Militante Veganer stürmen Sternen Grill am Zürcher Bellevue

Unbekannte Aktivisten haben beim Sternen Grill demonstriert. Die Aktion der Veganer stösst selbst bei Gleichgesinnten auf Unverständnis.

Im Visier von Veganern: Sternen Grill am Bellevue.

Im Visier von Veganern: Sternen Grill am Bellevue. Bild: belgrill.ch

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Es war ein unerwarteter und vor allem unerfreulicher Auftritt: Am Freitagabend hat sich eine Gruppe Aktivisten beim Sternen Grill am Zürcher Bellevue versammelt und lauthals «Fleisch ist Mord» skandiert. «Die Vegan-Demonstranten sind aus dem Nichts aufgetaucht und haben sich mit einem Transparent vor dem Restaurant versammelt. Einer kam ins Lokal herein und hat auf allen Tischen Flyer verteilt», schildert ein Gast das Geschehen gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet.

Auf den Flugblättern sind Fotos von eingepferchten oder toten Schweinen zu sehen. «Tiere sind Lebewesen, keine Lebensmittel», stand darauf zu lesen. «Mir ist die Wurst im Hals stecken geblieben. So was will man nicht sehen, wenn man gerade isst. Das ist total daneben», sagt die Sternen-Grill-Kundin. Das Ganze habe etwa zehn Minuten gedauert, dann seien die Aktivisten weggeschickt worden.

«Wer zu uns kommt, will Fleisch essen»

Laut Thomas Rosenberger, Inhaber des Sternen Grills, haben die Demonstranten nicht nur unerlaubterweise Flyer in seinem Lokal verteilt, sondern auch Sticker an die Wände geklebt. «Bis jetzt haben ich noch nie so etwas erlebt und ich hoffe auch, dass es eine einmalige Sache bleiben wird», sagt er auf Anfrage.

Solche Aktionen seien geschäftsschädigend und brüskierten die Gäste. Bringen würden sie absolut gar nichts. «Wer zu uns in den Sternen Grill kommt, der will Fleisch essen. Daran ändern solche Demonstrationen nichts.» Rosenberger betont jedoch, dass er bei der Wahl der Lieferanten sehr auf tiergerechte Haltung in deren Betrieben achte. «Im Sternen Grill wird ausschliesslich Schweizer Fleisch aus nachhaltiger Produktion verkauft.»

Wer hinter der Aktion steckt, ist nicht bekannt. Bei der Stadtpolizei gingen keine weiteren Meldungen von ähnlichen Demonstrationen ein. Auf den Flugblättern wird auf die Seite Soylent-network.com hingewiesen, auf welcher eine Privatperson «interessierten Menschen authentisches Bild- und Videomaterial für Tierrechtsarbeit» unentgeltlich zur Verfügung stellt. Eine Anfrage per Mail bleibt unbeantwortet.

Alternativen statt Aktionen

Auch bei der Veganen Gesellschaft Schweiz (VGS) hat man keine Kenntnisse von dieser Aktion. «Es gibt sehr viele verschiedene Gruppierungen, die sich mit dem veganen Leben befassen. Wir können sie nicht alle repräsentieren», sagt VGS-Mediensprecher Raphael Neuburger.

Die VGS wende andere Methoden an, um die Bevölkerung über die vegane Lebensweise zu informieren. «Wir stellen Alternativen zum Fleischkonsum vor und klären sachlich auf. Uns geht es darum, die positiven Seiten des veganen Lebens zu zeigen», sagt Neuburger weiter. Das geschehe unter anderem an der Vegana, dem Strassenfest für vegane Ernährung und veganen Lifestyle, das am kommenden Wochenende im Sihlcity stattfindet.

Für die militanten Veganer wird die Aktion vom Freitagabend jedenfalls kein Nachspiel haben. Rosenberger will keine Anzeige erstatten. «Ich will mich nicht auf das Niveau dieser Leute herablassen», sagt er und lässt die Sache damit auf sich beruhen.

Erstellt: 30.08.2017, 15:02 Uhr

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Der Flyer: Diese Flugblätter wurden im Sternen Grill verteilt. (Bild: ZVG)

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