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Michael Hübler heisst der neue Chefarzt für herzkranke Kinder

Der Professor aus Berlin tritt per 1. Juli am Zürcher Kinderspital die Nachfolge von René Prêtre an.

Der Berliner für Zürichs kleinste Herzen: Michael Hübler.
Der Berliner für Zürichs kleinste Herzen: Michael Hübler.
Nicola Pitaro

Das Brustbein eines Neugeborenen ist dünn wie ein Streichhölzchen, zart und biegsam. Um es durchzutrennen, braucht der Chirurg eine haarfeine Spezialsäge. Das pulsierende Herzchen, das er auf diese Weise freilegt, ist kleiner als eine Baumnuss. Hier zu operieren, zu schneiden und zu nähen, verlangt Millimeterarbeit. Es fordert auch vom erfahrenen Operateur höchste Konzentration und eine ruhige Hand.

Operationen in den allerersten Tagen nach der Geburt sind nötig, wenn ein angeborener Herzfehler vorliegt: Fehlbildungen an Herzklappen, falsch angeschlossene und nicht vollständig getrennte Blutgefässe. Ohne Operation können solche Kleinkinder innert Tagen oder sogar Stunden sterben. Michael Hübler gehört zu den zehn, vielleicht fünfzehn Ärzten in Europa, die sich auf solche Präzisionseingriffe spezialisiert haben. Einen Namen hat sich der Deutsche mit sogenannten Aorta Translocations gemacht, dem Anschliessen der falsch platzierten Hauptschlagader am richtigen Platz im Herzen. Jetzt kommt Hübler aus Berlin nach Zürich. Er tritt das Erbe von René Prêtre an, dem Chirurgen, der das Kinderspital in Zürich bei Operationen an Kleinkinderherzen gross gemacht hat und nun Klinikdirektor in Lausanne wird.

Breitschultrig, mit Kinnbart

Gestern haben das Kinderspital und die Universität bekannt gegeben, dass Michael Hübler den Zuschlag bekommen hat. Der 50-Jährige wird Chefarzt der Kinderherzchirurgie und ausserordentlicher Professor für dasselbe Gebiet. Er hat in den letzten zwei Jahrzehnten 6000 Herzoperationen durchgeführt, zuletzt in einem einzigen Jahr rund 600. Am Kinderspital erwartet ihn ein kleineres Pensum: Hier wird er jährlich vorerst 300 bis 350 Herzen operieren. Das ist ihm recht: «Wenn Sie pro Tag acht, neun Stunden im Operationssaal stehen, fehlt Ihnen die Zeit, um sich auch in den Tagen und Wochen nachher mit den einzelnen Patienten so eingehend zu beschäftigen, wie es Ihre Eltern erwarten.» Hübler hofft, dass er diesen für ihn unbefriedigenden Zustand verbessern kann.

Der 1,87 Meter grosse, breitschultrige Mediziner trägt einen modischen Kinnbart, ein hellblaues Hemd mit offenem Kragen, dunkles Jackett und Jeans. Er spricht eher bedächtig. Er war zwar die vergangenen fünf Jahre stellvertretender Klinikdirektor am Deutschen Herzzentrum in Berlin. Er ist aber kein Preusse, sondern stammt aus Schwaben, was man ihm auch anhört. Angesprochen auf die kulturellen Unterschiede zwischen Berlin, Stuttgart und Zürich, sagt er zuerst: «Ich bin in erster Linie Mediziner, und Mediziner verstehen einander über alle kulturellen Grenzen hinweg auf fachlicher Ebene.» Er denkt nach und ergänzt: «Ich bin so erzogen worden, dass ich versuche, alle Mitarbeiter zu respektieren. Und unter Mitarbeitern verstehe ich auch das Putzpersonal.»

Operationszahlen steigern

Als seine wichtigste Aufgabe am Kinderspital bezeichnet Hübler, das Vertrauen der zuweisenden Ärzte und der Kollegen zu gewinnen. In der Forschung hat er zur Uni und zur ETH erste Kontakte geknüpft, pro Woche wird er einen Tag am Unispital operieren. Hübler will seine Forschung in Zürich auf die langfristigen Auswirkungen der Herzfehler auf das Hirn und damit auf die Lebensqualität der operierten Kinder konzentrieren. Sein Chef Martin Meuli, Direktor der Chirurgischen Klinik am Kinderspital, erwartet von Hübler aber mehr: die Kinderherzchirurgie weiterentwickeln, die Operationszahlen anheben, Drittmittel organisieren.

Wie will er das schaffen? «Dazu braucht es ein eingespieltes Team», sagt Hübler. Er übernimmt weitgehend das Personal, das ihm Prêtre hinterlässt. Zwei offene Stellen besetzt er mit einer Ärztin und einem Arzt, die zwar nicht bei ihm in Berlin gearbeitet haben, die er aber kennt. Die Chirurgin ist eine Russin. «Patienten aus Russland sind nicht im Fokus, aber ich will ihnen anbieten, sie in ihrer Muttersprache beraten zu können», sagt Hübler. Seine Frau, ebenfalls Herzchirurgin, zählt nicht zu seinem Chirurgenteam. «Sie bereitet unseren Umzug vor, wir haben eine Wohnung mit Seeblick gefunden.» Was sie später beruflich macht, ist noch offen – und nicht, wie kolportiert wurde, Bestandteil von Hüblers Anstellungsbedingungen.

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