Mit dem verschönerten Platz kamen Dreck und Lärm

Jetzt wehren sich Anwohner beim Stadtrat. Die Aufwertung des Denner-Platzes im Stadtkreis 5 hatte unangenehme Folgen.

Ungewollte Folgen: Der Umbau des kleinen Vorplatzes beim Denner an der Langstrasse bereitet den Anwohnern keine Freude. Bild: Stefan Hohler

Ungewollte Folgen: Der Umbau des kleinen Vorplatzes beim Denner an der Langstrasse bereitet den Anwohnern keine Freude. Bild: Stefan Hohler

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Eigentlich sind sich die Anwohner des kleinen Platz an der Kreuzung Langstrasse/Johannesgasse im Kreis 5 Lärm gewohnt. Denn in der dortigen Denner-Filiale versorgen sich Jugendliche für das Vorglühen im Ausgang, und Alkis kaufen ihre Tagesrationen.

Doch seit einiger Zeit hat sich die Situation dramatisch verschlechtert, wie Anwohnerin Nicole Weber Fischer in einem Mail an Stadtrat Filippo Leutenegger (FDP) schreibt: «Es vergeht kaum eine Nacht mehr, in der die Anwohner der Johannesgasse nicht wegen des Lärms erwachen, den zumeist Gruppen von Betrunkenen machen. Immer wieder kommt es zu Schlägereien, Lärm, Abfall und Sachbeschädigungen aller Art.» Zudem seien die Johannesgasse und die benachbarte Mattengasse Orte für Auseinandersetzungen und öffentliche WCs geworden.

Parkplätze wurden aufgehoben

Der Grund für die Verschlechterung: Die Stadt hat den Platz im Frühsommer 2014 umgebaut. Die paar Autoparkplätze auf dem ehemaligen Kehrplatz wurden aufgehoben, der Boden gepflastert, Bäume wurden gesetzt und Bänke hingestellt – direkt vor dem Denner und einem 24- Stunden-Shop für Alkohol. Der Platz wird nun rege benützt; vor allem nachts und am Abend sind viele junge Männer dort anzutreffen.

Der umgebaute Platz vor dem Denner. Bild: Stefan Hohler

Laut einer ehemaligen Anwohnerin, die vor rund drei Jahren wegen des Lärms ausgezogen ist, hat die Stadt mit dem Umbau «den roten Teppich hingelegt und eine zweite Piazza Cella» geschaffen. Schon vor dem Umbau sei es dort immer laut und lärmig gewesen, jetzt habe sich die Lage dramatisch verschlechtert.

Die ehemalige Anwohnerin sagt, dass am Morgen vor allem Alkoholiker auf den Bänken sässen und am Mittag Jugendliche der benachbarten Berufsschulen dazukämen – diese Besucher störten nicht. Am Abend dann sei der Platz nur noch von jungen Männern besetzt, viele Tamilen und Eritreer. Am Wochenende sei der Platz Treffpunkt vom Ausgehpublikum. Jugendliche versorgten sich für das Vorglühen im Denner mit Alkohol und tränken dort, bevor sie die Clubs und Bars besuchten.

Beliebter «Vorglühplatz»

Diese Erfahrung haben auch die Mitarbeiter der SIP Züri (Sicherheit Intervention Prävention) gemacht. Laut Christian Fischer ist der Platz vor allem am Wochenende ein «Vorglühplatz». Nicht zuletzt, weil sich die jungen Leute in der Mattengasse-Durchfahrt, welche durch das Denner-Gebäude verläuft, auch bei Regen dort aufhielten. Die SIP sei regelmässig mit den Besuchern im Gespräch und würde mässigend wirken. In diesem Monat war die SIP bereits 25-mal vor Ort gewesen.

Nicole Weber hat inzwischen Antwort von Leutenegger erhalten: «Die Verantwortung für polizeiliche Fragen liegt voll und ganz bei meinem Kollegen Richard Wolff. Er wird sich um ihr dringendes Anliegen kümmern und Ihnen auch antworten», schrieb ihr der Stadtrat. Weber ist nicht zufrieden mit der Antwort. Auf die Problematik der baulichen Massnahmen – sprich Bänke – sei Leutenegger nicht eingegangen. «Die Probleme haben sich vor allem nach dem Umbau des Platzes zugespitzt», sagt Weber. Sie erwartet nicht primär noch weitere Polizei- und SIP-Kontrollen, sondern dass der Platz weniger attraktiv ist. Für Weber war der Umbau des Platzes zwar gut gemeint, hat aber für die Anwohner vor allem negative Immissionen gebracht.

Hilfe vom Quartiervereinspräsidenten

Unterstützung erhalten die Anwohner von Helmuth Werner, dem langjährigen Quartiervereinspräsidenten. Werner hat sich auch an Stadtrat Wolff und die Stadtpolizei gewandt, «weil die Reklamationen von Frau Weber mehr als berechtigt sind». Die ständigen Reklamationen von Anwohnern über unzumutbaren Nachtlärm von Asylanten im Verein mit Besoffenen könne man nicht mit «urbanem Wohnen» abtun, schreibt Werner. Im Weiteren habe es bei der Durchfahrt Mattengasse, über welche die Stadt ein öffentliches Fuss- und Fahrwegrecht habe und wo sie somit auch für die Reinigung sorgen solle, in aller Regelmässigkeit Deponien mit Abfall. «Wir dürfen den Kreis 5 nicht mehr in den früheren Zustand wie vor 25 Jahren zurückgleiten lassen. Ich ersuche um dringende polizeiliche Interventionen», schreibt der Quartiervereinspräsident.

Erstellt: 15.09.2017, 11:48 Uhr

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