In Zürich ist nicht mehr alles für den Eimer

An drei Tramhaltestellen der Stadt gibt es seit Neustem Recyclingstellen, wo man den Müll getrennt entsorgen kann. Die entscheidende Frage ist, ob die Leute diese korrekt benutzen.

Aus eins mach vier: Ab sofort lässt sich der Müll am Stauffacher (Bild), am Limmatplatz und am Bellevue getrennt entsorgen.

Aus eins mach vier: Ab sofort lässt sich der Müll am Stauffacher (Bild), am Limmatplatz und am Bellevue getrennt entsorgen. Bild: ZVG

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Die meisten kennen sie bereits aus den Bahnhöfen, nun stehen sie auch an den Haltestellen der Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ): Die Recyclingstationen, an denen man Alu-Getränkedosen, PET-Flaschen, Papier und Restmüll gesondert entsorgen kann.

Die insgesamt 19 Stationen stehen am Limmatplatz, am Stauffacher und am Bellevue – allerdings nur auf Zeit. Es handelt sich nämlich nur um einen Testlauf von Entsorgung und Recycling Zürich (ERZ), der heute startet und bis Ende März 2020 dauert.

Wie viele Fehlwürfe gibt es?

«Wir prüfen immer wieder neue Möglichkeiten des Recyclings», sagt ERZ-Sprecher Daniel Eberhard. «Auf Stadtgebiet existieren bereits 165 Wertstoffsammelstellen für Glas und Kleinmetall, jetzt gehen wir mit diesen Recyclingstationen einen Schritt weiter und bringen die Wertstoffsammlung an stark frequentierte Orte der Stadt.»

Bei den Tests will ERZ in Erfahrung bringen, wie gross die Abfallmengen sind und wie oft die Kübel geleert werden müssen. Laut Eberhard geht es aber auch darum zu klären, wie viele Fehlwürfe es gibt – wie oft also die Leute den Abfall in den falschen Behälter werfen – und wie sich das Ganze auf die Sauberkeit rund um die Behälter auswirkt. Für die sechsmonatige Testphase hat ERZ deshalb die bestehenden Abfallbehälter an den drei Haltestellen entfernt. Zum Entsorgen von Zigarettenstummeln stehen separate Behälter zur Verfügung.

Vorstösse aus dem Gemeinderat

Auf die Erfahrungswerte der SBB kann ERZ bei den Tests nicht zurückgreifen. Die Bahn setzt die Recyclingstationen schon seit einigen Jahren nicht nur an Bahnhöfen ein, sondern auch in Zügen. Ein direkter Vergleich sei nicht möglich, sagt Eberhard. «Einerseits sind Bahnhöfe häufig videoüberwacht, andererseits herrscht an vielen Wertstoffsammelstellen in den Quartieren eine gewisse soziale Kontrolle. Unsere Recyclingstationen befinden sich im öffentlichen Raum, wo es weniger Kontrolle gibt.»

«Wir können nicht für die alte Führung von ERZ sprechen, aber die heutige ERZ-Führung will die Sammlung von Wertstoffen fördern.»Daniel Eberhard, ERZ-Sprecher

Die Tests wurden durch Vorstösse im Zürcher Gemeinderat angeregt. Die beiden SP-Gemeinderätinnen Anjushka Früh und Linda Bär forderten bereits 2014 in einem Postulat die Prüfung zusätzlicher Recyclingmöglichkeiten für PET und Aluminium in der Innenstadt. Ein weiteres Postulat der Gemeinderäte Sebastian Vogel (FDP) und Guido Hüni (GLP) kam im Juni dieses Jahres dazu. Sie regten darin einen Pilotversuch für die getrennte Sammlung von Wertstoffen in Zusammenarbeit mit professionellen Recycling-organisationen an.

Ende April 2020 wird ERZ dem Parlament aufgrund der Testresultate eine Empfehlung zur Wertstoffsammlung an stark frequentierten Orten abgeben – rund sechs Jahre nachdem das Thema im Gemeinderat aufgegriffen wurde. «Wir können nicht für die alte Führung von ERZ sprechen, aber die heutige ERZ-Führung will die Sammlung von Wertstoffen fördern. Darum werden die Anregungen aus den Postulaten des Gemeinderats nun umgesetzt.»

Erstellt: 01.10.2019, 12:09 Uhr

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