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Mehr Pendler, weniger Unfälle

1882 fuhr das erste Tram durch die Stadt. Die Trams fahren noch heute – doch ansonsten hat sich so ziemlich alles geändert im Zürcher Stadtverkehr.

Kaum ein Thema beschäftigt Zürcherinnen und Zürcher so sehr wie der Verkehr. Zu reden geben Staus, Lärm, Parkplätze. Und bald wird es um das ganz Grundsätzliche gehen: Die aktuell hängige Initiative «Züri autofrei» fordert eine Stadt ganz ohne Autos.

Ein Hauptgrund für das hohe Verkehrsaufkommen innerhalb der Stadt ist das Pendeln. Die Bevölkerung im Kanton wächst und mit ihr die Anzahl der Beschäftigten. Als wirtschaftliches Zentrum mit vielen Arbeitsplätzen zieht ­Zürich Menschen aus einem weiten Umkreis an: aus der Agglomeration, aber auch aus anderen Kantonen. Dabei ist die Anzahl Pendler ständig am Wachsen. 1950 waren gut 32'000 Zu- und Weg­pendelnde unterwegs, heute pendeln 304'000 Personen in die Stadt Zürich – oder aus ihr weg. Die Anzahl Pendler hat sich in knapp 70 Jahren verzehnfacht.

32 Millionen Kilometer

Das Zentrum des öffentlichen Verkehrs ist in Zürich der Hauptbahnhof. Von hier aus fuhr ab 1882 auch das erste Züri-Tram. Die Strassenbahnen wurden anfangs nicht von den VBZ betrieben, sondern von privaten Aktiengesellschaften. 1894, im Jahr nach der ersten Stadtvereinigung, beschloss Zürich, der Tramverkehr sei eine öffentliche Aufgabe und also von der Stadt zu betreiben.

Wurden die ersten Trams noch von lebendigen «Pferdestärken» gezogen, erfolgte im 20. Jahrhundert die Motorisierung. 1927 verkehrte die erste städtische Autobuslinie, seit 1939 gibt es in Zürich auch Trolleybusse. Heute macht der öffentliche Verkehr mit rund 40 Prozent den grössten Teil des Verkehrsaufkommens in der Stadt aus, gefolgt vom motorisierten Individualverkehr, dem Fuss- und dem Veloverkehr. Züri-Trams und Trolleybusse der VBZ transportieren über 325 Millionen Fahrgäste pro Jahr.

Mit der Passagierzahl stieg auch die Fahrleistung der VBZ. 2016 legten ihre Trams und Busse über 32 Millionen Kilometer zurück, umrundeten also fast 800 000-mal die Erde. 1897 kamen die Wagen der VBZ noch auf 1,7 Millionen Kilometer.

Neben dem öffentlichen Verkehr erlebte nach dem Zweiten Weltkrieg auch das Auto einen Aufschwung. 1945 gab es in Zürich etwas mehr als 6 Motorfahrzeuge pro 1000 Einwohner, fünf Jahre später waren es schon siebenmal mehr. Während des sogenannten Wirtschaftswunders explodierte die Zahl der Personenwagen auf Zürichs Strassen regelrecht. Erst der Ölpreisschock stoppte die Zunahme ab 1973 vorübergehend, danach setzte sich der Anstieg fort. Einen Höchststand erreichte der Motorisierungsgrad 2001, als fast 385 Motorfahrzeuge pro 1000 Personen im Umlauf waren. Seither sinken die Zahlen wieder und liegen heute auf dem Niveau der späten 70er-Jahre. Dass die Zahl der Autobesitzer in den letzten Jahren zurückging, hat wohl mit der Überlastung des Verkehrs, aber auch mit einem neuen Umweltbewusstsein zu tun.

In den 50er-Jahren waren die Verhältnisse noch anders: Damals stiegen die Arbeiter, die bis anhin klassisch mit dem Velo unterwegs waren, auf das Auto um. Auf einmal konnten sie sich eines leisten. Das Fahrrad wurde derweil zum Sportgerät und zum Fortbewegungs­mittel für Kinder und Jugendliche. 1975 wurde der erste Veloweg – am Stadtrand in Zürich-Nord – eröffnet. Heute gilt das Velo als praktisches und ökologisches Verkehrsmittel. Die Kehrseite seiner Beliebtheit ist allerdings, dass auch die Velounfälle zugenommen haben – und mit ihnen die Anzahl schwer verletzter Personen.

Gegen die Pflästerlipolitik

Insgesamt sind Zürichs Strassen jedoch deutlich sicherer geworden. 1970, auf dem unrühmlichen Höhepunkt, starben bei über 10 000 Verkehrsunfällen über 80 Personen. Bis ins Jahr 2014 konnten die Unfälle um zwei Drittel reduziert werden. Der plötzliche Anstieg der Unfallzahlen ab 2015 hat mit einer Definitionsänderung zu tun: Seit Mitte 2015 werden auch Bagatellunfälle ohne Verletzte mitgezählt.

Gleichwohl bleibt die Sicherheitslage auf den Strassen ein drängendes Thema. Es geht etwa um die Frage, was passiert, wenn in Zürich Bevölkerungs- und Pendlerzahlen im gleichen Tempo weiterwachsen. Um den Kollaps zu verhindern, ist die Stadt dauernd gezwungen, ihre Infrastruktur auszubauen. Ein Beispiel ist die 2009 eröffnete Westumfahrung, welche die Achse Bullinger-, Sihlfeld- und Weststrasse vom Durchgangsverkehr befreite.

Aus Sicht der Jungsozialisten sind solche Massnahmen blosse Pflästerli­politik. Sie fordern mit «Züri autofrei» die Verbannung aller Motorfahrzeuge aus der Stadt. Ende März hat der Gemeinderat ihre umstrittene Initiative für gültig erklärt – gegen den Antrag des Stadtrats. Bald können sich die Zürcher dazu äussern. 1997 kam eine ähnliche Initiative vors Volk. Sie wurde mit 62 Prozent Nein-Stimmen abgelehnt. Die Zustimmung in den Kreisen 1, 4 und 5 sorgte ­jedoch landesweit für Schlagzeilen.

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