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«Das war keine Aufforderung an die Parteien, mich aufzustellen»

Der bekannte Zürcher Anwalt Valentin Landmann liebäugelt mit der Politik. Mit seiner Art zu reden, verspricht er sich gute Chancen.

Valentin Landmann liebt es, andere zum Denken anzuregen – hier anlässlich der Vernissage seiner Biografie im Frühling 2017.
Valentin Landmann liebt es, andere zum Denken anzuregen – hier anlässlich der Vernissage seiner Biografie im Frühling 2017.
Sabina Bobst

Sie äussern in der NZZAbsichten, in die Politik einzusteigen. Wurden Sie schon von einer Partei angefragt? Diese Frage ist verfrüht: Der Artikel ist heute erschienen. Meine eigenen Vorstellungen sind auch noch nicht völlig ausgegoren. Aber politische Fragen beschäftigen mich. Und offenbar wissen das auch gewisse Politiker. Zumindest diskutieren sie darüber.

Das haben Ihnen die Politiker erzählt?

Das habe ich nur gehört und heisst noch nichts Konkretes. Ich bin primär Anwalt und möchte das auch weiterhin sein. Gleichzeitig habe ich meine politischen Vorstellungen und bin offen, alles zu diskutieren. Aber ich bin kein politischer Karrierejäger.

Als 67-Jähriger wären Sie mit dieser Absicht auch reichlich spät dran.

Tatsächlich. Wenn das mein Hauptziel im Leben gewesen wäre, hätte ich früher auf diese Seite umgeschwenkt. Und ich war ja in jungen Jahren schon einmal Mitglied der SVP und der FDP.

Was reizt Sie an der Politik?

Ich habe Freude daran, Menschen in meinen Kolumnen, Büchern oder an meinen Vorträgen Denkanstösse zu geben. Eine Meinung müssen sie sich selbst bilden. Ob das auch auf einer politischen Bahn funktionieren würde, das ist eine andere Frage.

Sie wollen nicht überzeugen?

Ich habe eine Meinung und sage die auch. Wenn den Leuten meine Meinung einleuchtet, weil ich ihnen das Hintergrundwissen dazu geliefert habe, dann ist das schön und gut. Aber mein Hauptanliegen ist, dass sich die Leute überhaupt Gedanken machen. Vor Gericht will ich aber natürlich schon überzeugen.

Bei welchen Themen wollen Sie die Leute zum Denken anregen?

Justizfragen interessieren mich. Mir geht es aber immer auch um eine freiheitliche Auffassung und um Sicherheit. Was die Selbstbestimmung der Schweiz angeht, bin schon der Meinung, dass wir die Möglichkeiten der selbstständigen Rechtsetzung nicht über Bord werfen sollten. Wir sind ein Felsbrocken mitten in Europa, ohne eigene Bodenschätze und ohne Hafen. Wir müssen Rahmenbedingungen schaffen für die Wirtschaft, unser Arbeitsethos hat uns zu Wohlstand verholfen. Deshalb brauchen wir eine eigene Gesetzgebung. Man muss gewisse Themen zur Diskussion stellen, damit die Bürger darüber nachdenken und sich eine Meinung bilden.

Der Totenkopf gehört zu seinem Business-Modell: Valentin Landmann in seinem Büro.
Der Totenkopf gehört zu seinem Business-Modell: Valentin Landmann in seinem Büro.
Keystone
«Ich kämpfe um die Lebenszeit eines Mandanten»: Landmann neben der Justitia in seinem Büro.
«Ich kämpfe um die Lebenszeit eines Mandanten»: Landmann neben der Justitia in seinem Büro.
Keystone
Das erste legale Bordell der Schweiz: Valentin Landmann posiert am 23. Februar 1998 in Züerich vor dem Petite Fleur, welches er initierte.
Das erste legale Bordell der Schweiz: Valentin Landmann posiert am 23. Februar 1998 in Züerich vor dem Petite Fleur, welches er initierte.
Keystone
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Zurück zu Ihrem politischen Engagement: Sie möchten schon von einer Partei angefragt werden.

Ich verstand meine Äusserungen nicht als Aufforderung, mich zu fragen. Wenn es eine Partei tut, dann würde ich es mir überlegen.

Auch, wenn es die Grünen sind?

Da müsste ich schauen, was sie von mir erwarten. Aber diese Anfrage scheint mir eher unrealistisch.

Weil Ihr Gedankengut eher dem der SVP entspricht.

Sicherlich. Aber ich bin beispielsweise für die Hanffreigabe. Ich würde in jeder Partei bei mindestens einem Thema quer in der Landschaft stehen, weil ich immer meine Meinung sage. Befreundet bin ich über die Parteigrenzen hinweg, auch mit Grünen und SPlern. Ich folge nicht gern stur einer Linie, sondern mache mir lieber meine eigenen Gedanken. Im Dialog mit Andersdenkenden bilde ich mir eine Meinung.

Als Anwalt vertreten Sie meist die Schwachen unserer Gesellschaft, Aussenseiter. Beisst sich das nicht mit den Ansichten der SVP?

Tut es das? Ich setze mich nur für die korrekte Anwendung der Justiz ein. Wieso soll dies einer freiheitlichen Auffassung einer SVP, aber auch einer SP widersprechen?

Sie loben den Zürcher Stadtrat Richard Wolff für seine Power. Was macht für Sie einen guten Politiker aus?

Dass er Dinge in einfachen, klaren Worten und seine Meinung sagt. Ich rede ja auch einfach platsch heraus. Solche, die akademisch hochgestochen palavern oder Wischiwaschi-Politiker mag ich nicht.

Wer politisiert noch gut?

Jositsch zum Beispiel, oder auch Blocher.

Was, wenn keine Partei bei Ihnen anklopft?

Dann werde ich einfach weiterhin auf meiner Bühne Leute zum Nachdenken anregen.

Sie stehen gern auf der Bühne.

Ja, klar. Die Bühne ist nicht negativ zu verstehen. Auf jeder Bühne versucht man ja nur, anderen Gedanken schmackhaft zu machen und nicht zu langweilen.

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