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«Die Eltern konnten mich im Gymi auch nicht selber unterstützen»

Bildungsdirektorin Silvia Steiner will Massnahmen ergreifen, damit mehr Kinder die Probezeit im Gymi schaffen. Wie das?

«Diese Zahlen haben mich betroffen gemacht»: Die Zürcher Bildungsdirektorin Silvia Steiner (CVP).
«Diese Zahlen haben mich betroffen gemacht»: Die Zürcher Bildungsdirektorin Silvia Steiner (CVP).
Reto Oeschger

Die Kantonsschule Zürich-Nord hält einen zweifelhaften Rekord: Ein Drittel der Schüler hat in den letzten zehn Jahren die Probezeit dort nicht geschafft. Weshalb? Die Gründe lassen sich nicht ganz einfach erklären. Einer davon liegt im Einzugsgebiet der Kantonsschule Zürich-Nord: Die Kinder, die dort das Gymi gestartet haben, kommen überdurchschnittlich häufig aus Familien, die ihnen bei den Hausaufgaben nicht so gut helfen können und kein Deutsch sprechen. Zu diesem Ergebnis kommt unsere jüngste Studie. In dieser haben wir bei allen Gymnasien im Kanton untersucht, wie hoch die Prozentzahlen der Schülerinnen und Schüler sind, die die Probezeit nicht bestehen.

Zwischen den Gymnasien gibt es grosse Unterschiede. Bestehen in einer Schule über 30 Prozent die Probezeit nicht, sind es in einer anderen nur 6 Prozent. Was sagen Sie dazu? Diese Zahlen haben mich betroffen gemacht. Wenn bis zu einem Drittel der Kinder durch die Probezeit fällt, ist das zu viel. Das darf nicht sein. Mir war klar, dass wir mehr wissen müssen über die Hintergründe. Diese warfen für mich die Frage auf, ob die Kinder an allen Gymnasien dieselben Chancen haben. Gerade für Kurzzeitgymnasiasten kann es sehr schwierig sein, die Probezeit nicht zu bestehen – so kurz vor dem Schulende und während andere schon daran sind, einen Lehrvertrag abzuschliessen. Für einzelne kann das eine Katastrophe sein.

Welches sind für Sie die wichtigsten Schlüsse daraus? Eine wichtige Erkenntnis ist, dass die zentral geregelte Aufnahmeprüfung gut funktioniert. Die Studie zeigt, dass Kinder, die dort gut abschneiden, auch die Probezeit eher bestehen. Die Kritik an der Aufnahmeprüfung war ja häufig, dass die Tagesform der Kinder entscheidend sei.

Die Studie zeigt auch, woran die Kinder sowohl im Kurz- als auch im Langzeitgymi am häufigsten scheitern: am Latein, am Französisch und an der Mathe. Gerade beim Latein müssen die Kinder viel büffeln. Das kann vor allem für jüngere Kinder sehr schwierig sein. Das haben mir auch Rektoren bestätigt.

Wie lässt sich das ändern? Den Schülerinnen und Schülern fehlt häufig eine geeignete Lerntechnik. Die Schulen haben da bereits Massnahmen ergriffen. Da braucht es von Zürich-Nord bis zum Rämibühl ganz unterschiedliche Vorgehensweisen – je nach Hintergrund der Kinder. Aufgabenhilfe ist dabei ein grosses Thema. Die Schulen haben gemerkt, dass den lernschwächeren Kindern manchmal das Arbeitsumfeld fehlt, das ein gutes Lernen begünstigt. Es kann zum Beispiel sein, dass ein Kind sein Zimmer teilt und deshalb wenig Ruhe zum Lernen hat. Oder dass niemand im privaten Umfeld bei den Aufgaben helfen kann. Ich kann das gut nachvollziehen. Ich selbst stamme nicht aus einer Akademikerfamilie. Meine Eltern konnten mich im Gymnasium auch nicht selber unterstützen und mussten sich Hilfe organisieren. Wenn dies für Eltern nicht möglich ist, steht der Staat, die Schulen in der Pflicht.

Gibt es konkrete Beispiele? Die Kantonsschule Zürich-Nord lässt neu ältere Schüler die Probezeitkinder coachen. Die Kleinen haben dann eine engere Begleitung von Jugendlichen, die sich bereits auskennen und wissen, wie und wo man am besten lernen kann.

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