. Über die Bewilligungen könne die Stadt aber wohl entsprechende Vorschriften erlassen, sagt Elena Marti. Den richtigen Weg für die Umsetzung müsse aber der Stadtrat finden.

«Ein Verbot könnte ein grösseres Umdenken bewirken.»Elena Marti, Gemeinderätin Grüne

Die Hoffnung hinter dem Postulat sei, dass die Zirkusse künftig über Zürich hinaus auf Tiernummern verzichteten, sagt Marti. «Zürich ist ein sehr wichtiger Veranstaltungsort. Ein Verbot könnte ein grösseres Umdenken bewirken.»

Silvano Lieger von der Organisation Zurich Animal Save hat die Debatte Anfang Mai angestossen. Er sagt, dass Zirkusse bestens ohne Tiernummern funktionierten. Dafür gebe es viele Beispiele. Die Forderung sei auch keineswegs exotisch. Italien, Griechenland, Zypern, Malta sowie ein Dutzend andere Länder hätten Zirkusaufführungen mit Tieren bereits verboten. «Eine progressive Stadt wie Zürich sollte in der Schweiz eine Vorbildrolle einnehmen.»

Knie findet: Tiere haben es gut bei uns

Der Circus Knie wehrte sich bereits Anfang Mai gegen die Vorwürfe. «Tiere werden bei uns in ihrer natürlichen Schönheit präsentiert. Sie machen hier Sachen, die sie auch auf der Weide machen würden, die gleichen Bewegungsabläufe», sagte Fredy Knie jr. zu «20 Minuten». Eine Sprecherin des Zirkus sagt, dass die Tierhaltung beim Knie «weltweit anerkannten und renommierten Status» habe. Die Familie Knie verzichte auch seit Jahren auf Auftritte mit Wildtieren. Im diesjährigen Programm zeige man Nummern mit Pferden, Ponys und Papageien.

Die Chancen des Vorstosses stehen gut. SP und Grünen zusammen fehlen für eine Mehrheit im Stadtparlament gerade mal vier Stimmen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 23.05.2019, 16:38 Uhr

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