«Mehr Sonnenschirme – und zwar schon diesen Sommer»

In den Zürcher Freibädern fehlt es an Schattenplätzen – mehr Sonnenschirme werden gefordert. Doch das ist nicht ganz so einfach.

Einer ist gut, mehr wären besser: Bademeister unter dem Sonnenschirm in der Badi Heuried.

Einer ist gut, mehr wären besser: Bademeister unter dem Sonnenschirm in der Badi Heuried. Bild: TA

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Für die Zürcher Sommerbäder dürfte es eine Woche der Superlative werden. Rekordhohe Temperaturen um die 35 Grad treiben die Gäste scharenweise in die sieben Freibäder, die fünf Fluss- und sechs Seebäder der Stadt.

Doch Kühlung gibt es in einigen Badis fast nur im Wasser. Die Schattenplätze sind knapp. So musste vor einigen Jahren ein Tulpenbaum mit besonders ausladendem Blätterdach mitten auf der Liegewiese im Freibad Letzigraben gefällt werden, weil er am Stammfuss und Wurzelstock Fäulnis aufgewiesen hatte. Seither muss man dort das Badetuch ungeschützt an der prallen Sonne ausrollen, wenn man sich nicht schon früh am Tag ein rares Plätzen im Schatten ergattern konnte.

Zwanzig Schirme sind nicht genug

Das Areal des neuen Freibads Heuried wiederum, das am 11. Mai in seine zweite Saison gestartet ist, wird zwar von alten Bäumen gesäumt. Auf den Liegewiesen müssen die frisch gepflanzten Exemplare aber noch etwas wachsen.

Deshalb hat das Sportamt zum Neustart über zwanzig Sonnenschirme in der Badi installiert. «Es war uns ein besonderes Anliegen, für viel Schatten zu sorgen», sagte Hansjürg Lüthi, Bereichsleiter der neuen Sport- und Freizeitanlage, kurz vor der Eröffnung. «Sollte der Wunsch bestehen, könnten wir auch noch weitere Schirme anschaffen.»

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Soll die Stadt in ihren Freibädern mehr Sonnenschirme aufstellen?





Dieser Wunsch besteht offenbar. «Es wäre sehr angebracht, wenn die Stadt viel mehr Sonnendächer und Sonnenschirme in den Freibädern installieren würde – und zwar schon diesen Sommer», fordert TA-Leserin Marina Zingg. Es brauche mehr Schattenplätze, zumal wieder vermehrt vor Hautkrebs wegen lang andauernder Sonnenbestrahlung gewarnt werde. «Also, geehrte Stadtverwaltung, unternehmen Sie schnell etwas.»

Flexible statt fixe Lösungen

Ganz so einfach ist die Sache allerdings nicht. Das Sportamt Zürich verweist auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Badegäste, die eine generelle Anschaffung von mehr Sonnenschirmen wenig sinnvoll machen. «Anfang Badesaison und gegen Ende freuen sich die Leute über Sonnenplätze», sagt Sportamt-Sprecherin Manuela Schläpfer.

Aber auch beim Sportamt ist man sich im Klaren darüber, dass die Schattenplätze während der heissen Sommerwochen und an den Spitzentagen sehr gefragt sind. Deshalb wurde 2018 die Anzahl Sonnenschirme in der Badi Wollishofen verdoppelt und im Strandbad Mythenquai ein zusätzliches Sonnensegel installiert. Im Strandbad Tiefenbrunnen prüft man laut Schläpfer derzeit, welche Massnahmen für zusätzlichen Schatten umgesetzt werden können, und im neuen Freibad Heuried habe man «grosszügig in die natürliche Beschattung investiert.»

Startete dieses Jahr in die zweite Saison: Das Freibad Heuried in Wiedikon. (Video: TA/tif)

Die Voraussetzungen seien in den einzelnen Sommerbädern eben ganz verschieden – je nach Bauten, Begrünung und Lage. «Deshalb gibt es ganz unterschiedliche Lösungen mit fixen und mobilen Sonnenschirmen oder Sonnensegeln», so Schläpfer. Wer keinen Sonnenschirm mit in die Badi tragen will, kann sich in den Freibädern Allenmoos, Letzigraben, Seebach und Zwischen den Hölzern sowie im Strandbad Tiefenbrunnen und im Seebad Katzensee einen mieten. Sonnensegel oder Schirme gibt es über praktisch allen Kinderplanschbecken der städtischen Sommerbäder.

Zürcher Badis sind Gartendenkmäler

Grün Stadt Zürich (GSZ), welche für die Bepflanzung der Freibäder zuständig ist, muss ebenfalls auf die verschiedenen Bedürfnisse der Badegäste Rücksicht nehmen. Auf den Wiesen und Freiflächen würden sich die Leute nicht nur zum Sonnen hinlegen, es werde dort auch gespielt und Sport getrieben, sagt GSZ-Sprecher Lukas Handschin. Diesem Umstand müsse man bei der Gestaltung der Anlagen und der Beschattung durch Pflanzen Rechnung tragen.

Hinzu komme, dass die Badeanlagen mit ihrem vielfältigen Baumbestand mehrheitlich Gartendenkmäler seien. «Bäume, die absterben oder gefällt werden müssen, werden ersetzt», sagt Handschin. So wurde 2014 auch anstelle des grossen Tulpenbaums im Freibad Letzigraben ein neuer gesetzt. «Im Gegensatz zu Sonnenschirmen muss man den jungen Bäumen etwas Geduld entgegenbringen, bis sie die Schatten spendende Wirkung ihrer Vorgänger erreichen.»

(Anm.: In einer früheren Version dieses Artikels stand zu lesen, dass ein Gewitter dem Tulpenbaum im Letzigraben den Garaus machte. Laut GSZ litt er aber an Altersschwäche, was sich in Fäulnis am Stammfuss und Wurzelstock bemerkbar machte.)

Erstellt: 25.06.2019, 19:02 Uhr

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