Luxuswohnungen mit Ausblick sind Ladenhüter

Mit Verspätung können die Besitzer der Eigentumswohnungen im Zürcher Löwenbräu-Areal nun endlich einziehen. Leer sind die obersten Etagen – 4 Millionen für 200 Quadratmeter sind kein Schnäppchen.

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Der Löwenbräu-Tower im Zürcher Kreis 5 ragt bereits seit über einem Jahr in die Luft. Doch erst jetzt können die neuen Eigentümer der Wohnungen in das Gebäude einziehen. «Gemäss Verkaufsunterlagen hätten die Wohnungen bereits im vierten Quartal 2012 bezugsbereit sein sollen. Wir können aber erst Ende August einziehen», sagt eine der künftigen Bewohnerinnen gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet.

Grund für die Verzögerung waren bauliche Anpassungen, die noch vorgenommen werden mussten: Der Turm hat sich nicht wie berechnet gesenkt, die Wohnungen mussten neu ausnivelliert werden. Nun sind die Arbeiten so weit fortgeschritten, dass dem Bezug des Hauses nichts mehr im Weg steht.

Ende September sind alle verkauften Wohnungen übergeben

Gemäss Patrick Rieffel von der Rhombus Partner Immobilien AG, die den Verkauf der Wohnungen betreut, konnte am 3. Juni die erste Wohnung übergeben werden. «Seither finden praktisch täglich Wohnungsübergaben statt. Erste Käufer sind schon eingezogen.» Er geht davon aus, dass bis Ende September alle bereits verkauften Objekte an ihre neuen Besitzer übergeben werden können.

Allerdings konnten bisher erst für 45 der 58 Wohnungen im Tower und im Hofgebäude des Löwenbräu-Hauses Käufer gefunden werden. Auch die Geschäftsräume und Ateliers im Sockelgeschoss sind weg. Objekte in den oberen Etagen des Turms, insbesondere die zweistöckigen Maisonettewohnungen auf dem 19. und 20. Stock, sind aber noch frei. Das ist kaum verwunderlich, steigen doch mit der Etage auch die Preise.

Mobimo-Tower: Drei von vier W0hnungen auf dem 23. Stock leer

Während für die Wohnungen im Hofgebäude die Quadratmeterpreise um die 10'000 Franken liegen, bewegen sie sich im Turm zwischen 15'000 und 20'000 Franken. In den obersten Etagen sind die Preise sogar noch höher. Wer sich also eine 200 Quadratmeter grosse Eigentumswohnung im Turm Löwenbräu-Black kaufen will, muss dafür rund vier Millionen Franken bezahlen können. Über den Preis für die Maisonettewohnungen im obersten Stock kann man nur mutmassen, denn hier schlägt auch zu Buche, welchen Ausbau der Käufer wünscht.

Ein ähnliches Bild zeigt sich in einem weiteren Zürcher Hochhaus, in dem vom 15. bis zum 23. Geschoss 53 luxuriöse, grosszügige Wohnungen angeboten wurden: In der obersten Etage des Mobimo-Towers im boomenden Zürich-West stehen auch zwei Jahre seit der Eröffnung drei der vier Objekte auf dem 23. Stock noch immer zum Verkauf. Für die Eigentumswohnungen der unteren Etagen konnten hingegen bereits Käufer gefunden werden. Bei Mobimo wollte man die Situation nicht kommentieren. Auf Anfrage war niemand für eine Stellungnahme zu erreichen.

Potenzielle Käufer sind verunsichert

Laut Patrick Rieffel habe sich der Immobilienmarkt im hochpreisigen Segment in den letzten 12 Monaten verändert. «Nachfrage nach attraktivem und grosszügigem Wohnraum in der Region Zürich ist zwar vorhanden. Interessenten treffen jedoch heute ein deutlich grösseres Angebot an und begegnen diesem kritischer als in der Vergangenheit.» Die neuen Finanzierungsrichtlinien sowie Berichte über eine allfällige Immobilienblase und einen möglichen Anstieg der Hypothekarzinsen würden die Kaufinteressenten zunehmend verunsichern, lautet seine Erklärung.

Hinzu kommt, dass potenzielle Käufer einer teuren und luxuriösen Wohnung üblicherweise bereits sehr schön und grosszügig wohnen und es mit einem Umzug nicht besonders eilig haben. Sie überlegen sich gut, ob sie ihr gewohntes Umfeld verlassen und zusätzliche Aufwendungen für den Ausbau einer neuen Wohnung auf sich nehmen wollen – von dem Wechsel in eine Stadt mit hoher Steuerbelastung ganz zu schweigen.

Längere Absatzzeiten bei teuren Wohnungen

«Wird ein Wechsel vom Einfamilienhaus in eine neue Wohnung angedacht, kommen neben der Reduktion der Wohnfläche zusätzlich noch Überlegungen zur Privatsphäre, zum möglichen Verlust von Gartenfläche oder zum Zusammenleben im Stockwerkeigentum hinzu», so Rieffel. All dies führe zu längeren Absatzzeiten bei hochpreisigen Wohnungen.

Nichtsdestotrotz sei gemäss Rieffel eine Nachfrage für die Wohnungen in den oberen Etagen des Löwenbräu-Towers vorhanden. «In zwei bis drei Wochen haben die potenziellen Käufer zudem die Möglichkeit, Musterwohnungen zu besichtigen.» Eine Prognose, bis wann auch die letzten Wohnung auf dem Areal verkauft sein werden, will Rieffel trotzdem nicht wagen.

Erstellt: 31.07.2013, 12:03 Uhr

Eigentumswohnungen in der Europaallee

Auch auf dem Areal Europaallee beim Zürcher Hauptbahnhof standen neue Eigentumswohnungen im 16-stöckigen Haus G zum Verkauf. Sie haben inzwischen alle einen Abnehmer gefunden. Wie viel die einzelnen Wohnungen gekostet haben, gibt die Eigentümerin SBB nicht bekannt. Die Nachfrage sei jedoch für die höher gelegenen Wohnungen sogar etwas grösser gewesen, wie SBB-Mediensprecherin Lea Meyer auf Anfrage sagt.

Anders sei die Situation bei den Wohnungen, die zur Miete angeboten würden: «Die grösseren und höher gelegenen Objekte sind eher länger verfügbar – ausser sie liegen ganz exklusiv mit Sicht auf See, Stadt und Berge.» Ein eindeutiges Muster, warum einige Wohnungen beliebter sind als andere, sei jedoch gemäss Meyer nicht auszumachen. (tif)

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